'Ndrangheta kämpft um den Heiligen Johannes

11. April 2011, 14:08
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Todesdrohungen in kleinem kalabrischem Ort

Hochspannung, zerstochene Autoreifen und Todesdrohungen in der kalabrischen 3.000-Einwohner-Gemeinde Sant'Onofrio: Es geht um die Frage, wer bei der Osterprozession die Johannes-Statue schultern darf. Nach einem vom Bischof verhängten "Mafia-Bann" sollen beim traditionellen Affruntata-Umzug Mitglieder der beiden lokalen Fußballvereine und des Zivilschutzes den Heiligen, Jesus und die Schmerzensmutter Maria tragen. Die 'Ndrangheta, die kalabrische Mafia, will aber nichts davon wissen.

Denn der lokalen Tradition zufolge präsentiert die 'Ndrangheta bei der Prozession ihre "Novizen" erstmals der Öffentlichkeit, und zwar als Träger der Johannes-Statue. Darauf will man offenbar nicht verzichten. Laut Medienberichten erhielt der Vorsitzende des einen Fußballvereins Todesdrohungen, der andere fand sein Auto mit zerstochenen Reifen vor. Die Präfektin der Provinz Vibo Valentia, Laura Latella, stellte nun klar: Wenn das nicht sofort aufhört, dann tragen Sicherheitskräfte und Feuerwehrleute die Statuen.

Schüsse zu Ostern

Ausgelöst wurde der Wirbel im vergangenen Jahr durch den Bischof, der die Mitwirkung mafiöser Organisationen an religiösen Zeremonien untersagt hatte. Zu Ostern 2010 feuerten Unbekannte auf das Haus des Organisators der Affruntata-Prozession. Der Umzug symbolisiert das Zusammentreffen von Jesus, Maria und Johannes nach der Auferstehung. (APA)

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