Tatort Arbeitsplatz

11. April 2011, 14:19
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Gewerkschaft vida will Thema aus dem Tabubereich holen: Leitlinien gegen Gewalt und sexuelle Belästigung sowie gesetzliches Mobbingverbot gefordert

Laut einer ifes-Erhebung im Auftrag der Gewerkschaft vida hat beinahe jede/r zweite Beschäftigte im Verkehrs- und Dienstleistungsbereich am aktuellen Arbeitsplatz schon einmal Gewalt erlebt. "Die Palette reicht von verbaler Gewalt über Ausgrenzung und Mobbing bis zur sexuellen Belästigung und zu physischen Übergriffen", erklärte Frauenvorsitzende Elisabeth Vondrasek am Montag bei der ersten Vida-Frauen-Tagung zum Thema.

Gewalt nicht hinnehmen

"Gewalt im Job ist ein weit verbreitetes Problem. Frauen sind besonders betroffen", betonte auch der vida-Vorsitzende Rudolf Kaske. Sie sind besonders stark auf die Dienstleistungsbranche konzentriert, arbeiten also in Berufen, die durch ein Dreiecksverhältnis gekennzeichnet sind. Neben den KollegInnen und Vorgesetzten spielen Dritte wie KundInnen und KlientInnen eine wesentliche Rolle. Dazu kommen in der Pflege und Betreuung die Angehörigen als weitere Personengruppe.

Zusätzlich gibt es laut vida weitere Ursachen, die zu vermehrter Gewaltgefährdung führen: Frauen arbeiten häufiger als Männer auf unteren Hierarchieebenen, wo es weniger Mitsprache gibt. Auch sexuelle Belästigung kommt bei Frauen weit öfter vor als bei Männern. Mobbing wird verstärkt gegenüber Frauen angewendet, die aufgrund von Betreuungspflichten dem Betrieb nicht uneingeschränkt zur Verfügung stehen. "Wir wollen diese verschiedenen Formen der Gewalt aufzeigen und die Betroffenen dazu ermuntern, die Gewalt nicht hinzunehmen. Denn nur wer sich zur Wehr setzt, hat die Chance etwas zu verändern", sagte Vondrasek.

Thema wird ignoriert

Denn das Verdrängen und Verharmlosen der Gewalt am Arbeitsplatz sei in den heimischen Betrieben noch weit verbreitet. "Es ist erschreckend, wie viele Arbeitgeber das Problem ignorieren. Laut einer EU-weiten Studie sehen mehr als 80 Prozent der österreichischen Arbeitgeber Gewalt und Mobbing als gar kein Thema in ihrem Betrieb an", zitierte Kaske aus einer EU-weiten Erhebung.

Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek betonte bei ihrer Begrüßungsrede, dass man Gewalt nicht im Privaten versteckt lassen dürfe, weder daheim in der Familie noch am Arbeitsplatz. Die Palette der Formen von Gewalt werde immer breiter, sagte die Ministerin. Sie reiche von herablassenden Witzen bis hin zum Mobbing, sexuellen Belästigungen und handfesten Gewalttätigkeiten.

Hilfe im Betrieb

Die vida nehme hier eine Vorreiterrolle ein, wenn sie das Thema Gewalt am Arbeitsplatz aus der Grauzone herausholt: "Die BetriebsrätInnen sind die ersten Ansprechpartner. Sie können helfen, die Untergriffigkeiten beim Namen zu nennen, und sie können die weiteren Schritte einleiten und die konkreten Fälle dem Arbeitsinspektorat und den Gleichbehandlungsstellen melden."

Eine wichtige Aufgabe sei auch die Prävention, denn die psychischen Erkrankungen nehmen massiv zu. Menschen funktionierten nicht wie Maschinen, gerade Frauen litten unter Drei- und Vierfachbelastungen. "Menschen dürfen nicht wie Maschinen behandelt werden, es geht bei der Arbeitsplatzsicherheit nicht nur um ergonomische Sitze und korrekte Beleuchtung, sondern auch darum, sagen zu können: 'Das lass ich mir nicht gefallen!', ohne gleich Angst um den Arbeitsplatz zu haben", so Heinisch-Hosek. Arbeitgeber und Betriebsrat hätten auch Fürsorgepflichten. Im Öffentlichen Dienst gilt Mobbing bereits als Dienstpflichtverletzung. "Das ist ein erster Schritt. Jetzt geht es darum, noch mehr zu sensibilisieren und das Thema Gewalt am Arbeitsplatz aus der Tabuzone herauszuholen. Dabei bin ich Ihre Verbündete", sagte die Frauenministerin abschließend.

Tatort Arbeitsplatz

vida beitet den betroffenen Gewerkschaftsmitgliedern im Rahmen der Initiative "Tatort Arbeitsplatz. Gib der Gewalt im Job keine Chance." bereits jetzt schon Beratung und Unterstützung an. Zudem fordert die Gewerkschaft von den Betrieben und dem Gesetzgeber Maßnahmen zur Bekämpfung der Gewalt ein. So sollen verbindliche Leitlinien gegen Gewalt und sexuelle Belästigung in den Betrieben eingeführt werden und eine gesetzliche Verankerung eines Mobbingverbotes samt Sanktionen auch für die Beschäftigten in der Privatwirtschaft. Auch die Forderung nach einem Einsatz des Arbeitsinspektorats als Kontrollorgan für alle Arten der Gewalt im Betrieb und den Einsatz von ArbeitspsychologInnen werden laut.

Daneben müsse sichergestellt werden, dass auseichend Personal im Einsatz ist. "Wer seinen Betrieb ständig mit einer personellen Unterbesetzung führt, agiert auch in puncto Gewaltprävention äußerst fahrlässig. Genügend Personal einzusetzen, ist eine Grundvoraussetzung, um der Gewalt am Arbeitsplatz vorzubeugen", so Vondrasek und Kaske abschließend. (red)

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