Tausende Babys bis 1975 in Heimen misshandelt

11. April 2011, 14:01
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"Report Mainz": Vernachlässigung und Gewalt aus Überforderung nicht ausgebildeter Helferinnen

In deutschen Säuglingsheimen von Caritas und Diakonie sind einem TV-Bericht zufolge zwischen 1949 und 1975 tausende Babys durch Anbinden und Schläge misshandelt worden. Katholische Nonnen und Diakonissen vernachlässigten die Kinder, weil die Heime häufig überbelegt waren, wie das ARD-Politikmagazin "Report Mainz" am Montag laut Vorabmeldung berichtete. Oft habe eine einzige, nicht ausgebildete Helferin alleine zehn Säuglinge versorgen müssen.

Der Sozialpädagoge Manfred Kappeler bezeichnete es in dem "Report"-Beitrag als "bekannt", dass unruhige Kinder in den Heimen festgebunden wurden. "Die Hände, die Arme, die Beine wurden an die Gitterstäbe der Betten angebunden, und es wurden unruhige Kinder auch mit Medikamenten ruhiggestellt, mit sedierenden Medikamenten, völlig ohne Problembewusstsein", sagte der Experte. "Hauptsache, sie waren ruhig." Kappeler zufolge soll dies generelle Praxis in den Säuglingsheimen gewesen sein.

Laut "Report Mainz" belegen mehrere wissenschaftliche Untersuchungen, dass Kinder, die länger als sechs Monate in den Heimen untergebracht waren, häufig in ihrer sprachlichen, sozialen und motorischen Entwicklung zurückblieben. Viele wurden demnach aufgrund fehlender Zuwendung im Heim hospitalisiert: Dem Bericht zufolge zeigen wissenschaftliche Filmaufnahmen aus den 1960er Jahren Kinder in Säuglingsheimen, die apathisch wirken und permanent mit den Köpfen wippen.

Zudem zeigen demnach Fotos aus deutschen Säuglingsheimen der 1950er und 1960er Jahre festgebundene Kinder sowie Babys unter einer Höhensonne. Die Kinder seien zum Beispiel im Säuglingsheim Schorndorf bei Stuttgart mit UV-Licht bestrahlt worden, weil sie aus Zeitgründen fast nie nach draußen kamen, berichtete das Politikmagazin. (APA)

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