Kommission mahnt Unis: Keine falsch verstandene Solidarität

11. April 2011, 13:19
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Unis sollen einheitlich und strenger vorgehen

Wien  - Die Kommission für wissenschaftliche Integrität mahnt im Zusammenhang mit Plagiatsfällen die österreichischen Universitäten. Diese würden die Verantwortung dafür tragen, wissenschaftliches Fehlverhalten zu verhindern und im Fall der Entdeckung zu sanktionieren. "Sie müssen ein Interesse daran haben, ihren Ruf zu verteidigen und nicht durch falsch verstandene Solidarität oder Nachlässigkeit im Umgang mit Fehlverhalten zu beschädigen", heißt es in einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme. "Sie schaden damit nicht nur sich selbst, sondern dem Ansehen der Wissenschaft insgesamt."

Die Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität (OeAWI) wurde 2008 von Unis und Forschungseinrichtungen gegründet. Dieser Verein hat dann eine aus fünf ausländischen Experten zusammengesetzte Kommission ins Leben gerufen, die unabhängig Vorwürfe wissenschaftlichen Fehlverhaltens in Österreich untersuchen und bewerten soll. Anlässlich der Behandlung einer Reihe von Plagiatsfällen hat sich nun die Kommission zu einer Stellungnahme entschlossen, die sich an Autoren und wissenschaftliche Institutionen richtet.

Nur bei Grenzfällen warnen, sonst Qualifikation aberkennen

In "Grenzfällen" - die Kommission spricht von "sehr geringem Umfang eines Plagiats und plausibler Unterstellung eines Mangels an Absicht" - sei eine Verwarnung die geeignete Form der Reaktion, heißt es in der Stellungnahme. In allen darüber hinausgehenden Fällen sei es "international nicht unüblich", Qualifikationsverfahren, also Promotion oder Habilitation, zu beenden bzw. bereits erhaltene Qualifikationen abzuerkennen. "Universitäten sind in solchen Fällen jedenfalls gut beraten, strenge Sanktionen gemäß der geltenden Rechtslage zu verhängen", betonte die Kommission.

Werbung für einheitliche Politik der Universitäten

Die OeAWI will deshalb "für eine einheitliche Politik der österreichischen Universitäten im Umgang mit Plagiaten und verwandten Formen des wissenschaftlichen Fehlverhaltens" werben und plädiert dafür, sich an den international geltenden Standards "guter wissenschaftlicher Praxis" zu orientieren.

Weber fordert Offenlegung der Gutachten zu Grasser-Arbeit

Unterdessen fordert die "Initiative Transparente Wissenschaft" die Offenlegung der Gutachten zur Plagiatsprüfung der Diplomarbeit von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Es gebe ein öffentliches Interesse, wie in diesem Fall geprüft und verdächtige Stellen bewertet wurden, nicht zuletzt um klarzustellen, welche methodischen Anforderungen bei einer Diplomarbeit in Österreich gestellt werden, so der Medienwissenschafter Stefan Weber, einer der Gründer der Initiative. Die Uni Klagenfurt hatte vergangenen Freitag mitgeteilt, dass der Plagiatverdacht durch eine "intensive interne Prüfung nicht bestätigt werden" konnte. Auch die OeAWI ist zur Auffassung gelangt, dass ein Abschreiben "nicht offenkundig vorliegt". (APA)

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