Engpässe beim Masterstudium an der Wirtschaftsuniversität

11. April 2011, 12:54
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Karl ist "Spannungsverhältnis" zwischen Angebot und Nachfrage bewusst

Wien - An der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien gibt es aus Sicht des Wissenschaftsministeriums zu wenige Plätze für Masterstudenten. Ihr sei "das Spannungsverhältnis zwischen der hohen Nachfragen nach Studienplätzen und den eingeschränkten Möglichkeiten bewusst", dies werde auch in regelmäßigen Gesprächen (mit dem WU-Rektorat, Anm.) stets zum Thema gemacht, so Ressortchefin Beatrix Karl (ÖVP) in der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der SPÖ.

Von zwölf Masterstudien an der WU werden nur zu den deutschsprachigen alle Bewerber mit facheinschlägigem Bachelor zugelassen, die vier englischsprachigen Master (International Management; Quantitative Finance; Strategy, Innovation an Management Control; Supply Chain Management) sind auf 60 bzw. 80 Studienplätze beschränkt. Doch nicht nur bei den englischen Masterstudien, wo es laut der HochschülerInnenschaft an der WU (ÖH WU) "durchaus zwischen 100 und 500 Bewerber je Studienrichtung auf 60 Plätze gibt", herrscht Platznot.

Auch bei den acht deutschsprachigen Master (Finanzwirtschaft und Rechnungswesen, Management, Sozioökonomie, Steuern und Rechnungslegung, Volkswirtschaft, Wirtschaftsinformatik, -pädagogik und -recht) sieht es nicht besser aus. Dort werden zwar alle Studenten zugelassen, die die formalen Zulassungsvoraussetzungen erfüllen, die WU verweist auf ihrer Homepage jedoch auf "Engpassprobleme": "Fast immer übersteigt die Zahl der Studieninteressierten die Zahl der kapazitätsbedingt verfügbaren Studienplätze bei weitem."

ÖH: "Inoffizielle Zugangsbeschränkungen"

Studenten der deutschsprachigen Masterprogramme müssen deshalb eine oder mehrere Einführungslehrveranstaltungen positiv absolvieren, bevor sie sich zu allen weiteren Prüfungen und Lehrveranstaltungen anmelden können. Stefan Kilga, Vorsitzender der ÖH WU, spricht in diesem Zusammenhang von einer "inoffiziellen Zugangsbeschränkung". Denn wer die Einführungslehrveranstaltung nicht auf Anhieb schafft, muss mit Verzögerungen rechnen, warnt die WU selbst. Denn "aufgrund der allseits bekannten Unterfinanzierung" werden diese jeweils nur im Wintersemester angeboten. "Studieninteressierte an deutschsprachigen Masterstudien der WU sollten daher damit rechnen, dass es allenfalls bereits im ersten Studiensemester zu Kapazitätsengpässen kommt."

Bereits im Bachelor-Studium (Wirtschaftsrecht bzw. Wirtschafts- und Sozialwissenschaften) sorgt eine andere Regelung für Studienzeitverzögerungen, nämlich die seit dem Wintersemester 2010/11 gültige verschärfte Eingangsphase. Erst wenn man diese bestanden hat, darf man die eigentliche Studieneingangsphase beginnen. "Um dies innerhalb eines Jahres zu schaffen, ist es erforderlich, die vier Eingangsprüfungen so rasch wie möglich (d.h. im ersten Halbsemester bis November) zu absolvieren", gibt die WU als Ziel vor.

Nicht einmal ein Viertel schafft Prüfungen

In der Praxis schaffen das aber die wenigsten: Nicht einmal ein Viertel der 4.150 Erstsemestrigen hat alle vier Prüfungen im empfohlenen Zeitraum bestanden, knapp zehn Prozent haben drei Prüfungen positiv abgeschlossen, 14 Prozent der Studieneinsteiger ist das bei zwei und 12 Prozent bei nur einer Prüfung gelungen, wie die ÖH WU auf Anfrage der APA bekannt gab. Etwa 40 Prozent der Erstsemestrigen haben keine einzige Prüfung bestanden bzw. sind gar nicht angetreten.

Situation wird sich durch neue Studieneingangsphase verschärfen

Ab kommendem Wintersemester wird sich die Situation noch weiter verschärfen. Dann gelten nämlich die neuen Zugangsregelungen für alle Unis, wonach Prüfungen in der Studieneingangsphase nur mehr einmal wiederholt und von jeder Uni autonom nur eine weitere Wiederholung erlaubt werden kann. Damit können WU-Bachelorstudenten künftig statt wie bisher fünf Mal nur noch zwei oder drei Mal zu einer Prüfung antreten. Die universitätsinterne Debatte darüber, ob die WU einen dritten Prüfungstermin ermöglichen soll, sei noch nicht abgeschlossen, heißt es aus dem WU-Rektorat zur APA. (APA)

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    Wissenschaftsministerin Karl hat die neue Studieneingangsphase durchgesetzt, sie wird die Situation an für die Studierenden an der Wu noch verschärfen.

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