Post muss erneut den Rotstift ansetzen

16. Mai 2003, 19:04
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"Ohne Kündigungen wird es nicht gehen" - Der verschärfte Sparkurs sieht bis 2006 den Abbau von knapp 4000 Jobs vor

Wien - Die Post muss bis 2006 deutlich mehr Personal abbauen, als bisher bekannt ist. Um die genauen Zahlen entstand am Freitag eine Art Verwirrspiel, denn Post-General Anton Wais wollte partout keine Angaben zu dem am Donnerstag vom Aufsichtsrat abgesegneten Mittelfristplan machen. Weil die dazu notwendigen Betriebsvereinbarungen noch fehlten, so die Begründung der Post.

6000 Jobs zu hoch gegriffen

Wie DER STANDARD aus der Post erfuhr, sieht die Zielvorgabe vor: Von 2003 bis 2006 müssen 3960 Vollzeitkräfte von der Payroll verschwinden, davon 2400 in den Jahren 2004 bis 2006. Wie viele "Köpfe" das sind, bleibt geheim. Es handle sich bei der Zahl um so genannte Vollzeitkräfteäquivalente, also auf Vollzeitkräfte umgelegte Personalkosteneinsparungen. Die kolportierte Streichung von 6000 Jobs dürfte zu hoch gegriffen sein. Fest steht laut Wais nur, dass die heuer geplanten 1445 Vollzeitkräfte nicht ausreichen.

Der Grund für die verschärfte Gangart ist klar: Die Post muss ihre mit 66 Prozent des Umsatzes enorm hohen Personalkosten (in absoluten Zahlen 993 Mio. Euro, Anm.) endlich Richtung 60 Prozent reduzieren. Mit den bisher praktizierten Methoden - Nichtnachbesetzungen, Beamtenvorruhestand (sofern noch möglich nach der Pensionsreform) und "Golden Handshake" - wird sich der derzeitige Personalstand von 28.974 jedenfalls nicht nennenswert dezimieren lassen.

ÖIAG legt Latte hoch

"Ohne Kündigungen wird es nicht gehen", sagte Wais. Womit klar ist, dass vor allem die Angestellten in der Distribution betroffen sein werden, denn dort ersetzen Sortiermaschinen die Mitarbeiter. Vertragsbedienstete (20 Prozent) und Beamte (61 Prozent) sind überdies praktisch nicht kündbar.

Der von der ÖIAG geforderte Mittelfristplan bis 2006 legt die Latte übrigens hoch, sieht er doch heuer eine Personalreduktion um 1632 auf 27.333 vor, 2006 sollten es nur mehr 23.629 Vollzeitkräfte sein. Den Umsatz will die Post bis 2006 - trotz rückläufiger Brief-und Paketvolumina (Firmenpost, Versandhandel) sowie weiterer Liberalisierung im Briefsektor - auf rund 1,5 Mrd. Euro stabil halten. Von 2001 auf 2002 ging dieser jedoch von 1,505 auf 1,484 Mrd. Euro zurück.

Ambitioniertes Ergebnisziel

Besonders ambitioniert scheint das Ergebnisziel 2006: Das Betriebsergebnis (Ebit) soll von elf Mio. Euro im Jahr 2002 auf 78 Mio. Euro hinaufschnellen. 2001 hatte die Post ein Ebit von 23 Mio. Euro ausgewiesen.

Finanzvorstand Rudolf Jettmar zeigte sich mit der Bilanz 2002, die, wie berichtet, einen von 47 auf 19 Mio. Euro geschrumpften Gewinn ausweist, dennoch zufrieden: Der Entfall der Subventionen für den Zeitungsversand (14 Mio. Euro) und der entgangene Zinsertrag aufgrund der Sonderdividende in Höhe von 330 Mio. Euro hätten direkt auf das Ergebnis durchgeschlagen. Das habe man weit gehend wettgemacht. Heuer muss die Post abermals Rücklagen auflösen, um die 40-Mio.-Euro-Dividende an die ÖIAG zahlen zu können. (ung/DER STANDARD Print-Ausgabe, 17.5.2003)

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    montage: derstandard.at
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