70 Tage länger arbeiten fürs gleiche Geld

12. April 2011, 11:54
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Für die Business and Professional Women Austria markiert der 13. April den Tag, an dem Fauen das gleiche Jahresgehalt 2010 wie ihre männlichen Kollegen erzielen

Wien - Am 13. April ist der "Equal Pay Day" - zumindest, wenn man sich an der Berechnungsgrundlage der Plattform "Business and Professional Women Austria" (BPW) orientiert. Die setzt den internationalen Aktionstag für Entgeltgleichheit zwischen Männern und Frauen wie ihre weltweit vertretene Mutterorganisation nämlich an dem Tag fest, an dem Frauen auf das gleiche Einkommen wie ihre männlichen Kollegen schon im Vorjahr kommen. Eingeführt hat der österreichische Ableger diesen alternativen Termin vor drei Jahren.

Zwei Termine, gleiches Ziel

Für etwas Verwirrung sorgt dieser frühe "Equal Pay Day" mitunter, weil Institutionen wie etwa der Österreichische Gewerkschaftsbund oder die Arbeiterkammer ihn an dem Tag begehen, ab dem Frauen gratis arbeiten, was für 2010 am 2. September zutraf. Das Ziel - die Reduzierung der Gehaltsschere - ist allen gemeinsam.

Frauen, für Gehaltsverhandlungen "fit"

Laut Daten der Statistik Austria müssen Frauen in Österreich 70 Tage - und damit bis zum 13. April - länger arbeiten, um auf das gleiche Jahresgehalt 2010 wie ihre männlichen Kollegen zu kommen. Das Frauennetzwerk BPW veranstaltet deshalb am Mittwoch den dritten Equal Pay Day. Die Aktivitäten des Netzwerks haben heuer den Fokus, Frauen für Gehaltsverhandlungen "fit" zu machen.

Im Jahr 2010 wurde der Tag ebenfalls am 13. April begangen, im Jahr davor war es der 16. April, also 3 Tage mehr. Die Gründe für die Gehaltsschere seien vielfältig und etwa in den Karenzzeiten und Teilzeitbeschäftigungen, klassischen Frauenbranchen oder bei der Intransparenz im Unternehmen zu finden.

Arbeit nicht länger unter Wert verkaufen

Dem Netzwerk geht es heuer deshalb besonders darum, die Frauen zu stärken, ihre Arbeit angemessen zu verkaufen. "Frauen dürfen sich nicht länger mit weniger zufriedengeben, als ihnen gebührt", erklärte Michaela Muschitz, Präsidentin von BPW Austria, in einer Aussendung. Frauen und Männer gleich zu bezahlen und zu fördern lohne sich. Mehr Motivation und höhere Arbeitszufriedenheit bedeuten schließlich auch bessere Leistungen und mehr Unternehmensgewinn, betont sie.

Das Frauennetzwerk BPW zählt laut eigenen Angaben rund 500 Mitglieder in Österreich und ist weltweit in etwa 100 Ländern vertreten. Am Mittwoch finden in allen Bundesländern Informationsveranstaltungen statt, um auf die Lohnunterschiede aufmerksam zu machen.

Die ÖVP-Frauenvorsitzende Dorothea Schittenhelm stellt fest, dass sich "die Einkommensschere nicht schließt und es in den vergangenen Jahren keine Veränderungen festzustellen sind". Daher, so Schittenhelm in einer Aussendung, setzen sich die ÖVP-Frauen weiter für eine Gleichberechtigung von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt ein: "Auch die Sozialpartner sind aufgefordert, Möglichkeiten zu finden, wie in Zukunft die Ungleichbehandlung in Bezug auf die Bezahlung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu verhindern ist."

Grüne fordern Aktionspläne

Die Frauensprecherin der Grünen Judith Schwentner nahm den Tag des gleichen Einkommens zum Anlass, um betriebliche Aktionspläne gegen Einkommensungleichheiten zu fordern: "Frauenministerin Heinisch-Hosek sollte Unternehmen dazu zwingen." Denn bei der Umsetzung des nationalen Aktionsplans zur Gleichstellung von Frauen am Arbeitsmarkt sei nicht viel weitergegangen: "Frauen arbeiten immer öfter in a-typischen 'McJobs', für die sie überqualifiziert sind", erläuterte Schwentner. Nur ein gut abgestimmtes Maßnahmenpaket mit Durchschlagskraft könne verhindern, dass die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern größer würden.

FPÖ: Quote und Offenlegung bringen nichts

Auch für die freiheitliche Frauensprecherin Carmen Gartelgruber steht fest, dass sich an der Einkommensschere "mit der derzeitigen Politik aber leider gar nichts ändern" wird. Weder die Gehaltsoffenlegung für Unternehmen noch die Quote in Aufsichtsräten werde sich für die überwiegende Mehrheit der Frauen als "sinnvoll" erweisen. Was es laut FPÖ braucht, ist bessere Vereinbarkeit - es müsse jeder Einzelnen aber überlassen bleiben, "ob und wie eine Frau am Arbeitsprozess teilnimmt oder ob sie sich ihrer Familie widmet. Gerade am Equal Pay Day dürfen keine Frauen ausgegrenzt werden, die - obwohl unbezahlt - sehr wichtige Leistungen für unsere Gesellschaft erbringen."

BZÖ pocht auf Mindestlohn

"Die Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen klafft hauptsächlich deshalb weit auseinander, weil Frauen oft förmlich zur Teilzeitarbeit oder in andere schlecht bezahlte Berufe gezwungen werden", steuerte die BZÖ-Frauensprecherin Martina Schenk zum Thema bei. Heinisch-Hosek müsse nach Ankündigungen nun auch Taten folgen lassen. Sie sprach sich erneut für einen Mindestlohn von 1.000 Euro netto aus.  (APA/red)

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    Ein Markenzeichen der Aktionen für fairen Lohn der Business and Professional Women ist die "Rote Tasche": Sie soll darauf aufmerksam machen, dass Frauen trotz vergleichbarer Qualifikation und Position sprichwörtlich weniger in der "Tasche" haben als ihre männlichen Kollegen.

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