Stichwahl "zwischen Krebs und Aids"

11. April 2011, 18:24
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Linksnationalist Humala und Rechtspopulistin Fujimori im finalen Rennen um das Präsidentenamt

Lima/Puebla - Bis Montagfrüh blieb die Frage spannend, wer mit dem Linksnationalisten Ollanta Humala in die Stichwahl um das peruanische Präsidentenamt kommen würde. In der Auszählung lag zunächst lange der neoliberale Millionär Pedro Pablo Kuczynski auf dem zweiten Platz. Schließlich aber war klar, dass Keiko Fujimori, die Tochter des inhaftierten Ex-Präsidenten Alberto Fujimori, mit rund 23 Prozent der Stimmen gegen den Ex-Militär Humala antritt, der auf knapp 29 Prozent kam. Die Stichwahl findet am 5. Juni statt.

Sowohl Humala, der schon einmal, 2006, in eine Stichwahl kam und knapp unterlag, als auch Fujimori gehören nicht dem politischen Establishment Perus an. Die Entscheidung zwischen den beiden ist nach Auffassung des peruanischen Literaturnobelpreisträgers Mario Vargas Llosa eine Wahl "zwischen Krebs und Aids" . Der liberale Autor, der in der Präsidenten-Stichwahl 1990 gegen Alberto Fujimori verlor, spricht beiden politische Reife ab und sieht in ihnen autoritäre Tendenzen, die den wirtschaftlich erfolgreichen Kurs des Andenlandes infrage stellen. Der frühere Präsident Alejandro Toledo, der auf dem vierten Platz landete, sprach von einer Wahl zwischen "einer finsteren Vergangenheit und einem Sprung ins Ungewisse" .

Die 35-jährige Keiko Fujimori fungierte schon mit 19 Jahren nach der Trennung ihrer Eltern als "First Lady" an der Seite ihres Vaters und gilt als seine enge Vertraute. In den vergangenen Jahren hat sie mit viel Autorität und einfacher, populistischer Rhetorik die Kongressfraktion der Fujimori-Partei geleitet. Hauptpunkt ihres politischen Programms ist die Freilassung ihres wegen Korrup-tion und Menschenrechtsverletzungen verurteilten Vaters.

Für den 48-jährigen Humala ist es der zweite Anlauf; 2006 war er in der Stichwahl nur knapp Alan García unterlegen. Er gilt als Verfechter eines starken Staates und hat sich die Umverteilung des Reichtums auf die Fahnen geschrieben. Ein Drittel der Peruaner lebt in Armut. Seine Gegner werfen ihm Nähe zum venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez vor, der in seinem Land den Sozialismus des 21. Jahrhunderts verwirklichen will.

Im Vergleich zu 2006 tritt Humala diesmal gemäßigt auf und nennt nun Brasilien als sein Vorbild. Die Stichwahl könnte äußerst knapp werden und das Land polarisieren, da beide Kandidaten laut Umfrageinstituten von rund 50 Prozent der Wahlberechtigten rundheraus abgelehnt werden.

Bei den zeitgleich abgehaltenen Parlamentswahlen lag ersten Ergebnissen zufolge Humalas Partei "Gana Peru" vorn, gefolgt von "Fuerza 2011" wie sich die "Fujimoristas" aus aktuellem Anlass umbenannt haben. "Peru Posible" des Ex-Präsidenten Alejandro Toledo wird demnach die drittstärkste Fraktion, vor "Gran Cambio" von Kuczynski. Die wegen Korruption diskreditierte sozialdemokratische Traditionspartei Apra des aktuellen Präsidenten Garcia schafft vermutlich nur knapp die Fünf Prozent-Hürde. (Sandra Weiss/DER STANDARD, Printausgabe, 12.4.2011)

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    Rechtskandidatin und Expräsidententochter Keiko Fujimori...

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    ... gegen Linksnationalisten Ollanta Humala.

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