Wieder KAC in Overtime - Analyse zu Spiel fünf

11. April 2011, 04:09
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Mit zwei Overtime-Siegen in Folge hat der KAC die Finalserie gedreht. Die Analyse zum fünften Spiel der Titelentscheidung in unserem Eishockey-Blog

Der KAC setzte sich im fünften Finalspiel am Sonntagabend (Nachlese des Live-Tickers) erneut in der Verlängerung durch und ist damit nur noch einen Sieg vom Gewinn des 30. Meistertitels - dem 23. seit der Gründung der Bundesliga - entfernt. Damit haben die Klagenfurter 47 ihrer 69 Saisonspiele gewonnen, den schwierigsten Sieg des Jahres jedoch noch vor sich.

Führung im Powerplay und rascher Ausgleich

Spiel fünf erinnerte in der Anfangsphase frappant an die letzte Begegnung in Klagenfurt: Die Gäste setzten sich rasch nach dem ersten Faceoff im Angriffsdrittel fest und gaben beschränkt gefährliche Torschüsse ab. Die erste zwingende Chance (Kalt scheiterte im Alleingang auf Divis) gehörte jedoch ebenso den Rotjacken wie der erste Treffer der Partie. Wie schon vergangenen Dienstag ging der KAC in seinem ersten Überzahlspiel in Führung. Der im Powerplay an der blauen Linie nach wie vor recht unbeholfen weil statisch wirkende Brown zog selbst ab, der Verkehr vor dem Tor irritierte Goalie Divis und Klagenfurt jubelte.
Im Gegensatz zum dritten Finalspiel währte die rot-weiße Freude diesmal aber nur kurz. Direkt nach dem Verlusttor in Unterzahl brachte Pierre Pagé seinen vierten Block aufs Eis, der es umgehend und gut verstand, die von der Klagenfurter Hintermannschaft im Hochgefühl geöffneten Räume zu nützen: Puschnik zog weitestgehend ungestört über rechts nach innen, seinen guten Handgelenksschuss fälschte Brucker gekonnt ab - nur 17 Sekunden nach der KAC-Führung hatte Salzburg ausgeglichen.

Mediokre Qualität

Fortan plätscherte das Spiel eher dahin und blieb dabei vom spielerischen Niveau her um mindestens eine Klasse unter dem in der letzten Begegnung am Donnerstag in Salzburg Dargebotenen. Beide Teams offenbarten Unzulänglichkeiten im Spielaufbau und hatten Probleme damit, die Scheibe kontrolliert oder gar verwertbar in die Offensivzone zu bringen. Fehlpässe und die Aneinanderkettungen wenig zielgerichteter Aktionen auf beiden Seiten rundeten das Bild der Eishockey-Schonkost ab, ein Spiel, das nur von seiner Spannung lebte.

Fehlentscheidung

Hitzig wurde es in der Klagenfurter Stadthalle in der 36. Minute, als der alleine gelassene Mike Craig ein Solo zur KAC-Führung verwertete, das Schiedsrichterteam dem Treffer aber nach langer Diskussion (und entgegen der ursprünglichen Entscheidung am Eis) die Anerkennung verweigerte. Damit nahm die Partie teils chaotische Züge an, was der Qualität des Spiels noch weniger zuträglich war.
Nur noch selten flackerten spielerische Glanzlichter auf, so etwa in Minute 45, als Reichel und Hager am rechten Flügel einen schönen Wechsel vollzogen, damit Salzburgs Abwehr für einen Moment aushebelten und den KAC in Führung brachten. Ein Vorsprung, der jedoch erneut nicht lange hielt: Für seine x-te Kurzschlussaktion in der laufenden Saison kassierte Mike Craig eine Strafe, auf die Sekunde genau mit deren Ablauf glich Salzburg das Spiel aus.

Siklenka trifft

Ein Unentschieden, das zum zweiten Mal in Folge zu einer Verlängerung führte, in der letztendlich wieder der KAC die Oberhand behielt. Salzburgs Powerplay in der Overtime endete mit einer schwer nachvollziehbaren Strafe gegen Aubin, die eine knappe halbe Minute später wiederum die Rotjacken in Überzahl brachte. Eine Gelegenheit, die sich der Rekordmeister nicht entgehen ließ: Mit einem scheinbar dynamikresistenten Viereck lullte Klagenfurt die drei Salzbuger Penalty Killer ein, Regier an der offensiven Spitze des Dreiecks stand zu tief und Mike Siklenka erlöste den KAC mit einem satten Schlagschuss aus der Distanz.

Nachlässigkeit der Bullen

Damit liegt der Vorteil in der Serie nun wieder beim KAC - ein Umstand, der nach Spiel drei am Dienstag noch schwer vorstellbar schien. Letzten Endes hat den Wechsel des Momentums in den vergangenen Tagen aber in erster Linie Salzburg selbst zu verantworten. Der Meister nimmt nach wie vor zu viele unnötige Strafen (in den bisherigen Playoffs etwa um gut 30 Prozent mehr als die Klagenfurter), agiert im Angriff zu lasch und inkonsequent. Seit dem Viertelfinale gegen Olimpija gab es kaum ein Interview mit einem Salzburger Spieler, in dem nicht betont wurde, wie wichtig es sei, von der Strafbank fern zu bleiben. Der Umstand, dass man es in all den Partien seither nicht schaffte, diese in ein Stehsätzchen gefasste Vorgabe auch nur annähernd umzusetzen, zeugt von einer gewissen Nachlässigkeit und fehlender Fokussierung. Dazu kommt langsam aber sicher auch ein gehobenes Maß an Ungeduld, lag Salzburg doch seit knapp 130 Spielminuten in dieser Serie nicht mehr in Führung.

Salzburg unter Druck

Der KAC hingegen hat den Turnaround in der Serie geschafft, sich mit sehr viel mehr Kampf als spielerischer Finesse in eine gute Position gebracht, in der nun nur noch ein Sieg zum Titelgewinn fehlt. Dass es - unabhängig ob am kommenden Dienstag im Volksgarten oder in einer eventuellen siebten Partie am Donnerstag in Klagenfurt - der am schwersten zu erringende der gesamten Saison wird, ist den Rotjacken bewusst. Wie sehr Salzburg im Eck steht, wird sich zeigen, Spannung ist garantiert. Von zwei Klubs, die sich ihren Eishockeybetrieb gemeinsam jährlich mehr als zehn Millionen Euro kosten lassen, darf aber auch in einer bedeutungsvollen Finalserie erwartet werden, dass Spannung alleine nicht alles ist. (Hannes Biedermann; derStandard.at; 11.April 2011)

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