Goldgräberstimmung im royalen Pressekorps

10. April 2011, 18:49
31 Postings

Spekulationen ersetzen Infos über Prinzenhochzeit

Rachel Johnson will sich nicht beschweren. Erst kürzlich durfte die Chefredakteurin des altehrwürdigen Magazins The Lady auf Kosten eines australischen TV-Senders in einem Rolls-Royce Platz nehmen. Es war das gleiche Modell, mit dem im Advent Prinz Charles und Camilla in der Londoner City in einen Demonstranten-Mob geraten waren. Von der Rückbank des Gefährts aus plauderte die Journalistin über das bevorstehende Ereignis des Jahres. Das Problem dabei: Eigentlich sei drei Wochen vor der Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton alles Wesentliche gesagt, seufzt Johnson.

Johnson gehört zu jenem Häuflein vermeintlich Eingeweihter, die seit Wochen begehrte Gesprächspartner der ausländischen Presse sind. Unter den sogenannten Royal Watchers herrsche "Goldgräberstimmung", sagt eine, die es wissen muss. Interviews gibt es nur gegen saftige Honorare. Doch alle tun so, als würden sie in Kate und Williams stiller Klause auf der nordwestwalisischen Insel Anglesey ein und aus gehen. Dabei gilt der Grundsatz: "Wer etwas weiß, redet nicht darüber", sagt ein Insider. "Wer redet, weiß nichts."

Royal Watchers behelfen sich deshalb mit Spekulationen. Wen stört's? Auf der Insel wie auch anderswo kämpfen die Medien um Auflage und Einschaltquoten. Auf der Suche nach positiven Nachrichten wird das Königsfieber nach Kräften geschürt. Schließlich, sagt Sarah Sands vom Londoner Evening Standard offen, "sind Celebrities und Royals unsere beste Überlebenschance".

"William verzehrt sich in totalem Hass auf die Medien"

Prinz Williams Abneigung gegen Medien ist legendär. Tief steckt in dem heute 28-Jährigen das Trauma vom Unfalltod seiner Mutter Diana, die jahrelang von Paparazzi verfolgt worden war. "William verzehrt sich in totalem Hass auf die Medien", vertraute Tony Blairs Pressesprecher Alistair Campbell seinem inzwischen veröffentlichten Tagebuch an.

Wenig spricht dafür, dass sich die Verkrampfung mittlerweile gelockert hat. Während sein jüngerer Bruder Harry (26) in TV-Interviews locker redet, fallen die Antworten des Zweiten in der Thronfolge stets zögerlich aus. "Man merkt, wie er über jedes Wort nachdenkt", analysiert ein langjähriger Beobachter. Von der neuen Prinzessin sei in der Haltung nichts anderes zu erwarten, prognostiziert Rachel Johnson: "Kate wird nie ein Interview geben, dazu ist sie viel zu schlau." (Sebastian Borger aus London, DER STANDARD; Printausgabe, 11.4.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Royal Watchers behelfen sich mit Spekulationen. Wen stört's? Auf der Insel wie auch anderswo kämpfen die Medien um Auflage und Einschaltquoten.

Share if you care.