Araber geben den USA eine neue Chance

10. April 2011, 18:47
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In der arabischen Welt werden seit Monaten keine amerikanischen Fahnen mehr verbrannt - von Daoud Kuttab

Die Araber scheinen zunehmend bereit, die Politik der Regierung Obama zu akzeptieren - und sogar positiv zu bewerten.

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Die Araber sind weiterhin unzufrieden mit der anhaltenden Vorliebe der USA. Ihre Unfähigkeit, die 44 Jahre währende Besetzung palästinensischen Bodens zu beenden, blieb nicht unbemerkt. Dennoch ziehen es viele Araber heute vor, den USA eine Chance zu geben. Mit Ausnahme der mangelnden Entschlossenheit der Regierung Obama, den Umgang mit Demonstranten durch die mit den USA verbündeten Regime in Bahrain und Jemen zu verurteilen, wurde Amerikas Haltung zu den arabischen Aufständen begrüßt.

Junge Araber, die die Bevölkerungsmehrheit in der Region bilden, blicken zur Weltmacht Amerika auf, wenn es demokratische Moralvorstellungen und Werte hochhält. Das Konzept der Herrschaft durch und für das Volk genießt, genau wie die in der US-Verfassung garantierte Meinungsfreiheit, großen Respekt. Gerade das Versäumnis, diese Maßstäbe in Palästina oder im Irak anzulegen, hat dazu geführt - und kann weiterhin dazu führen -, dass unzählige Araber eine stark antiamerikanische Haltung einnehmen.

Die Wahl von Präsident Barack Obama vor zwei Jahren hat arabische Demokraten gestärkt. Obama versprach 2009 in Kairo einen US-arabischen Neubeginn und stärkte die arabischen Demokraten.

Doch die erste Prüfung hat viele Araber enttäuscht. Das US-Veto gegen eine Resolution des Sicherheitsrats, die israelische Siedlungspolitik zu verurteilen, schien zu signalisieren, dass Obama dem Druck der amerikanischen Pro-Israel-Lobby nicht standhalten kann. Die USA hatten ihre Politik nicht revidiert.

Eine positivere Meinung über Obama entwickelte sich, als die arabischen Aufstände in Tunesien und Ägypten begannen - Länder mit proamerikanischem Regime. Zwar ließen die USA zunächst Vorsicht in Wort und Tat walten, begriffen aber rasch, dass die Aufstände den Willen des Volkes widerspiegelten und stellten sich auf die Seite der Demokratie.

Die gleichen Menschen, an die Obama in seiner Rede von Kairo appelliert hatte, Demokratie anzustreben, bildeten nun die wichtigste gewaltfreie Bewegung, die die Welt seit Jahrzehnten erlebt hatte. Die arabische Jugend hatte sich endlich in Bewegung gesetzt, und Obama und sein Team gaben die richtigen Erklärungen zu ihrer Ermutigung ab und machten den Regierungen in Ägypten und Tunesien zugleich klar, dass sie sich nicht länger hinter der Behauptung verschanzen können, sie würden Amerikas Kampf in Nordafrika unterstützen.

Es war genau das, was erforderlich war, auf Abstand zu Diktatoren zu gehen, ohne zu versuchen, sich den Aufstand als Verdienst anrechnen zu lassen oder diesen an sich zu reißen. Die arabische Jugend musste selbst um die Demokratie kämpfen und sie sich erobern. Alles, was nach Ansicht der meisten jungen Leute von Amerika verlangt wurde, war, dass es Verbündeten wie Hosni Mubarak seine Unterstützung entzieht.

In Libyen hingegen waren die Erfordernisse anders. Die libysche Jugend legte zwar die gleiche Energie an den Tag, aber dieses Mal konnte Amerika auf diplomatischem Wege wenig unternehmen, weil es keine Beziehung zu Muammar al-Gaddafi unterhielt.

Hunderttausende Staatsangehörige arabischer Länder, insbesondere Ägypter, arbeiten in Libyen. Ihre Regierungen sahen sich in Gaddafis Gewalt. Was die arabischen Länder nicht in Form von militärischer Unterstützung liefern konnten, konnten sie beitragen, indem sie der von den USA, Großbritannien und Frankreich angeführten militärischen Intervention politische Deckung boten.

Die Golfstaaten, deren Bürger nicht in Libyen arbeiten, waren die ersten, die Gaddafi verurteilten. Anschließend traf die Arabische Liga zusammen, um dem Beispiel der Golfstaaten zu folgen. Sie einigte sich, einen arabischen Staatschef aus ihren eigenen Reihen zu verurteilen. Offensichtlich ging in der arabischen Welt eine Veränderung vor sich, und die USA wurden plötzlich vom Feind zum Freund.

Natürlich sind Amerikas Probleme mit den Arabern längst nicht beendet. Obama muss seine Versprechen erst noch einlösen, in diesem Herbst die Vollmitgliedschaft der Palästinenser in der Uno zu feiern und seine Truppen in Afghanistan abzubauen.

Vorerst demonstrieren die Araber jedenfalls nicht gegen Amerika. Stattdessen erhaschen sie, mit der Hilfe Amerikas, einen ersten Blick auf die Freiheit. (DER STANDARD, Printausgabe, 11.4.2011)

Daoud Kuttab ist Geschäftsführer von Community Media Network, Amman, und ehemaliger Professor für Journalismus der Universität Princeton.Copyright: Project Syndicate, 2011, www.project-syndicate.org

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