Flüchtlinge aus Nordafrika

Auch Österreich verstärkt Grenzkontrollen

11. April 2011, 11:22

EU streitet über Visa für Flüchtlinge aus Nordafrika - Deutschland droht mit Grenzkontrollen

Italien hat mit der Entscheidung, Flüchtlinge aus Nordafrika mit Visa auszustatten, in der EU heftige Kritik ausgelöst. Mit den Visa erhalten die rund 23.000 Flüchtlinge Reisefreiheit im Schengenraum. Dies widerspreche "dem Geist von Schengen", protestierte der deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU). Deutschland werde notfalls Kontrollen an der südlichen Grenze durchführen. Auch Österreichs Innenministerin Maria Fekter kündigte am Sonntag an, die Grenzen kontrollieren zu wollen. Verstärkte Kontrollen im Landesinneren, etwa in Reisezügen, seien bereits seit einiger Zeit im Gange, hieß es.

Fekter: "Staubsaugereffekt"

Innenministerin Maria Fekter wirft Italien vor,  eine "unsolidarische Maßnahme" ergriffen zu haben. "Das hat eigentlich einen enormen Staubsaugereffekt auf alle Migranten, die nach Italien gelangen. Italien putzt sich hier ab", empörte sich Fekter.

Die Italiener rechneten nämlich damit, dass "diese Menschen in andere EU-Länder gehen. Wenn nach drei Monaten das Visum abläuft, haben die anderen EU-Länder das Problem der Rückkehr und der Kosten und des Prozederes für die Heimreise", meint die Innenministerin. Sollte Italien weiterhin Schengen-Visa für Flüchtlinge aus Tunesien ausstellen, "muss man Schengen andiskutieren. Wenn Bayern andenkt, die Schengen-Grenzen wieder dicht zu machen, müssen wir Österreicher das selbstverständlich auch".

Jedenfalls werde sich Österreich "anschauen, inwiefern wir die Visa von Italien auch tatsächlich anerkennen, ob wir die Menschen einreisen lassen, die sich nicht selbst ernähren können und die nicht nachweisen können, dass sie ihren Unterhalt hier haben". Eine derartige Einreise "würde den Boden für Kriminalität bedeuten und das kann ich als Sicherheitsministerin nicht zulassen".

Wifo: "Politik des Chaos"

Dem hält Karl Aiginger, Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo, entgegen, die EU übe sich in einer "Politik des Chaos": "Die Menschen kommen in Booten, man weiß nicht, gehen sie unter oder nicht, dann sind sie hier, man weiß nicht, dürfen sie bleiben oder nicht, dann erteilt Italien ihnen Visa, man weiß nicht, dürfen sie arbeiten oder nicht. Die EU sollte sich überlegen, wie man diese Menschen langfristig integriert. Das ist eine humanitäre Frage", sagte Aiginger am Rand einer Pressekonferenz Montag vormittag gegenüber derStandard.at.

Berlusconi: "Europäische Lösung"

Auch Italien pocht auf "eine europäische Lösung". "Europa kann sich der Sache nicht entziehen", hatte der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi am Samstag bei einem Besuch auf der Mittelmeerinsel Lampedusa gemeint. Am Donnerstag hatte Italien Zehntausenden tunesischen Flüchtlingen Visa gewährt, mit denen sie in alle Länder des Schengen-Raums reisen könnten. Es handle sich um befristete Aufenthaltsgenehmigungen zu "humanitären" Zwecken, sagte der italienische Innenminister Maroni. "Die meisten Einwanderer wollen zu Freunden und Verwandten in Frankreich oder anderen europäischen Ländern", erklärte der Minister.

Zugleich startet Italien mit der Rückführung Hunderter Migranten nach Tunesien. Zwei Maschinen starten am Montag direkt aus Lampedusa, um etwa 120 Einwanderer nach Tunesien zurückzufliegen. Weitere 1.000 Einwanderer befinden sich noch auf der Insel, das Auffanglager ist wieder überfüllt.

EU-Innenminister beraten

Die Flüchtlings-Frage steht am Montag im Mittelpunkt von Beratungen der EU-Innenminister in Luxemburg. Der deutsche Innenminister meinte, Italiens Vorgehen würde das Verhältnis zwischen Deutschland und Italien erheblich belasten. Er erwarte von Berlusconi, "dass sein Land das Einwandererproblem selbst regelt und nicht auf andere EU-Länder ablädt."Während die Regierungschefs weiter streiten, will EU-Innenkomissarin Cecilia Malmström anregen, mehr Solidarität bei der Aufnahme von Flüchtlingen zu zeigen.

Nun sei der Moment gekommen, Fortschritte bei der gemeinsamen EU-Asylpolitik zu erzielen, stößt Malmström in eine offene Wunde der EU-Agenda. Einige Länder seien bereit, schutzbedürftige Menschen aufzunehmen. 

Weitere Flüchtlinge kamen an

Unterdessen kamen weitere Flüchtlinge auf der süditalienischen Insel Lampedusa an. Seit Sonntagabend erreichten rund 700 Migranten die 20 Quadratkilometer große Insel zwischen Sizilien und Tunesien, berichtete die italienische Küstenwache.

Das UNO-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) appelliert an die EU-Staaten, politische Flüchtlinge aus Nordafrika aufzunehmen. Die meisten Flüchtlinge, die jetzt nach Europa gekommen sind, seien junge Männer, die einfach die Gunst der Stunde nützen und versuchen, in Europa Arbeit zu bekommen, sagte UNHCR-Sprecherin Melitta Hummel-Sunjic am Montag im Ö1-Morgenjournal. Vergleichsweise wenige von ihnen seien politische Flüchtlinge: In Libyen seien es 8.000 bis 10.000 Menschen, etwa aus Somalia und Eritrea, die jetzt zum zweiten Mal flüchten. "Und für diese Leute bitten wir als UNHCR um Aufnahme. Die haben eine solche Odyssee hinter sich, da kann Europa nicht wegschauen."

Hummel-Sunjic rief die EU-Staaten dazu auf, sich ihrer humanitären Traditionen zu besinnen. Die EU solle zudem Ägypten und Tunesien unterstützen, denn diese beiden Nachbarländer Tunesiens hätten die meisten Flüchtlinge aufgenommen - Ägypten 200.000, Tunesien weit mehr als 200.000 Menschen. Nur ein Bruchteil, rund 25.000, seien nach Malta und auf die italienische Insel Lampedusa gekommen. (mas, APA, derStandard.at, 11.4.2011)

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politint
32
11.4.2011, 18:39
Wirtschaftsflüchtlinge

Es gehören konsequent unsere Gesetze durchgezogen ohne Rücksicht darauf was div. NGO´s und Hilfsorganisationen sagen. Es muß bis ins letzte Dorf oder Zelt in Afrika klar sein, daß in Europa nicht für die ganze Welt autom. Milch und Honig fließen. Umsetzbar ist das nur wenn ALLE Emigraten sofort in ihre Herkunftsländer rückgeführt werden. Die Kosten der Rückführung könnten dann solidarisch auf die Staaten Europas aufgeteilt werden.

Frau Trude
22
11.4.2011, 22:28

Manchmal befürchte ich, dass solche jenseitige postings auch wirklich ernst gemeint sind.

Dann sage ich mir aber, so ungebildet können Menschen gar nicht sein.

mfgmfg
30
12.4.2011, 03:13
Das Tragische an dummen Postings ist

dass einige Leute zwar tippen aber dafür nicht denken können: unter den auswanderungswilligen Tunesiern sind jede Menge Gebildeter (zum Beisp. Universtitätsabsolventen) aber keine religiösen Fundamentalisten. Die sind sogar so gescheit, dass sie wissen, was sie im immer rassistisch werdenderen Europa erwartet.

Was mich schockiert ist, dass der unerträglich braune Sumpf immer größer wird. Habt ihr schon vergessen, was passiert ist und sich nie mehr wiederholen darf?

Hellcat
01
11.4.2011, 18:13
Obwohl immer wieder Asylstatistiken veröffentlicht werden,

herrscht in diesem Forum grosse Verwirrung darüber, welche Länder die meisten Flüchtlinge aufnehmen.
39.330 Asylwerber wurden im Jahr 2009 in der EU als Konventionsflüchtlinge anerkannt. Nur Konventionsflüchtlinge sind den Bürgern des Aufnahmelandes beim Zugang zu Arbeitsmarkt und Sozialleistungen gleichgestellt, und sie können per Familienzusammenführung weitere Familienmitglieder nachholen.
Griechenland: 65 Flüchtlinge
Italien: 2.150 Flüchtlinge
Spanien: 200 Flüchtlinge
Österreich: 3.280 Flüchtlinge

Österreich nimmt von allen EU-Ländern pro Kopf der Bevölkerung mit Abstand die meisten Flüchtinge auf!
http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY... -AP-DE.PDF

hurley
100
11.4.2011, 18:03
wir sollten uns doch nicht so anstellen :

ich denke, dass es hoch an der zeit ist, den anteil der schwarzafrikanischen ethnien an der österreichischen gesamtbevölkerung deutlich zu erhöhen - den blutleeren und degenerierten österreichischen deixfiguren würde etwas afrikanisches temperament durchaus gut tun...

edu2
12
11.4.2011, 18:28
den blutleeren und degenerierten österreichischen deixfiguren würde etwas afrikanisches temperament durchaus gut tun...

Was Sie da posten ist auch eine Form von Rassismus!!!

hurley
00
11.4.2011, 19:48
...ha, ha, ha, ha - selten so gelacht !!!

hurley
40
11.4.2011, 17:57
wir sollten uns doch nicht so anstellen :

db73
12
11.4.2011, 17:38

Hallo ....

ASYL gilt nur und ausschliesslich für VERFOLGTE , und auch das nur solange bis sich die Situation im Herkunftsland bessert, danach gehts wieder nach Hause.
Es ist ein Asylrecht und KEIN Migrationsrecht.

"Gefällt mir dort nicht mehr" , "habe dort keinen Wohlstand und Luxus" sowie "kann aufgrund meiner finanziellen Situation nicht heiraten" sind KEINE Asylgründe.

So ist es nunmal, auch wenn dies der 'Tore auf' Fraktion nicht in den Kram passen mag.

mfgmfg
10
12.4.2011, 03:37
Asyl?

Ich habe nicht gehört, dass die Tunesier um politisches Asyl angesucht hätten. Sie etwa?

Das sind in der Mehrzahl gebildete Leute und Universitätsabgänger, die wir frühpensionierenden Weltmeister demnächst dringend am Arbeitsmarkt brauchen werden, keine Mullahs oder religiöse Fanatiker.

Crusader
15
11.4.2011, 17:12

Achtung, man muss folgendes bedenken: Es geht nicht nur um die 20.000, es geht ums Prinzip. Es sind nämlich viel viel mehr. Heute leben in Afrika 1 Mrd. Menschen. 2050 werden es 2 Mrd. Menschen. Wir können also mit Flüchtlingsströmen in der Größenordnung von mehreren hundert Millionen rechnen.

mfgmfg
10
12.4.2011, 03:18
Wovor haben wir Angst?

Auf der Straße sterben durch Alkolenker in der Woche mehr Leute als innerhalb von fünf Jahren von Asylwerbern umgebracht werden.

Frau Trude
00
11.4.2011, 22:30

Wer seid ihr denn überhaupt?

SiSe
20
11.4.2011, 17:05

Hoffentlich werden wir in einem Notfall auch von unseren Nachbarn so enthalten

Oklahoma
00
11.4.2011, 17:10
Enthaltsamkeit ...

...kann man nicht einfordern. Das muß jeder für sich machen.

DPfand
00
11.4.2011, 16:53
Gaddafi lachend auf dem Basar

und macht ein Angebot an die EU: lasst mich in Ruhe, dann mach ich euch "die Ruhe" auf Lampedusa. Und Fuchs Berlosconi macht den besorgten Flüchtlingsonkel und treibt seinen Kumpanen vom rechten Flügel in der EU die Wähler zu.
Und Wien hats auch nur einen halben Tag im Gebüsch abwartend ausgehalten, da kamen die Bayern vorbeigebrescht...

mazukk
42
11.4.2011, 16:43

"der geist von schengen"??...was soll das sein? für mich ist das nur eine maßnahme dem großteil der menschen die grundlegende reisefreiheit zu entziehen, um dafür einen kleinen teil der menschheit mit privilegien auszustatten.
jemand will ein visum um urlaub zu machen oder verwante zu besuchen, die erste frage die einem gestellt wird "wo kommens denn her?", denn das entscheidet über alles weitere... mehr rassismus kann man in einen amtlichen ablauf kaum einbauen... warum kann ein afrikaner oder inder nicht auf die gleiche weise ein visum erhalten wie ein amerikaner oder japaner? ich verstehs nicht.....

db73
11
11.4.2011, 17:40

Schengen Visa haben nunmal Anforderungen

Die sind in der Verordnung (EG) Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 festgeschrieben. Danach zählen zu den Visums-Voraussetzungen unter anderem

* die Plausibilität und Nachvollziehbarkeit des Reisezwecks
* die Finanzierung der Lebenshaltungs- und Reisekosten aus eigenem Vermögen oder Einkommen,
* die Bereitschaft des Visuminhabers, vor Gültigkeitsablauf des Visums wieder aus dem Schengenraum auszureisen und
* die Vorlage einer für den gesamten Schengenraum und für die gesamte Aufenthaltsdauer gültigen Reisekrankenversicherung mit einer Mindestdeckungssumme von 30 000 Euro.

Schengen ist KEIN Freibrief .

mazukk
00
12.4.2011, 00:12

wenn sie die regeln aufzählen, erklärt das nicht den sinn!
jeder mensch sollte frei reisen dürfen...das ist zumindest meine meinung. sie hingegen beanspruchen diese (wenn auch nicht gänzlich) für sich selbst, wollen sie aber anderen vorenthalten....

ja dann
00
11.4.2011, 16:43
unsolidarisches Verhalten

Wer ist unsolidarisch, Frau Fekter? Sie? Warum sollte Italien und Griechenland einen Gutteil der Flüchtlingsmigration in die EU schultern, während die anderen zusehen und so tun als seien sie gar nicht zuständig. Vielleicht schonmal darüber nachgedacht, dass die Flüchtlinge primär in die EU wollen und nicht nach Italien? Vielleicht eher nach Deutschland oder Österreich? Die EU muss sich als Gemeinschaft eine sinnvolle Lösung einfallen lassen, die nicht gleich das Asylrecht abschafft, sonst wird das noch schwere innereuropäische Probleme geben.

Ehrlicher Bekenner
10
11.4.2011, 16:39
Die Europaidee wie sie gemacht ist...

...ist zum scheitern verurteilt.

Und das ist gut so! :-)

capricorno
00
11.4.2011, 16:36
In Italien stehen Wahlen vor der Türe,

deshalb will Italien jetzt keine Flüchtlinge aufnehmen. Wie man hört ist aber noch ausreichend Kapazität da. Nachher sollte man sie wieder nach Tunesien zurücksenden, damit sie ihr befreites Land aufbauen können. Wozu sonst die Revolution???

mfgmfg
10
11.4.2011, 16:28
Was heißt, Deutschland "droht" mit Grenzkontrollen.

Wer ein Schengenvisum hat, darf sich in der EU, also auch in Deutschland frei bewegen, kontrolliert oder unkontrolliert.

db73
00
11.4.2011, 17:33
Unsinn

Das kommt darauf an ob das Schengen Visum legal oder illegal ausgestellt wurde. Für ein Visum MUSS man einige Vorraussetzungen erfüllen :

1.) die Plausibilität und Nachvollziehbarkeit des Reisezwecks
2.) die Finanzierung der Lebenshaltungs- und Reisekosten aus eigenem Vermögen oder Einkommen,
3.) die Bereitschaft des Visuminhabers, vor Gültigkeitsablauf des Visums wieder aus dem Schengenraum auszureisen und
4.)Die Vorlage einer für den gesamten Schengenraum und für die gesamte Aufenthaltsdauer gültigen Reisekrankenversicherung mit einer Mindestdeckungssumme von 30 000 Euro.

Alleine 3 dieser Punkte treffen bei keinem einzigen Wirtschaftsflüchting zu, also bitte erst informieren und dann Phrasen dreschen

mfgmfg
00
12.4.2011, 03:29
Ein Schengen-Staat stellt nur gültige Schengen-Visa aus.

Das Gegenteil macht höchstens die Mafia oder gewisse österr. Beamte an gewissen Botschaften sollen das einmal gemacht haben...

Die Besitzer von legal ausgestellten Schengen-Visa für die Versäumnisse des Ausstellers haftbar zu machen, das ist Rassismus in Reinkultur.

Merke: wir schreiben nicht mehr 1938 - willkommen in der Jetztzeit!

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