Island wird die Zeche zahlen

10. April 2011, 18:15
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Das Nein beendet die Causa keinesfalls

Auch im zweiten Anlauf haben die Isländer deutlich gegen die Vereinbarung gestimmt, dass mit Steuergeldern die Schulden der Pleitebank Icesave bezahlt werden. Die Bank war im Zuge der Finanzkrise kollabiert, die isländischen Sparer wurden von der Regierung für ihre Verluste entschädigt. Die ausländischen Sparer - darunter hauptsächlich Engländer und Niederländer - haben von ihren Heimatländern Entschädigungszahlungen erhalten. Und genau diese wollen die Regierungen in London und Den Haag jetzt von Island zurückhaben.

Mit dem klaren Nein zu den Rückzahlungsbedingungen haben die Isländer aber wenig gelöst. Denn das Nein beendet die Causa keinesfalls. Im Gegenteil: Es werden jetzt viel mehr Fragen zu diskutieren sein, als jene der Rückzahlung. Der Weg Islands in die EU - den das Land im Zuge der Finanzkrise so schnell wie möglich beschreiten wollte - ist damit jedenfalls nicht leichter geworden. Auch die Krise kann nicht abgehakt werden, solange die Folgen der Turbulenzen nicht aus dem Weg geräumt wurden. Bleiben die innerpolitischen Folgen, denn Regierung und Parlament sind in der Icesave-Causa geteilt.

In der Frage der Rückzahlung werden zumindest die Gerichte klären, wie es weitergeht. Dass Island die offene Rechnung bezahlen muss, ist aber wahrscheinlich. Den Bewohnern des Inselstaats bleibt die Zeche also nicht erspart - auch wenn sie diese nicht gerne freiwillig zahlen. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Printausgabe, 11.4.2011)

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