Twin Brother

12. April 2011, 14:51
  • "Twin Brother" Jean-Pierre Gorin
    foto: gorin

    "Twin Brother" Jean-Pierre Gorin

Jean-Pierre Gorin, der Ende der 60er Jahre bis 1975 mit Jean-Luc Godard kollaborierte und heute in den USA arbeitet, im Gespräch - Von Simon Rothöhler

Das filmische Werk des 1943 in Paris geborenen Jean-Pierre Gorin beginnt mit einer inzwischen legendären Begegnung. Unter dem Namen «Dziga Vertov Group» kollaborierte er Ende der 60er Jahre bis 1975 mit Jean-Luc Godard, der 1967 für seinen Film La chinoise in linksmilitanten Kreisen recherchierte und dabei auf Gorin traf. Über das Produkt dieser ersten Gespräche (ein Mao-Morgengymnastik-Milieufilm, aus dem im Lauf der Jahrzehnte eine famose Zeitkapsel werden sollte) war Gorin alles andere als glücklich. Dennoch kam es zu einer Reihe von Filmen, in denen sich Godard & Gorin die Autorschaft de facto teilten: Lotte in Italia (1969), Vladimir et Rosa (1971), Tout va bien (1972), Letter to Jane (1972) und Ici et ailleurs (1975). Im Anschluss an diese letzte gemeinsame Arbeit folgte Gorin einer Einladung des amerikanischen Kritikers und Malers Manny Farber an die University of California nach San Diego. Dort arbeitet und unterrichtet er bis heute.

Gorins filmisches Werk geht in den USA in gewisser Weise nochmal von vorne los, mit drei in relativ großen zeitlichen Abständen gedrehten Essayfilmen. In der dabei entstandenen «California Trilogy» geht es um die vermeintliche Privatsprache der Zwillinge Gracie und Ginny Kennedy  (Poto and Cabengo, 1979), Modelleisenbahnenthusiasten, die sich auf dem Del Mar Fairground treffen, montiert mit Farber-Bildern (Routine Pleasures, 1986) und um eine Samoa-Gang in Long Beach (My Crasy Life, 1992). Nach einem Film über Peter Sellars Salzburger Inszenierung von Messiaens Saint Francois d'Assise (Letter to Peter, 1992) hat sich Gorin neben zahlreichen Lehr- und Vortragsverpflichtungen zuletzt auch als Produzent betätigt: M/F remix (Jy-Ah Min, 2010), eine Relektüre von Godards Masculin, féminin. CARGO hat den Regisseur letzte Woche in Berlin getroffen und mit ihm nicht über das Erbe der Dziga Vertov Group, sein nie verfilmtes Philip K. Dick-Projekt und «Jean-Luc, Jean-Luc, Jean-Luc» gesprochen (alle Videos finden Sie hier), sondern auch über seine Begeisterung für amerikanische Fernsehserien:

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