Gebt ihnen die Tafeln

10. April 2011, 18:04
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Hinter den Zahlenspielen steckt diesselbe Geisteshaltung - Man macht der "Minderheit" bestenfalls ein "Zugeständnis"

Man ist einander so nah und doch so fern. Im Streit um den Kärntner Ortstafelkompromiss geht es um maximal zehn Tafeln mit deutscher und slowenischer Aufschrift. Im Burgenland fehlen fünf Ortsschilder für die kroatische Volksgruppe, legt man dort die Zehn-Prozent-Formel des Verfassungsgerichtshofs für Kärnten zugrunde. Und auch die will man nicht aufstellen.

25, 10, 15 oder das Mittel 17,5 Prozent, wie es Josef Ostermayers (SPÖ) und Gerhard Dörflers (FPK) Kärntner Ortstafelentwurf vorsieht, sind reine Mathematik und bilden die zweisprachige Lebensrealität der Kärntner Slowenen keineswegs ab, zumal deren Zahl aufgrund des starken Assimilierungsdrucks stark geschrumpft ist - und die Republik sich jahrzehntelang vor der Erfüllung ihrer rechtsstaatlichen Verpflichtungen gedrückt hat. Hinter den Zahlenspielen steckt immer noch diesselbe Geisteshaltung: Man macht der "Minderheit" bestenfalls ein "Zugeständnis" - je weniger, desto besser. Da wird kleinlichst herumgefeilscht, eine slowenische Ortstafel hier, dafür keine slowenische Amtssprache dort.

Es geht aber - Realpolitik hin oder her - um die Anerkennung der Kärntner Slowenen, der burgenländischen Kroaten als Teil der vielfältigen österreichischen Identität.

Ein paar Ortstafeln auf oder ab - was spielt das für eine Rolle? Gebt sie ihnen doch. Oder sagt euren "Minderheiten", dass sie weiterhin Fremde in der Heimat bleiben. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD; Printausgabe, 11.4.2011)

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