Wilder Majoran und so

10. April 2011, 18:00
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Nur selber kochen kann schöner sein, obwohl ... eher nein

Essen ist ein Sonntagsthema, und dafür wird vonseiten des Fernsehens auch einiges getan. Wer seinen Sonntagvormittag in heißer Erwartung eines Bratens zubringt, kann seiner kulinarischen Empfindsamkeit auch vor dem Bildschirm nachgeben. Das geht ganz leicht. Vollziehen sich die abends ausgestrahlten Kochformate eher als aufreibende Wettbewerbe oder als charaktervolle Experimenteshows, so gilt für die sonntägliche Feiertagsstimmung Friede, Freude, Eierkuchen.

Vorzugsweise wird an Sonntagen das Kochen mit Reisen, d. h. die Sehnsucht nach dem Essen mit der Sehnsucht nach der Ferne kombiniert. Man ist ja empfänglich für Träume und stets interessiert an fremden Kulturen, zumindest auf der Mattscheibe. Begonnen hat das gestern mit Alle Köstlichkeiten auf Erden im ORF, einer "kulinarischen Reise" mit Wini Brugger nach Hongkong. Der dazugehörige Teletext hat neugierig gemacht: "Fünf Mal essen täglich und dazwischen noch ein paar Snacks. Das ist in Hongkong ganz normal."

Es ging weiter auf Arte mit einer Wiederholung von Sarah und die Küchenkinder, die allesamt in den brütend heißen Weiten der Provence Honig und Lavendel ernteten.

Und danach, kurz vor Mittag, brachte sich noch der italienische Starkoch Antonio Carluccio mit einem alten Dreiteiler auf 3sat ein: Das italienische Fest des Antonio Carluccio (1997): Ligurien, Umbrien und Lombardei. Mit roter Kochschürze pirschte der Meister durch die roten Mohnfelder eines Dominikanerklosters, auf der Suche nach wildem Majoran. Gibt es Schöneres im Fernsehen? Natürlich nicht. Nur selber kochen kann schöner sein, obwohl ... eher nein. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD; Printausgabe, 11.4.2011)

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