Pröll und die Lunge: Genug Luft für die Parteispitze

10. April 2011, 17:47

Wer würde Pröll als Vizekanzler ersetzen? Zwei Kandidaten werden kolportiert - Reinhold Mitterlehner und Michael Spindelegger

Die Betroffenheit in der ÖVP hält an - vor allem seit sein Innsbrucker Arzt mit offizieller Rückendeckung der Partei erklärt hat, was zu Josef Prölls Erkrankung leider dazugehört: Keine langen Flugreisen, kein permanentes Hin-und-her-Jetten, keine oder nur wenige ausgedehnte Autofahrten. Für den Finanzminister eines EU-Staates bedeutet das für absehbare Zeit nicht weniger als den Rücktritt von dieser Funktion.

Vor dreißig Jahren musste der Säckelwart der Republik ein- bis zweimal im Jahr nach New York oder nach London. Heute ist das anders. Noch dazu inmitten einer Krise, deren Ende nicht abzusehen ist. Finanzminister sind zu globalen Geldmanagern geworden.

Der Job eines Parteichefs ist davon sehr verschieden. Die Anstrengungen sind besser einzuschätzen, die Risikofaktoren leichter beherrschbar. Das heißt: Josef Pröll könnte Parteichef bleiben. Diese Aufgabe mit der Funktion des Klubobmanns im Parlament zu verbinden, wäre eine Möglichkeit der Effizienzsteigerung. Das große Problem: Die ÖVP hätte eine Doppelspitze, weil es zu Umbesetzungen im Finanzministerium und im Vizekanzleramt käme.

Wer würde Pröll als Vizekanzler ersetzen? Zwei Kandidaten werden kolportiert. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (als neuer Finanzminister) und der momentane Außenminister Michael Spindelegger. Machtgier wird beiden nicht nachgesagt. Parteispitze und Regierungsspitze sitzen dann nicht im gleichen Boot. Konflikte sind also unvermeidlich.

Eine weitere Komplikation: Beide, Mitterlehner und Spindelegger, sind engagierte Landespolitiker. Der Wirtschaftsminister ist nach wie vor Parteiobmann des Bezirks Rohrbach und gilt als Nachfolgekandidat von Landeshauptmann Josef Pühringer. ÖAAB-Chef Spindelegger ist zweifellos Favorit für die Pröll-Nachfolge in St. Pölten. Lokale Termine lässt er selten aus, weshalb für ihn ein Wechsel ins Innenministerium vorteilhaft wäre. In diesem Fall müsste Claudia Bandion-Ortner der ehemaligen Chefin des Justizausschusses im Nationalrat, Maria Fekter, weichen.

So oder so, ob Kabinettsumbildung oder nicht, ist mit einer Vorverlegung der Nationalratswahlen von 2013 auf 2012 zu rechnen. Die SPÖ wird zwar den Eindruck vermeiden wollen, die Schwäche der ÖVP-Spitze auszunützen. Aber die Basis wird Druck machen, und je länger Werner Faymann zuwartet, desto größer wird der Zulauf zur FPÖ.

Wer stellt jetzt die Weichen? Zunächst natürlich die Familie. In der Parteispitze sind es Erwin Pröll und Pühringer. Im Nationalrat sitzt Wolfgang Schüssel. Auch sein Einfluss ist nicht gering.

Im Moment dominieren Gerüchte und gesteuerte Informationen die Szene. Derzeit kann die Volkspartei jedenfalls nahezu nichts richtig machen. So wie Pröll selbst, gerät auch sie in den Geruch eines Dauerpatienten.

Obwohl es in Österreich kaum einen Infarktpatienten geben dürfte, der so optimal therapiert wird wie Josef Pröll (und der keine Angst haben muss, plötzlich ohne Job dazustehen) - Gewissheiten gibt es auch im Fall Pröll keine, der Unwägbarkeiten viele.(Gerfried Sperl, DER STANDARD; Printausgabe, 11.4.2011)

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Posting 1 bis 25 von 45
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pauline
00
13.4.2011, 19:50

Ich schätze es sehr, über pointierte Wortspielereien zu stolpern - Postings zu Standard-Artikeln z.B. geben mir diesbezüglich oft genug Gelegenheit zum Schmunzeln.
Aber diese Überschrift finde ich doch geschmacklos. In diesem Fall hätt ich es gut gefunden, dem Wuchtel-Druck zu widerstehen.

salzmen1
00
13.4.2011, 19:31
...aufbruchstimmung durch neu besetzung!

Keine Besetzung für Hr. Josef Pröll aus der MInisterriege!
Das ist mein credo!!m und vorteilhaft für die ÖVP.

salzmen1
00
13.4.2011, 19:29
aufbruchstimmung durch neu besetzung!

salzmen1
00
13.4.2011, 19:24
Bundesparteiopmann und Vizekanzler in einer Person!

Diese Person wurde noch nicht genannt!

es gibt ihn, keiner aus der Ministerriege!..und dass ist gut so ist vorteilhaft für die ÖVP!
Finanzminister meine Preference Hr. Mitterlehner!

Und wenn es so ist das Hr. Pröll über die vermeihnlichen Länder stolperte, dann soll es ein Länder über nehmen, wenn das die ÖVP stärke ist.

Nicht ein LH. Die Fähigkeit die Partei zu führen und...

Das ist der Vorteil der ÖVP.

sestrelevante
00
11.4.2011, 19:26
Es sind ja nur mehr 2 Jahre dann ist Strache Bundeskanzler ,der wird sich auch einen neuen Finanzminister suchen..

Süffisant
00
13.4.2011, 09:44

kann sein, dass die Fpö stärkste Partei wird, aber deswegen wird Strache noch lange nicht Bundeskanzler!

Orakel von Lissabon
 
00
11.4.2011, 19:04
Man sollte tatsächlich überlegen,

ob hier etwas faul ist.
Ist vielleicht Pröll der Elite böse auf die Zehen getreten und wird nun krankgepflegt? Mittlerweile halte ich das bei uns tatsächlich bereits für möglich.
Die Medienberichte dazu sind sehr merkwürdig, vor allem fällt auf, dass bereits kurz nach Beginn eine Ablöse ins Gespräch gebracht wurde, die nicht von der der ÖVP kam.

alpentiger
00
11.4.2011, 18:02
Klassisches Modell: Jeder paßt auf ...

Wer sich zuerst rührt (meldet) hat die politische Rübe ab.

Wer sich total passiv verhält, kommt nie nach vorn.

Bleibt also zu erwarten, dass eine Wahl 2012, auch einen neuem ÖVP-Chef als noch kleineren Junior-Partner neben Faymann 5 Jahre Zeit zum Profil gibt.

Aber auch das ist Kaffeesud lesen, weil eine eitle Diva (ÖVP) ist immer unberechenbar.

Glatt vergessen: Die Oberintriganten Landeshauptleute. Diese "Flügelmänner" sollten endlich gestutzt werden, bis zu Ihrer tatsächlichen Größe, Prinzen von Minimundus.

Asylwiener
00
11.4.2011, 15:58
in einem wort

ist die ÖVP message nach aussen: keine angst, es kommt nix neues, wir rotieren durch. gleiche alten gesichter, gleiche uralte ideen, gleicher eiertanz wie eh und je - sogar den schüssel graben's wieder aus - viel erfolg in der nächsten wahl (wann auch immer)!

refe1
00
11.4.2011, 17:35
övp

in der politik gibs nur sesselkleber,der peperl gehört auf alle fälle weg, dann wird der erwin auch etwas leiser, wenn dieser in pension geht

Dreistein
 
10
11.4.2011, 14:01

Man könnte ja auch wieder aus der EU austreten. Das würde nicht nur den Politikern guttun, sondern wäre auch für das ganze Land gut und CO2 würde auch vermieden werden.

fischer heimo
10
11.4.2011, 13:59
Als "Umwelt"-Minister hat er uns ja flugreisen verbieten wollen ...

... er selbst jettet aber offensichtlich dauern in die Karibik und sonstwohin auf Urlaub ...

double standard
00
11.4.2011, 11:49

ist die superpraktikantin eigentlich auch verschwunden?

florian991
00
11.4.2011, 11:27
klingt nach burn out

einer person und einer ganzen partei

CrangerMan
42
11.4.2011, 09:33

Ich frage mich, wie er auf das Neuwahl-Szenario kommt. Die Regierung wird wohl eher meiden, so schnell in einen weiteren Wahlkampf zu gehen. Das würde der FPÖ nur noch mehr Auftrieb geben. Außerdem hatten wir innerhalb von 16 Jahren ganze drei Neuwahlen (1995, 2002, 2008), was nicht gerade Stabilität beweist. Sollte die SPÖ es tatsächlich wagen, wieder Wahlen loszubrechen, dann wird Faymann bald Geschichte sein - sowohl als Kanzler als auch als SP-Chef.

CrangerMan
00
11.4.2011, 16:11

Also wer es nicht verstanden hat: Ich weiß sehrwohl, dass die SPÖ die letzten Male nicht für die Neuwahlen verantwortlich war (zumindest nicht direkt). Der Punkt ist nur jener, dass es nicht gut aussieht, wenn eine Regierung wieder kracht. Das wird der SPÖ nun mal auch nicht helfen, sondern Herrn Strache.

Dreistein
 
02
11.4.2011, 13:58

Bislang war es ja immer die ÖVP, die Neuwahlen provoziert hat. Wie kommen Sie also zu Ihrer Ansage, "Sollte die SPÖ es tatsächlich wagen, wieder Wahlen loszubrechen......."

CrangerMan
00
11.4.2011, 16:08

Das war ja auch nicht so gemeint. Ich wollte damit nur hervorheben, dass es wieder Neuwahlen wären.

Klar erinnere ich mich an die letzten Male ("es reicht!").

krlo
10
11.4.2011, 10:43
na vielleicht denken sie, dass

wenn sie zuwarten, der zulauf zum hc noch ärger werden wird? das absehbare chaos in d. eu im jahr 2013 wird wohl eher dem hc zu gute kommen, den blackies sicher nicht. den grünen?

Wopa
13
11.4.2011, 10:04

nach meinem Geschichtsverständnis war es in den 3 angeführten Fällen die ÖVP, die die Neuwahlen anzettelte...

CrangerMan
10
11.4.2011, 12:19

Neuwahlen sind Neuwahlen, in dem Fall egal, wer sie loslöst.

fischer heimo
00
11.4.2011, 14:01
und falsche Fakten sind falsche Fakten

CrangerMan
00
11.4.2011, 16:07

Fakten können streng genommen nicht falsch sein.

skyrock
00
11.4.2011, 08:56
wir wollen Schüssel wieder haben

dann geht es der Partei gleich wieder besser.

<ende ironie>

verleih nix
01
11.4.2011, 12:43

auch fekter wäre keine so schlechte lösung

:-)

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