Tourismus leidet unter Sommertemperatur

10. April 2011, 17:31
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Warmes Wetter und späte Osterferien trüben Lust am Skifahren - Schwache Wintersaison drückt auf Tourismusbilanz

St. Anton am Arlberg - Ostern wird Österreichs Tourismusbilanz heuer nicht retten. Das zeichnet sich zwei Wochen vor dem Auferstehungsfest schon ab. Zu groß ist der Rückstand an Umsatz und Nächtigungen in der bisherigen Wintersaison, als dass mit einem starken Finish bis Ende April die Rekordzahlen von 2010 noch erreicht werden könnten.

"Wir hatten eine durchwachsene Saison", sagte Johann Schenner, oberster Touristiker in der Wirtschaftskammer Österreich, bei einem Tourismusseminar in St. Anton am Arlberg. Der Ferienhotellerie fehlten einige umsatzstarke Tage, weil die zurückliegenden Weihnachten mit Heiligabend am Freitag statt während der Woche urlaubstechnisch nicht so gut gefallen sei. Während die Stadthotellerie fast durchwegs Zuwächse verzeichnen konnte, sah es für die Branche insgesamt weniger gut aus. Bis Ende Februar lagen die Nächtigungszahlen, verglichen mit 2010, österreichweit um 2,1 Prozent zurück.

Preisnachlässe drücken

Das Umsatzminus war teilweise noch stärker, weil viele Hoteliers im heuer ungewöhnlich schwachen Februar Auslastung durch Preisnachlässe erkauft haben. Im März, für den die offiziellen Zahlen der Statistik Austria noch ausstehen, sei der Zugewinn an Gästen für eine Trendumkehr gefühlsmäßig zu gering gewesen, sagte Schenner. Die im Vergleich zu 2010 um drei Wochen nach hinten verschobenen Osterfeiertage seien wegen der beinahe sommerlichen Temperaturen, die den Pistenarbeitern Höchstleistungen abverlangen, eher schlecht als recht vermarktbar.

Ein Lichtblick seien die Vorausbuchungen für den heurigen Sommer. "Wenn der so warm wird wie der Winter, haben wir nichts zu befürchten", scherzte Schenner.

Weniger zum Scherzen aufgelegt sind die Partner, die sich in der "Allianz Zukunft Winter" zusammengetan haben. Seilbahnen, Zulieferfirmen, Skierzeuger, Skilehrer und Hoteliers sorgen sich einerseits um den Schnee, der mit immer größerem finanziellem Aufwand maschinell erzeugt werden muss. Hätte man sich heuer allein auf Naturschnee verlassen, wäre die Skisaison eine sehr kurze gewesen. Andererseits sorgt man sich auch um den Nachwuchs, der die teuer errichtete Ski-Infrastruktur auf den Bergen künftig nützen und finanzieren soll.

Einen Hebel sieht man in der Schule. Durch Zusammenarbeit mit den Lehrern und dem Schnüren attraktiver Angebote will man erreichen, dass die Zahl der Kinder, die auf Schulskiwoche fahren, wieder steigt. Ziel sei eine Steigerung von heuer voraussichtlich 150.000 auf 200.000 Kinder in fünf bis sieben Jahren, sagte Franz Schenner, früherer Blizzard-Chef und nunmehriger Sprecher der Allianz Zukunft Winter. 1995, im letzten Jahr verpflichtender Schulskikurse, waren 250.000 Kinder einschlägig unterwegs.

Hoffen auf Ski-Absatz

Etwas Zuversicht für die kommende Wintersaison schöpft die Ski-Industrie. "Die Zahlen zeigen weiter nach oben", sagte der Sprecher der österreichischen Ski- Industrie, Atomic-Geschäftsführer Wolfgang Mayrhofer. In der zu Ende gehenden Wintersaison seien in Österreich mit knapp 370.000 Paar Ski um fünf bis zehn Prozent mehr verkauft worden als im Vorjahr. 35 bis 40 Prozent landeten bereits im Verleih - Tendenz weiter steigend. Zur Erinnerung: Im Winter 2001/02, auf dem Höhepunkt des Carving-Booms, wurden in Österreich 570.000 Paar Ski abgesetzt. (Günther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe, 11.4.2011)

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    Ohne dem Einsatz von Kunstschnee blieben wohl viele Pisten grün. Das warme Wetter drückte auch heuer auf die Wintersaison. Auch für die Pistenarbeiter war es eine Herausforderung, die Pisten in Schuss zu halten.

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