Menü aus steirischer Erde

12. April 2011, 16:04
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    foto: harald fidler

    Schöner Sitzen: Blick vom Gastgarten auf den Landgasthof Riegerbauer. Drei Gänge plus Apfelsaft, Wasser und Kaffee: 36,40 Euro. Übernachten kann man im Haus in zwei Suiten für bis zu vier Personen, pauschal für 99 Euro.

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    Schöner Schauen: Blick auf die Kirche von St. Johann.

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    Die kraftvolle Most-Wurzelgemüsesuppe.

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    Der Buchweizen mit Bergkäse.

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    Saibling auf Tannenzapfen.

Fidler fällt vom Fleische (ab) und wendet sich jungem Gemüse zu wie rosa Tannenzapfen - Schaut er gar in Skandinavien ab?

Nein, ich hab mir den doch recht unerwarteten Hang zum nicht zwingend jungen Gemüse (und Getreide) nicht bei einem Stockholmer Essblogger abgeschaut oder gar bei einem  Kopenhagener. Es lachte mich an, das fleischlose Menü, das sich hier "Aus steirischer Erd" nennt. Da kann man doch nur begeistert Ja, ich will! sagen, schon weil bald Mai ist und ein angebliches Hochzeitsschloss nicht weit.

Warum erst jetzt?

Gibt's Schöneres, als Freitagmittag völlig ungestört (bis auf einen undramatischen Anruf aus der Redaktion) unter betagten Kastanien im Gastgarten eines sympathischen Landgasthauses zu sitzen, sich über die Frühjahrssonne zu freuen, die Aussicht auf eine kleine Kirche, über grüne Hügel und auf das Menü? Für das sympathische Landgasthaus wäre es vielleicht schöner, wenn nicht nur ich da sitzen würde, klar. Aber ich hab meine Ruh, während die Kollegen in Wien auf den Redaktionsschluss zurudern.

Wo bin ich eigentlich? St. Johann, und zwar bei Herberstein, Nummer 12. Riegerbauer. Hat mir der Steiermark-Falter empfohlen, der sich gerade aus dem Zeitungsleben zu empfehlen droht. Warum war ich in Herberstein, Obermayerhofen und Stückchen weiter unten bei Riegersburg und Kapfenstein so oft und nie hier? Es ist nie zu spät, die Hoffnung bestätigt sich zumindest hierorts.

Buchweizengrütze! Freiwillig!

Hier zeigt schon die Mostsuppe steirische Kraft: Wurzelgemüsepüree, dass der Löffel stecken bleibt, ich mag das ja, und säuerlich vom Apfelmost aus St. Johann, gar kein Grund, die Stimmung anzupassen. Aus der Erd (ja, das ist das Vegetariermenü) kommt auch Gang zwo: Buchweizengrütze, hier ohne t geschrieben, aber mir ist ja trotz stetem Nachladebedarf der Schmecks-Schau noch lieber, in einer Wirtschaft kann man gut kochen denn recht schreiben. Mir fehlt's ja an beidem.

Zurück zur Erde, der steirischen: Aus St. Ruprecht kommt der Buchweizen für kremiges Risotto, lese ich da, begleitet von gebratenen Steinpilzen, Anfang April ungenannter Herkunft, und Pöllauer Bergkäse. Eigentlich sehr gut, nicht so brutal schwer, wie ich fürchtete, und wieder ein bisschen säuerlich, aber ich mag das ja, und viel lieber als süß. Beim sonst von mir ja sehr geschätzten Skopik & Lohn fühlte ich mich manchmal schon ein bisschen wie bei einer mehrgängigen Dessertverkostung.

Vor der Stoppelrübe erste Ausfahrt

Zurück nach St. Johann, bevor wir Fidlers Abzweigung verpassen: Vor dem Strudel von der Stoppelrübe mit Kriecherlchutney bin ich abgebogen. Richtung "aus heimischem Wasser". Das ist noch immer fleischfrei. Und musste - vermute ich drauflos - weniger weit reisen als "aus Fluss und Mehr", wobei der Neusiedlerseezander dort wohl etwas weniger Sprit brauchte als Miesmuscheln und vermutlich vielleicht auch die "Medistyran" Fischsuppe mit "allerhand Fisch und Schalentieren" oder das "Filet vom Zackenbarsch" "aus Kochtopf und Pfandl". Fleisch hat mich grad nicht so interessiert. 

Doch den Strudel?

Jetzt könnte ich natürlich doch langsam sagen, was ich als dritten Gang eingelegt hab: Seesaiblingfilet in Rotwein und Pilzen mit rosa gebratenen Tannenzapfen und Himbeervinaigrette. Entscheidend waren natürlich die rosa Tannenzapfen, klar. Und natürlich hab ich mir nicht überlegt (und kaum Empfang fürs Googeln, sehr sympathisch), dass das einfach Erdäpfel sein könnten. In diesem Fall, Ende April, geschmacklich nicht die sensationellsten, muss ich zugeben. Der Fisch absolut ordentlich in Geschmack und Portionsgröße. Kurzum: fein hier.

Aber vielleicht hätte ich doch den Strudel noch probieren sollen? Muss ich mich sorgen? Werde ich jetzt womöglich noch Vegetarier? Diese und andere Grundfragen der Unmenschheit klären wir spätestens kommende Woche in dieser kleinen, dreckigen Kolumne. Bleiben Sie dran!

PS: Erde hin, Wasser her: Die Riegerbauer-Dependance "am Teich" freut sich im Web, dass sie bestes Schwein von "Feinkostspezialist Karl Schirnhofer" bekommt. Das stimmt mich ein bisschen nachdenklich.

Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

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16 Postings
Schnabeltierfresser
00
15.4.2011, 14:24
Schirnhofer

hat doch einwandfreie Fleischqualität, insbesondere der Almochs. Besseres österreichisches Rindfleisch in einer groß vermarktbaren Menge werden Sie kaum bekommen.

stop-making-sense
00
13.4.2011, 13:04
Das stimmt Sie völlig berechtigt nachdecklich!!!

01052004
00
12.4.2011, 18:48
ja, das gasthaus ist zu empfehlen

selbst wenn man nur draußen sitzen, was trinken und die exzellente fernsicht geniessen will...

Tipster
00
12.4.2011, 16:38
Was für eine Reissorte ist denn der Buchweizen?

power-cat
00
12.4.2011, 17:29
Ein Knöterichgewächs

in der Steiermark auch als Heiden oder Brein bekannt - Breinwurst, Heidensterz usw.

schmecks
02
12.4.2011, 19:25

zum thema brein gibts nächste woche mehr. breinfood, praktisch.
besten gruß, fid

doko
00
16.4.2011, 17:37
passt ueberhaupt nicht hier hin, steinigt mich

aber vieleicht kann ich zumindest ein paar leute fuer die campaign auf fishfight.net interessieren.

aufgrund der rechtslage in der EU muessen fish trawlers nachdem ihre fangquote erschoepft ist meist mehr als die haelfte ihres fangs tot ins meer zurueck werfen (nennt man discards). schaut euch das an. aepfel, orangen, tomaten etc vernichten, ja ok geht grad noch

aber fische fangen und nur weil die quote das anlanden des fangs nicht mehr zulaest diese viecher tot ins meer zurueck schmeissen

da setzt ja jedes verstaendnis (hoffentlich) aus.

bitte bitte bitte, gebt jedem den ihr kennt einen tritt in den arsch und legt ihm diese site nahe um auch den politikern einen tritt zu verpassen...

http://www.fishfight.net

kuchlmensch
01
14.4.2011, 08:19
-über den Semmering nach Gaillac sur Tarn

schafft es die Breinwurst, nicht, das heißt, so wie mancher Wein schmeckt sie im Ursprungsland besser.
Nachtrag zum Frischling:
Gendermäßig unkorrekt ist es, die Vegetarierin als Piefke zu bezeichnen. Korrekt ist: Piefkinesin (so wie Piefkineser, piefkinesisch), oder , charmanter; Piefquette. Wortprägung unseres alten Freundes Paul aus Gaillac (die Gegend um Toulouse ist Fressreisen wert). Auf die Frage, wie man zu "Boche"
in Österreich sagt, und die Antwort "Piefke" bekam, meinte er, und Frau Piefke? Und prägte die Piefquette.

schmecks
00
17.5.2011, 10:45

wobei boche jetzt auch nicht die netteste aller denkmöglichen bezeichnungen ist, oder?
best, fid

Ordelafo Priul
00
13.4.2011, 09:16

Sehr löblich, danke!

agent provokateur
01
12.4.2011, 16:17

"...Entscheidend waren natürlich die rosa Tannenzapfen, klar. Und natürlich hab ich mir nicht überlegt ...dass das einfach Erdäpfel sein könnten. ..."

kann passieren. ich (auch ein reiner dilettant) erinnere mich nur zu gut wie sehr ich mich schon auf die bestellten bärentatzen oder schafsnasen gefreut habe.

glauben sie mir: die enttäuschung war riesengroß!

Beim Barte des Proleten!
00
13.4.2011, 10:25
Kinderschokolade steht bei mir hoch im Kurs.

schmecks
00
12.4.2011, 19:26

schafsnasen sollen sich zum beispiel für kompott eignen, sagt man.

Rumo von Zamonien
00
13.4.2011, 09:13

Ich bleib bei Otternnasen.

witzbolt
00
13.4.2011, 13:46

Ozelotohren! Lärchenzungen!

Ordelafo Priul
00
13.4.2011, 14:49

Für mich bitte Wolfzitzenchips.

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