Lampedusa

Berlusconi kritisiert Sarkozy und Merkel

10. April 2011, 18:29

Streit um Flüchtlinge: Italiens Premier besucht Lampedusa

Italiens Premier Silvio Berlusconi hat am Wochenende in Lampedusa die Haltung Frankreichs und Deutschlands in der Flüchtlingsfrage kritisiert: "Sarkozy muss begreifen, dass 80 Prozent der übers Meer gekommenen Tunesier zu Verwandten nach Frankreich wollen." Er hoffe auf eine Einigung beim Treffen mit dem französischen Präsidenten am 26. April. Auch Kanzlerin Angela Merkel wolle er davon überzeugen, dass eine einvernehmliche Lösung notwendig sei: "Wenn die EU keine konkreten Initiativen ergreift, kehren wir zum Egoismus der Einzelstaaten zurück."

Staatspräsident Giorgio Napolitano forderte die EU auf, "mit einer Stimme zu sprechen und die Regeln von Schengen einheitlich zu interpretieren." Italien beginnt damit, tunesischen Migranten befristete Aufenthaltsgenehmigungen auszustellen, die sie nach Ansicht Roms zur Ausreise in andere EU-Länder berechtigen. Paris und Berlin sehen darin einen "Verstoß gegen den Geist des Schengen-Abkommens" und drohen mit verschärften Grenzkontrollen.

Drohung mit Frontex-Austritt

Im Gegenzug drohte Innenminister Roberto Maroni der "untätigen EU" mit dem Austritt Italiens aus der Grenzschutzbehörde Frontex. Gleichzeitig forderte Rom Maltas Regierung auf, die "haltlosen Polemiken" gegen Italien einzustellen. Kurz vor Berlusconis zweitem Lampedusa-Besuch landete am Wochenende das bisher größte Flüchtlingsschiff mit 535 Insassen auf der Insel. Die großteils somalischen und eriträischen Migranten mit vielen Kindern und Frauen kamen aus der heftig umkämpften libyschen Stadt Misrata. In einem anderen Boot landeten kurz darauf weitere 244 Flüchtlinge aus Libyen. Auch aus Tunesien kamen neue Boote. (Gerhard Mumelter aus Rom/DER STANDARD, Printausgabe, 11.4.2011)

Kommentar posten
25 Postings
presumption of innocence
00
11.4.2011, 10:53
Für Damen hat der Cavaliere Geld im Überfluß

und auch Quartier. Aber für Flüchtlinge???

strangerinastrangeland
 
01
11.4.2011, 09:26

Die Italiener haben recht und die Planlosigkeit der EU ist erschütternd.

Egal für welchen Weg man sich bei der Behandlung der Flüchtlinge entscheidet, es sollte ein gemeinsamer Weg der EU sein, der dann auch konsequent gegangen wird.

So wie das jetzt läuft, haben wir die schlechteste denkbare Lösung.

Grober Schnitzer
11
11.4.2011, 10:36
Auch wenn die Italiener recht haben

können sie sich mit ihrer Entscheidung nicht einfach über ihre EU-Kollegen hinwegsetzen.
Die Art wie sie ihre Ansicht durchsetzen ist einfach nicht okay.
Wenn sie einen gemeinsamen Weg wollen, dann ist es auch notwendig, die Mitglieder in diese Entscheidung miteinzubeziehen. Aber einfach selbst eine Entscheidung treffen und dann von den anderen verlangen, mitzuziehen hat nichts von Gemeinsamkeit, sondern eher etwas von Bevormundung. Und wer möchte schon bevormundet werden? Sie etwa? Hier gehts nicht (nur) um die Sache selbst, sondern auch um die Art der Kommunikation.

strangerinastrangeland
 
01
11.4.2011, 11:26
Die Art und Weise mit der die "EU-Kollegen" die Italiener im Regen stehen lassen, ist einfach schäbig.

Zeit und Gelegenheit für sich partnerschaftlich einzubringen haben die Kollegen genug gehabt.
Ich bin ziemlich sicher, dass es zu einer konstruktiven Zusammenarbeit kommen wird, sobald das italienische Problem ganz real auch zum Problem der anderen EU-Staaten wird.

Grober Schnitzer
00
11.4.2011, 19:04

Höchstwahrscheinlich und ohne Zweifel machen die Italiener das Flüchtlingsproblem zu einem EU weiten.
Was im Vorfeld zwischen Italien, Frankreich und Deutschland passierte oder auch nicht passierte kann ich nicht sagen.
Ob diese Handhabung von Seiten der Italiener in eine konstruktive Zusammenarbeit enden wird, möchte ich auch nicht annehmen. Ausschließen jedoch auch nicht. Ich bin kein Hellseher. Auf jeden Fall ist das EINE Art, aber sicher nicht die feine englische. Ich denke aber, dass da mehr dahinter steckt als hier wahr genommen wird.

db73
00
11.4.2011, 18:13

Was heisst denn hier im Regen stehen lassen ?

Nur 10% haben einen Asylantrag gestellt, dieser sollte geprüft werden. Der Rest ist illegal und hätte nicht auf ital. Festland , sondern direkt zurück nach Tunesien gebracht werden sollen

Franz Sammer
 
23
10.4.2011, 19:25
Sarkozy-Merkel-Afrikaflüchtlinge

die Europäer haben die Hose voll,weil sie die Geschichte vergessen haben.über zwei Jahrhunderte
wanderten die Europäer aus ,hauptsächlich nach Nord.und südamerika.meistens mit der Annahme das Land gehört uns,ohne auf die Ureinwohner Rücksicht zu nehmen-meistens mit Gewalt-,stellt euch vor die Afrikaner würden das gleiche machen-na Mahlzeit!
Sarkozy kann man sowieso vergessen,auch den lieben Bruder USA,den dort ist ja das alte Verhalten
von Europa vorhanden.Wir müssen umdenken oder die Geschichte wird uns einholen.Wie im alten Rom.

strangerinastrangeland
 
00
11.4.2011, 11:27

Die "Afrikaner" würden, wenn sie könnten.

Grober Schnitzer
00
11.4.2011, 10:50

Nur weil man mal Fehler gemacht hat bedeutet das aber nicht, dass man auf Grund eines riesigen schlechten Gewissens gleich kriechen muss.
Ein schlechtes Gewissen bringt uns und die anderen auch nicht weiter.

Aber: was die beste Lösung ist? Wenn man all die Meinungen konstruktiv ausdiskutieren könnte, wären alle Beteiligten wohl am besten beraten.

Die Realität aber:
Bsp: Herr Sammer ist der Meinung, dass wir auf Grund vergangener Verbrechen aus schlechten Gewissen alle Afrikaner aufnehmen sollten. Ein Standpunkt. Der nächste geht auf das gar nicht ein, und möchte ihn über genaue Jahreszahlen unterrichten (pike shop). Der nächste redet gar von Südarfrika (4freedom). Ihr redet aneinander vorbei. Und das soll gut sein?

pike bishop
12
11.4.2011, 00:32

Ihr gedÄchnis ist zu kurz: Amerika wurde 1492 "entdeckt", seither wanderten Spanier und Portugiesen in die "Neue Welt" aus, um ca. 1620 begann die britsche Besiedlung Nordamerikas, ungefähr gleichteitig die franz. Auswanderung nach Kanada. Alle zusammen rotteten sie die Ureinwohner der Karibik aus und brachten (auch seit ca. 1500) millionen von Afrikanern, die gra nicht auswandern wollten, über den Atlantik.

Grober Schnitzer
10
11.4.2011, 10:43

Ich denke nicht, dass exakte Jahreszahlen die Wiedergabe einzelner Fakten die Grundaussage von Herrn Franz Sammer ändern.
Wozu diese i-tipferl-reiterei? Besserwisserisch? Geltungsdrang?

pike bishop
00
11.4.2011, 13:56

Nein, er schreibt seit 200 Jahren, weil im allgemeinen Geschichtsbewusstsein, das alles mit USA einhergeht: im Guten und im Bösen ist der Forschritt angelsächsisch. Das ist ein Weltbild, das ist erstens falsch und zweitens gefällt es mir nicht.

Grober Schnitzer
00
11.4.2011, 19:10

nein, er hat nicht geschrieben, dass seit 200 jahren Leute nach Amerika emigrieren.
Er hat geschrieben: "...über 2 Jahrhunderte..." was für mich nicht zwangsläufig bedeutet, dass es die letzten beiden waren.
Er hat sich zweifellos nicht unmissverständlich ausgedrückt, was die Fakten betrifft. Aber offensichtlich möchte er auf was anderes raus, und das haben Sie irgendwie nicht verstanden.
Gut, sie legen viel Wert auf Allgemeinwissen, vor allem was Geschichte betrifft. Aber wir sind hier nicht in einer Schule und es geht hier nicht um Noten, sondern um Meinungen. Und seine Meinung ist rüber gekommen, denke ich. Ob der Inhalt jetzt einwandfrei ist oder nicht. Die Kommunikation passt hier einfach nicht. Ihr redet aneinander vorbei.

pike bishop
00
11.4.2011, 22:04

Wie Sie meinen. Ich wollte aber auch nur ein Fussnote zu seinem Kommenatr anbringe. Habe ihm ja auch sonst nicht widersprochen. Tut mir leid, wenn sie das aufregt.

4freedom
10
11.4.2011, 10:30
Afrika nicht vergessen!

Südafrika wurde sehr lange von eingewanderten Weißen beherrscht.

Wenn's um's Geld geht, hört die Solidarität auf.

Wie sollen die Italiener ihre Grenzen schützen? Boote versenken oder abdrängen bis die Menschen darin verhungern und verdursten?

Wäre es nicht besser, Flüchtlinge vorläufig aufzunehmen, dabei zu helfen, stabile politische Systeme und Wirtschaftssysteme in ihren Heimatländern zu schaffen und dann die Flüchtlinge zu ermutigen, heimzukehren?

Dazu braucht es allerdings intelligente Konzepte und Planungen anstatt populistisch rechter Sprüche. Welcher "christliche" Politiker ist dazu fähig?

Grober Schnitzer
00
11.4.2011, 10:40
Das ist ein schöner Gedanke

und ich denke, da hat keiner was dagegen.
Aber die Theorie weicht meist erheblich von der Praxis ab. Die Nato ist versucht, Gaddaffi in die Schranken zu weisen und unterstützt die Rebellen. Aber so leicht wie man sich das denkt, is es offensichtlich nicht.

Ideologie ist selten im Einklang mit der Realtität.

Dhimmi
16
10.4.2011, 15:08
"Vor allem müsste die EU Klarheit über die Schengen-Regeln schaffen"

Recht hat Berlusconi.
Wenn sich die EU nicht zu effektiven gemeinsamen Abwehrmassen durchringen kann - den arbeitslosen Nordafrikanern ("Tunesiern") Touristenstatus verleihen, und weg sind sie aus Bella Italia, zumal sie dort auch keine einklagbaren Asyl- und Sozialgeschenke erwarten dürfen.
So einfach ist das.
Ebenso richtig ist, dass die Bayern ihre Grenzen dicht machen wollen.

Grober Schnitzer
10
11.4.2011, 10:54

Berlusconi kann nicht einfach eine Entscheidung für sich treffen und dann erwarten, dass die anderen mitziehen.
Wenn jemand für Sie eine Entscheidung trifft und dann erwartet, dass sie ohne gezetter zustimmend mitmachen, dann würden Sie sich auch übergangen fühlen. Hier gehts (nicht nur) darum, wie mit den Flüchtlingen umgegangen wird und vor allem, um die Kommunikation unter den Mitgliedsstaaten. Wer hat Berlusconi zum Entscheidungsträger ernannt?

aiuto
02
10.4.2011, 20:43
was heißt, die EU?

die Nationalstaaten müssen sich einigen.
Wir sind doch schonm längst wieder auf dem Weg zurück zur Dominanz der Nationalstaaten.

4freedom
55
10.4.2011, 19:11
The Great Schengen Wall!

Notfalls mit Waffengewalt verteidigen!

Wo kämen wir hin, helfen? Schwarzen Afrikanern? Sind eh alle freiwillg arbeitslos, weil faul und überhaupt. Die könnten uns das Extraschnitzl wegnehmen.

Solln's bleiben wo's san, gibt eh zfui.

Berlusconi soll seine Probleme selbst lösen anstatt mit die Mädln umandum z'mochn.

Mehr Macht für Fekter!

Assistenzeinsatz bundesweit!

Grober Schnitzer
00
11.4.2011, 10:57

Ironie ist natürlich auch eine Art, mit dem Gesagten umzugehen.
Es geht aber nicht darum, ob die Afrikaner arbeitslos sind und dergleichen. Das ist nicht Thema. Hier wird echt alles verwendet, um einfach auch was zu sagen, oder? So scheints zumindest.

Lustig, wenn man sich lustig macht... haha.. :-/

Totaler Durchblicksstrudel
10
10.4.2011, 21:53

Vollkommen richtig! Auch wenn das nicht von dir kommt, weil du nur von der Krone braun heute abgeschrieben hast!
Fraglich auch, warum die Nato die Nordafrikaner in Nordafrika bombardiert, wo diese doch die wahre Gefahr in den europäischen Hauptstädten darstellen? Man stelle sich alleine die Kostenersparnis vor, wenn die Einwanderviertel in Paris, Brüssel und Berlin bombardiert werden könnten.
Und nein, das ist nicht die Idee eines Querkopfs, das ist eine legitime Forderung, die ursprünglich von der europäischen Polizeigewerkschaft erhoben wurde!
;)

Grober Schnitzer
00
11.4.2011, 11:00

Sind die Österreicher wirklich so einfach?
Entweder ironisch bzw. zynisch, weil vielleicht frustriert oder überheblich oder besserwisserisch, weil übetrieben stolz?

Totaler Durchblicksstrudel
00
11.4.2011, 12:06

Lass mich so antworten; eine Freundin aus Neuseeland, die gerade sechs Monate in Wien lebte, meinte zur mir: You know, this country is sick! Und ich: at least...

Grober Schnitzer
00
11.4.2011, 19:00

nur dass deine Freundin nicht der Maßstab ist. Außerdem kann man ihre Aussage vielseitig interpretieren. Auch ich habe einen Freund, der 3 Monate in Neuseeland war und einiges an nicht so Tollem von dort erzählen kann. Was tut das zur Sache? Die Mentalitäten sind total verschieden. Außerdem bleibt offen, auf was sich die Aussage deine Freundin bezieht. Auf die Politik? Oder generell auf alles, was du gerade brauchst, um dein Argument nötigenfalls zu untermauern? Wie auch immer.

Zitate mit mangelhaftem Informationsinhalt von irgendwelchen unbekannten Menschen, seien sie aus dem Ausland oder nicht, sind total unqualifiziert und haben keine Bedeutung. Oder ist sie die Präsidententochter bzw. -frau?

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.