Schwere Kämpfe in Misrata

8. April 2011, 23:17
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Ashton schrieb Brief an UN-Generalsekretär Ban

Misrata - In der libyschen Stadt Misrata haben sich Rebellen und Soldaten von Machthaber Muammar al-Gaddafi am Freitag schwere Kämpfe geliefert. Das berichtete ein Fotograf, der sich mit einer von den libyschen Behörden geführten Gruppe von Korrespondenten in der Stadt aufhielt. Beide Seiten lieferten sich schwere Feuergefechte mit Leichtfeuerwaffen, Raketen und schwerer Artillerie. Vor einem Krankenhaus, zu dem die Behörden die Journalisten führten, um Opfer der Kämpfe zu zeigen, wurde ein als Begleiter eingesetzter Armeeoffizier durch einen Schuss von Heckenschützen leicht verletzt. Die Journalistengruppe war fünf Kilometer weit ins Stadtgebiet hineingelangt, die Stadt erstreckt sich über 30 Kilometer.

Nach Angaben der Rebellen wurden in Misrata am Freitag vier Menschen getötet, darunter zwei Kinder, als Gaddafis Soldaten Granaten und Raketen auf Häuser schossen. Zehn weitere Menschen seien verletzt worden. "Die Truppen von Gaddafi schießen weiter blind auf Wohnhäuser in Misrata", sagte ein Rebellensprecher. "Diese Menschen wurden in ihren Häusern getötet, und an der Front haben wir paradoxerweise keine Opfer gehabt." Dem Sprecher zufolge hatten die Gaddafi-Truppen seit dem frühen Morgen von Panzern aus Raketen und Granaten abgefeuert. An der Küstenstraße habe es schwere Kämpfe gegeben.

Ashton schreibt Ban

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton schrieb unterdessen am Freitag einen Brief an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, in dem sie die Bereitschaft der Europäischen Union für einen humanitären Einsatz für Misrata bekundete. Die EU kann nur dann Soldaten zur Absicherung humanitärer Hilfe in Richtung Libyen schicken, wenn zuvor das UN-Büro für humanitäre Angelegenheiten (OCHA) darum bittet. Ashtons Brief sei "eine Ermutigung" an die UN, die EU um Unterstützung zu bitten, sagte ein Diplomat in Brüssel. Noch in der kommenden Woche werde die offizielle Anfrage des UN-Büros für einen Militäreinsatz der EU zugunsten der Bevölkerung in der umkämpften Stadt Misrata erwartet. Unmittelbar nach der Anforderung durch OCHA könne eine bereits beschlossene Militäroperation der EU Gestalt annehmen, hieß es.

Die EU-Staaten würden dann gefragt, welche Militärkräfte sie zur Verfügung stellen. Deutschland, das an der Militäroperation der Nato nicht teilnimmt, hat bereits die Bereitschaft zum Einsatz von Soldaten bei einem humanitären Einsatz erklärt.

Einem europäischen Diplomaten in Brüssel zufolge schrieb Ashton, die EU sei bereit, den 300.000 Bewohnern in der umkämpften Stadt zu helfen, die unter zunehmend gefährlichen und schwierigen Bedingungen lebten. Die EU wolle die dafür notwendigen Mittel, "einschließlich die militärischen", bereitstellen. (APA)

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