Guttenberg streitet mit Uni Bayreuth

10. April 2011, 22:18

Falscher Doktor will Veröffentlichung des Plagiats-Berichtes verhindern

Bayreuth - Zwischen dem deutschen Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und seiner früheren Universität ist ein heftiger Streit über den Untersuchungsbericht zu seiner Doktorarbeit entbrannt. Der Anwalt des prominenten CSU-Manns griff die Hochschule Bayreuth scharf an und warf ihr vor, seinen wegen der Plagiatsvorwürfe zurückgetretenen Mandanten vorzuverurteilen. Laut "Süddeutscher Zeitung" (Samstag) kommt die Untersuchungskommission der Uni zu dem Schluss, dass Guttenberg absichtlich abgeschrieben habe. Dieser würde die Veröffentlichung des Berichts am liebsten verhindern und ließ von seinen Anwälten den Vorwurf der Täuschung erneut zurückweisen.

"Obwohl die Kommission der Bayreuther Universität ihre Arbeit noch nicht abgeschlossen hat, wird über deren angebliche Ergebnisse bereits in der Presse berichtet", sagte Anwalt Alexander Graf von Kalckreuth in der "Bild am Sonntag" und fügte hinzu: "Das widerspricht allen Regeln eines ordentlichen Verfahrens und dient der Vorverurteilung meines Mandanten." Guttenberg bleibe weiter bei seiner Darstellung, nicht absichtlich abgeschrieben zu haben.

"Klare Aussage treffen"

Diesen Vorwurf wies die Hochschule zurück. "Es gibt bis heute keine offizielle Stellungnahme der Universität Bayreuth oder der Kommission, in der von einer absichtlichen Täuschung die Rede war", sagte Uni-Sprecher Frank Schmälzle. "Insofern halten wir diese Vorwürfe für verfehlt."

Die Universität Bayreuth will ihren Bericht notfalls auch gegen den Willen Guttenbergs veröffentlichen. "Wir wollen eine klare Aussage zum wissenschaftlichen Fehlverhalten zu Guttenbergs treffen und das Thema öffentlich aufarbeiten", sagte Sprecher Schmälzle. Laut "SZ" geht die Kommission davon aus, dass Guttenberg vorsätzlich gehandelt hat. Ausmaß und Art der Plagiate ließen keinen anderen Schluss zu. Guttenberg hatte aber stets bestritten, bewusst Texte anderer Autoren übernommen zu haben, ohne dies zu kennzeichnen.

Guttenberg habe gegenüber der Kommission eine umfassende Stellungnahme abgegeben, sagte sein Anwalt jetzt. "Sie belegt schlüssig, dass er nicht bewusst getäuscht hat." Sein Mandant räume aber "mangelnde Sorgfalt" ein. Vorwürfe der Uni, Guttenberg wirke an der Aufklärung der Affäre anders als versprochen nicht voll mit, bezeichnete der Anwalt als "haltlos".

Laut Anwalt steht noch nicht fest, ob Guttenberg einer Veröffentlichung des Berichts zustimmen wird. "Ich verweise darauf, dass parallel strafrechtliche Ermittlungen laufen. Auch deren Ergebnis gilt es abzuwarten." Uni-Sprecher Schmälzle bestätigte, dass die Anwälte gebeten hatten, den Bericht nicht zu veröffentlichen. Sie verwiesen dabei auf die Persönlichkeitsrechte ihres Mandanten.

"Wir haben den Anwälten in einem Schreiben geantwortet und unser Interesse deutlich gemacht, die Öffentlichkeit informiert zu halten", betonte Schmälzle. Dem Berliner "Tagesspiegel" sagte Uni-Präsident Rüdiger Bormann: "Wir möchten das Ergebnis - auch zur Frage des Täuschungsvorsatzes - öffentlich machen." Er sehe in dem Verhalten des Politikers einen "vollkommenen Widerspruch" zu dessen Rücktrittsrede, in der er Aufklärung versprochen hatte.

Die Uni Bayreuth, die Guttenberg den Doktortitel aberkannt hat, prüft nach Angaben ihres Sprechers, welche rechtlichen Möglichkeiten bestehen, falls dieser nicht einlenken sollte. Der Bericht soll Ende April fertig sein.

"Der Spiegel" berichtete unterdessen, dass die Plagiatsaffäre möglicherweise keine strafrechtlichen Folgen haben werde. Die bayerische Justiz suche derzeit nach Präzedenzfällen, in denen Ermittlungen wegen Urheberrechtsverstößen mangels öffentlichen Interesses eingestellt wurden, berichtete das Blatt. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 54
1 2
Mathias
 
00
13.4.2011, 13:58
Falscher Doktor will Veröffentlichung des Plagiats-Berichtes verhindern

Dafür ist er ein "waschechter Plagiator"!

Nr.3645
00
13.4.2011, 10:37
"Karl-Theodor Guttenberg, Plagiator."

das ist ein titel ;)

Homo Austriacus
01
12.4.2011, 00:14
Umfassende Information gibt's hier:

http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/Gutt... nPlag_Wiki

Wer auf inzwischen nachgewiesenen 63,8%(!) der Zeilen plagiiert hat, kann das niemals mit mangelnder Sorgfalt begründen. Deshalb ist ja die Fernhaltung der Öffentlichkeit um jeden Preis so wichtig!

Mit einem Wort: "abstrus"!

Peter_23
00
11.4.2011, 12:45
Ein Fall für Wikileaks

Die Öffentlichkeit hat ein Anrecht auf allumfassende Information. Vor allem bei Personen des öffentlichen Interesses.

Erzpiefke
 
00
11.4.2011, 12:28
Cooles Bild von unserem Gutti

justaguy
05
11.4.2011, 10:16
DR.

Schummler cum laude.

King of Cowards
02
11.4.2011, 09:07
Ich nehme an Sie kennen bereits Volker Pispers Beitrag:

http://www.youtube.com/watch?v=r... re=related

Nick Tameer
02
10.4.2011, 12:49

Während dioe Staatsanwaltschaft versucht, das öffentlich Interesse zu leugnen, scheint der Ex-Minister das Interesse der Öfferntlichkeit zu fürchten.

derderbenutzer
00
10.4.2011, 13:16
Interessante Interessenslage beiderseits...

;)

Fritz Meyer
50
10.4.2011, 07:53
Jetzt kommen's daher.

Bedauere, aber ich finde die Universität Bayreuth noch scheinheiliger und unseriöser als den "Plagiator".

Denn die haben diese Zustände der politischen Patronage auf Kosten der Ehrlichkeit gegenüber den anderen Absolventen überhaupt erst einreissen lassen.

Peda
00
13.4.2011, 13:13

Ob man das so verallgemeinert sagen kann, will ich nicht beurteilen. Aber in jedem Fall hat man seitens der Uni Bayreuth bei der Betreuung und Bewertung der Arbeit jeden akadem. Standard unterschritten.

system1
10
11.4.2011, 10:51
was kostet es sich auf der Universität Bayreuth

einen titel zu kaufen? hätte interesse....

Der Menschenfreund
07
Jetzt zeigt er sein wahres Gesicht!

Auch wenn der Bericht nicht veröffentlicht werden sollte, kann man aus diesem Verhalten Guttenbergs seine Schlussfolgerungen ziehen.

Karl Benemsi
00

die sonnenbrille ist ein plagiat - helm und träger sowieso.

zimbo
 
10
Nennt man kontinuierlich durchgelogen.

Schneck4ever
04

also für mich stellt sich das ca. so dar:

Guttenberg übergibt seinem Ghostwriter sein gesammeltes Material aus seinen Vorträgen etc. plus seinen Vorstelltungen zu der Arbeit sowie ein paar Seiten um seinen Schreibstil abkupfern zu können.

Des Ghostwriters Problem war, dass er das Material aus den Vorträgen wohl teilweise 1:1 übernommen hat. Jedoch gelten bei Vorträgen keine Zitierregeln.

Wer so viel zu verlieren hat wie Guttenberg, und vor allem, wer so viel Kohle hat, der kauft sich nen zweiten Ghostwriter der die Arbeit gründlich gegenliest und prüft.

system1
00
11.4.2011, 10:51
frage: was spricht eigentlich dagegen, die paar seiten selbst zu schreiben?

Marlon62
00
11.4.2011, 13:25
Dagegen sprich die persönliche Eitelkeit (ich bin ja keine Schreibkraft),

die auch dazu führte, dass Dr. p.cp (plagiatis causa) "seine" Dissertation unbedingt publizieren wollte.

Dhimmi
13
Der hat das selber geschrieben

Er erstellte das Konzept und Inhaltsverzeichnis (was dem Vernehmen nach recht beeindruckend war) und lässt sich das von einem Prof. absegnen.
Zum Sammeln des Materials beschäftigte er ein oder mehrere Rechercheure, die vielleicht sogar das eine oder andere Kapitel ganz bestritten.
Da werden auch die nicht zitierpflichtigen Vorträge eingeflossen sein.Das Material wurde mittels copy und paste und verbindender Wort die Diss.

Ich kann da kein grossartiges Plagiat erkennen. Es ist die übliche lausige Karriere-Diss. Sollte er wirklich einen Ghostwriter eingesetzt haben, ist es glatter Betrug.

W. Müller
 
00
Ich kann mir ebenso wenig vorstellen, ...

... daß Guttenberg diesen "Blödsinn" <sic> selbst geschrieben hat.

Malkaye
00
aber doch nicht, weil das unter seinem niveau ist!?

W. Müller
 
00
Nein.

Weil er nicht blöd ist, eine sooo leicht zu zerpflückende Diss abzuliefern.

Schlampig, oberflächlich, beim Lesen der "Entwürfe", die ihm die Ghostwriter vorlegten schon. Gutgläubig, ...

Thyristor
00
11.4.2011, 07:36

Glaube ich auch, dass er nicht selbst der Verfasser ist. Nur ein paar Sätze, in bekannt schwülstig aufgeblasenem Stil, hat er vielleicht "ergänzt".

Aber wie auch immer, in jedem Falle hat er plump beschissen, so oder so.

Keyser
016

Warum soll dieses hoch brisante Dokument nicht an die Öffentlichkeit gelangen? Bei einem Menschen, der so sehr in der Öffentlichkeit stand, hat die Öffentlichkeit auch das Recht, alles zu erfahren.

In Österreich hätte ihm das natürlich nicht passieren können, da wäre er immer noch Doktor, wenn nicht gar schon Professor! Aber so sind halt wir, bei uns wird über solch kleine Unzulänglichkeiten ja gerne hinweg gesehen, solange "gute Arbeit" geleistet wird.

Er sollte eine Karriere hier bei uns erwägen, er hätte hier mit weißem Doktormantel - gibt es in jedem Baumarkt zu erstehen, die besten Chancen. Sogar ein Namensschild könnte er tragen. Natürlich gilt die Unschuldsvermutung bis die Schuld nicht mehr verhindert werden kann. :)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 54
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.