Europäische Union hob Sanktionen teilweise auf
Genf/Brüssel - Aufgrund der Kämpfe in der
ivorischen Wirtschaftsmetropole Abidjan sind die Bewohner der Stadt
seit Tagen ohne Wasser. In Abidjan sei das Wasser seit vier Tagen
abgestellt, sagte der Vertreter des UN-Büros für die Koordinierung
humanitärer Hilfe (OCHA) in Abidjan, Carlos Geha, am Freitag
telefonisch der Nachrichtenagentur AFP. "Abidjan ist eine humanitäre
Katastrophe." Die Bevölkerung sei nicht auf so lange Kämpfe
eingestellt gewesen.
Die Wassersperrungen seien nach und nach in verschiedenen
Vierteln
erfolgt, fügte Geha hinzu. Im Stadtteil Abobo, wo überwiegend
Anhänger des international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara
leben, sei das Wasser bereits am Wochenende abgestellt worden. Zudem
seien die meisten Geschäfte geplündert worden, vor allem die kleinen
Lebensmittelläden, sagte Geha. Die Preise für Brot, Zigaretten,
Weizen und andere Dinge hätten sich in den vergangenen 48 Stunden
verdreifacht. Geha ging am Freitag nach eigenen Angaben erstmals seit
Tagen wieder auf die Straße - einmal "von der UNO eskortiert" und
einmal "alleine im Auto".
Sanktionen aufgehoben
Die Europäische Union hob am Freitag die Sanktionen gegen die
beiden größten Häfen von Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste), Abidjan im
Osten und San Pedro im Westen des Landes, auf. Wie die EU in Brüssel
mitteilte, nahm sie außerdem die staatliche Ölraffinerie und die
staatliche Kakao- und Kaffeeorganisation CGFCC von der
Sanktionsliste. Die 27 EU-Staaten kamen damit einer Forderung
Ouattaras nach, der sich am Donnerstag in einer Fernsehansprache
geäußert hatte und der Bevölkerung versprochen hatte, die Wirtschaft
des Landes wieder in Gang zu bringen. Der Hafen von San Pedro ist der
weltweit größte Umschlagplatz für Kakao, das wichtigste Exportprodukt
von Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste).
Der bisherige Laurent Gbagbo hielt sich weiter im Bunker seiner
Residenz in Abidjan auf, die von Ouattaras Truppen umstellt ist. Der
Anführer der Gbagbo-treuen "Jungen Patrioten", Charles Ble Goude,
rief am Freitag zu einem "innerivorischen Dialog" auf. Ohne Gbagbo
könne es keinen Ausweg aus der Krise geben, sagte er dem
Fernsehsender France 24. Gbagbo werde nicht zurücktreten.
Erneuter Angriff auf französische Botschafterresidenz
Die Residenz des französischen Botschafters in Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste) ist nach Botschaftsangaben erneut von Einheiten des bisherigen Präsidenten Laurent Gbagbo angegriffen worden. Am Freitag gegen 16 Uhr (18 Uhr MESZ) sei das Gebäude im Stadtteil Cocody in Abidjan das Ziel von zwei Mörsergranaten und einer Rakete gewesen, teilte die Botschaft mit. Die französische Botschaftsresidenz liegt neben der Residenz Gbagbos, in der dieser sich zusammen mit Getreuen verschanzt hält. Gbagbos Sprecher Ahoua Don Mello wies die Erklärung der französischen Vertretung "ausdrücklich" zurück.
"Alle schweren Waffen an der Residenz des Präsidenten Gbagbo wurden zerstört, sie selbst (die Franzosen) haben es gesagt." Dies seien "Ablenkungsmanöver", mit denen Frankreich von seinen eigenen Angriffen auf den staatlichen Fernsehsender RTI und Gbagbos Residenz ablenken wolle.
Die französische Botschaft erklärte, es habe sich um den zweiten gezielten Angriff auf die Residenz in weniger als 48 Stunden gehandelt. Am Mittwochabend hatten Gbagbo-treue Soldaten die Residenz des französischen Botschafters angegriffen, nachdem französische Soldaten den von Gbagbos Soldaten angegriffenen japanischen Botschafter in Sicherheit gebracht hatten. (APA/Reuters)