Zahlreiche Tote bei Angriff auf iranische Opposition

8. April 2011, 20:36
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Camp Ashraf von irakischen Soldaten gestürmt - Chefredakteur in Bagdad erschossen

Bagdad - Irakische Soldaten haben am Freitag ein Lager der exil-iranischen Volksmujaheddin (PMOI) nördlich von Bagdad gestürmt. Sie töteten nach Angaben der iranischen Oppositionsgruppe elf Bewohner des Lagers. Etwa 200 Menschen seien verletzt worden, teilte die Organisation mit, die für einen Sturz des iranischen Regimes kämpft.

Aus irakischen Sicherheitskreisen hieß es, bei "Zusammenstößen" zwischen Soldaten und den Volksmujaheddin seien drei Iraner getötet worden. 14 Iraner und sechs Soldaten hätten Verletzungen erlitten. Ein Grund für den Angriff im Morgengrauen wurde nicht genannt.

Geiselnahmen

Der Nationale Widerstandsrat des Iran berichtete in einer Aussendung am Freitag von mindestens 31 Toten, darunter sieben Frauen. Mehr als 2.500 Soldaten unter dem Kommando des irakischen Regierungschefs Nuri al-Maliki wären in das Camp eingedrungen. Die Getöteten seien entweder direkt erschossen oder von Fahrzeugen überrollt worden. Hunderte der Bewohner seien als Geisel genommen worden. Die irakischen Truppen hätten das Lager schon seit Tagen besetzt.

Der 2003 gestürzte irakische Präsident Saddam Hussein, der sein Land in einen Krieg mit dem Iran geführt hatte (1980-1988), war ein Unterstützer der iranischen Oppositionsgruppe. Er hatte ihr 1986 erlaubt, in der Provinz Dijala das Militärlager Ashraf zu beziehen. Die Volksmujaheddin unterstützten damals den Irak im Krieg gegen ihr Heimatland, weil sie die religiöse Diktatur im Iran ablehnen.

Im Juli 2009 ließ die schiitisch dominierte irakische Regierung Camp Ashraf stürmen. Bei dem Angriff wurden elf Menschen getötet und etwa 500 weitere verletzt. In dem Camp leben etwa 3.500 Angehörige der Volksmujaheddin und deren Familien. 2009 hatten die US-Truppen der irakischen Regierung die Zuständigkeit für Camp Ashraf übergeben.

Die EU hat die iranische Oppositionsgruppe im Jänner 2009 von ihrer Terrorliste entfernt. Gleichzeitig wurde die UNO in der Resolution des Europaparlaments aufgefordert, dringend Schutz für die Menschen in Camp Ashraf bereitzustellen.

Die aktuelle irakische Regierung wird von Schiiten-Parteien dominiert, die gute Beziehung zu Teheran pflegen und deshalb das Lager am liebsten schließen würden. Die Volksmujaheddin in Camp Ashraf befürchten, vom Irak an den Iran ausgeliefert zu werden.

Unterdessen erschossen unbekannte Bewaffnete am Freitag im Süden von Bagdad den Chefredakteur des Satelliten-Senders Al-Massar, Taha Hamid, in seinem Wagen, wie die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak berichtete. Auch der mit ihm im Auto sitzende Vorsitzende der irakischen Vereinigung für politische Häftlinge, Abed Farhan Thiab, wurde bei dem Überfall ermordet. Al-Massar steht der schiitischen Dawa-Partei von Ministerpräsident Maliki nahe. (APA)

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