Neue Opfer von Massakern entdeckt

8. April 2011, 20:25
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    foto: ap/blackwell

    Frauen mit Lebensmitteln passieren Soldaten von Alassane Ouattara in Abidjan. Die Versorgungslage ist schwierig.

Die Uno hat mehr als 100 Leichen entdeckt und spricht von einer Eskalation der ethnischen Spannungen

Wahlsieger Alassane Ouattara fordert unterdessen eine Aufhebung der EU-Sanktionen.

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Genf/Abidjan - Mitarbeiter der Uno haben im Westen der Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste) 115 Leichen innerhalb von 24 Stunden gefunden. Einige der Opfer seien lebendig verbrannt worden, andere seien in einen Brunnenschacht geworfen worden, teilte der Sprecher des Uno-Menschenrechtskommissariats, Rupert Colville, am Freitag in Genf mit. Offenbar handelt es sich um Opfer ethnisch motivierter Gewalt.

Die Opfer wurden an drei verschiedenen Orten gefunden, darunter auch 15 Leichen in der westlich gelegenen Stadt Duékoué. Die Entdeckung kommt, eine Woche nachdem das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) von Massakern in Duékoué mit mindestens 800 Toten berichtet hatte. Laut der UN-Mission Unoci könnten Anhänger des offiziellen Wahlsiegers Alassane Ouattara dafür verantwortlich gewesen sein - aus Rache an Truppen des abgewählten Laurent Gbagbo.

"Abscheuliche Rachemorde"

"Mit diesen abscheulichen Rachemorden in Duékoué und mehr als 100 Leichen, die wir gestern gefunden haben, kann man von einer Eskalation sprechen" , sagte Colville zu Journalisten. Es sei schwer zu sagen, wer für die jüngst entdeckten Opfer angesichts der ethnischen Spannungen dort verantwortlich sei. Die anderen beiden Fundorte sind Guiglo und Blolequin.

Diese Spannungen sind in der Region im Westen des Landes, dem Zentrum des Kakao-Anbaus, alles andere als neu. Die Bruchlinien aufgrund von Religion und Stammeszugehörigkeit entsprechen jenen zwischen dem aus dem muslimischen Norden stammenden Ouattara und dem aus dem christlich und animistisch geprägten Süden stammenden Gbagbo. Zudem gibt es dort aufgrund der Kakaoplantagen viele Einwanderer den Nachbarländern wie Burkina Faso und Mali.

"Diese Morde entlang ethnischer und religiöser Linien, die von beiden Seiten verübt werden, zeigen die tiefe Spaltung in Côte d'Ivoire" , meint Corinne Dufka von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Ouattara müsse diese Spaltung überwinden, das Land versöhnen und dafür sorgen, dass die Täter zur Verantwortung gezogen werden.

Doch der Machtkampf zwischen den beiden Rivalen setze sich auch am Freitag fort. Gbagbo verschanzte sich weiterhin im Bunker des Präsidentenpalastes in Abidjan. Ouattara erklärte die Gegend um das Gebäude zur Sperrzone, seine Kämpfer belagern die letzte Bastion Gbagbos seit Tagen.

Außerdem drängt Ouattara auf eine Aufhebung der EU-Sanktionen gegen das Land, weil er den Kakaohandel wieder aufbauen will. In Brüssel hieß es, eine Entscheidung darüber könne am Dienstag fallen.

Hilfsorganisationen warnen unterdessen vor einer humanitären Notlage. Hilfe für Menschen in Abidjan sei wegen der anhaltenden Kämpfe derzeit nicht möglich, teilte Caritas International mit. Doch auch die Situation in den Flüchtlingslagern im angrenzenden Liberia sei dramatisch. Dorthin sind laut UN bisher rund 130.000 Menschen geflohen. Engpässe gebe es bei der Versorgung mit Medikamenten, Lebensmitteln, Wasser, Kleidung und Notunterkünften. (Reuters, red/DER STANDARD, Printausgabe, 9.4.2011)

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21 Postings
Pete Freedom
02
Warum ist es in Afrika so grausam?

Ich stelle mir diese Frage und mich würde interessieren, wie sie das sehen?

Dark Angel
 
22
11.4.2011, 17:25

nun ja, den Grausamkeitsrekord der letzten 500 Jahre halten, glaube ich, immer noch die Europäer mit ihren Verbrechen in den Kolonien und an den Sklaven sowie dem Holocaust etc. etc.

Verwundert von der Grausamkeit Afrikas zu sprechen ist typische europäische Naivität ob der eigenen Verbrechen.

emma goldman
00
11.4.2011, 16:47

...in afghanistan wurde den russ. Soldaten von muhadschedin. die haut abgezogen. Der spiegel aus 75, wàhrend der kriege in den port. Afrik. Kolonien, zeigt bilder von lächelnden portugiesen mit köpfen in der hand. Was im jugoslawienkrieg an grausamk. Stattfand, dürfte ja noch in erinnerung geblieben sein.

Klaus aus Haus
30
"Einige der Opfer seien lebendig verbrannt worden,"

wie wurde das festgestellt ?

RichardRoe
00
11.4.2011, 18:38

Die machen das ja nicht, um einzelne Personen umzubringen, sondern um den Rest des Bezirks einzuschüchtern. Zuschauer sind durchaus erwünscht, wenn sie nicht gleich gezwungen werden, zuzusehen. Und die erzählen es dann brühwarm den angereisten Leuten von UNO und Rotem Kreuz.

Doc PBCK
11
Hier geht's nicht primär um Religion...

Sondern wie immer um Afrikas Fluch- die Stammesstrukturen, die einfach für so viel
Leid auf diesem Kontinent verantwortlich zu machen und offenbar nicht zu überwinden sind....

grumbleduke
 
01
Ich würde mich liebend gerne noch intensiver in diese Thematik einlesen.

Vor allem interessieren mich Bücher und Websites, die belegen, dass es in Afrika vor der Kolonialisierung durch die Europäer zu Völkermorden wegen der Stammeskulturen gekommen ist.

In der Zwischenzeit philosophiere ich ein wenig über "divide et impera" und darüber, ob Kolonialmächte vielleicht absichtlich manche Ethnien anderen vorgezogen und andere benachteiligt haben, um die eigenen Ziele besser durchsetzen zu können.

Freue mich schon auf Links und Buchtitel - Danke!

_Schwarz
00
11.4.2011, 19:44
was wollen sie denn wirklich

wenn sie etwas wollen, dass ihre vorab"meinung" bestätigt sollten sie es vielleicht darauf verzichten.
Aber ein ernstgmeinter Autoren zur Geschichte Afrikas, der helfen kann, gesellschaftliche Strukturen in Afrika zu verstehen: Afigbo (Igbohistory) -> da kommt auch die "Indirect Rule" (eigenes Buch von ihm: The Warrant Chiefs") der Briten vor.

RichardRoe
00
11.4.2011, 18:50

Wenn Sie was Spannendes lesen wollen, dann sollten Sie vielleicht die Afrikaromane von Edgar Wallace http://de.wikipedia.org/wiki/Edgar_Wallace lesen. Der hat ordentlich recherchiert. Die Kolonialmacht England hatte zu dieser Zeit in Westafrika alle Hände voll zu tun, die Stämme am gegenseitigen Massakrieren zu hindern. Was nicht immer gelang.

Nebenbei: der Sklavenhandel zuerst mit Ägypten, dann mit Arabien und später mit Amerika funktionierte klaglos, weil die Küstenstämme gegen Geld die 'Ware' aus dem Inneren Afrikas heranbrachten. An einer 'Aufarbeitung' des Geschehenen sind weder die Nachfahren der Opfer noch jene der Täter interessiert. Eine kürzlich von Weissen initiierte Veranstaltung in Ghana verlief im Sande ..

Johannes Benn
01
.

so etwas ist wohl grundsätzlich schwer festzustellen, da es ja in diesen gebieten vor ankunft der araber bzw. europäer keine schriftlichen aufzeichnungen gab.
man könnte vermuten dass die lage insofern entspannter war als dass diese gebiete früher äußerst dünn besiedelt waren und so kontakte zwiwchsne verschiedenen gruppen jeglicher art - ob feindlich oder freunlich - wohl nicht so häufig

Doc PBCK
03
Hab nie behauptet...

Dass der Tribalismus nicht durch Kolonialmächte gefördert und bestärkt wurde. Als politisches Kampfphänomen wird er allerdings erst seit Ende der Kolonialherrschaft wirklich gelebt. Und das ist nun auch schon einige Jahrzehnte her - die Frage bleibt offen, warum politische Systeme und Auseinandersetzungen tribalistisch bleiben - und das ist Afrikas Fluch...

grumbleduke
 
20
Der Fluch Afrikas war und ist Europa (und Amerika)

heute genauso wie vor 600 Jahren

nemo sander
11
kompletter Schwachsinn. Der Fluch ist die idiotische Grenzziehung am Reißbrett

entgegen gewachsener staatlicher Strukturen und Reichsgrenzen nach den Interessen der "Kolonialherren", das war auch in Asien so und hat den Konflikt Indien/Pakistan/Kaschmir/Afghanistan (Paschtunen) bis heute weiterleben lassen und den Irak-Konflikt, Palästina, Kurden, etc. bis heute zur Folge.
Die EuropäerInnen haben sich eh schon in zwei Weltkriegen gegenseitig massakriert, ich weiß nicht, warum die dann noch meinten in anderen Kontinenten staatenbildend wirken zu können.

grumbleduke
 
10
11.4.2011, 20:13
"kompletter Schwachsinn. Der Fluch ist die idiotische Grenzziehung am Reißbrett"

Hmmm, wer hat nochmal die Grenzen in Afrika gezogen?

NoName1234
10
???

@vincent
Was für einen müll schreibst du
eigentlich? Die franzosen? Beweis?

Vincent_Vega
34
Außerdem drängt Ouattara auf eine Aufhebung der EU-Sanktionen gegen das Land.

jaja die franzosen konnten die massaker niccht verhinder, da sie ja beschäftigt waren outarras mannen zu unterstützen....

und eben diese haben massaker zu verantworten und ihr chef spielt sich als präsident auf und verlangt von der EU...und fällt wie selbstverständlich gegen UNO resoltion und innerivorischen abmachungen vom norden her ein und alle schauen zu...

naja man muss nicht alles verstehen...


für die standard redaktion:

gbagbo ist rechtmäßiger "präsident" lt. ivorischer Verfassung aber das traut sich ja keiner zu schreiben, ...

hatamatata
 
06

die christen, die am stärsten verfolgte religion der welt, wie hier im westen

Dark Angel
 
20
11.4.2011, 17:28

"hier im Westen", meinen Sie damit USA und EU?

trollkind
11
das muß so sein,

die konsumenten anderer drogen werden ja schließlich auch verfolgt und bestraft.

lg
dein trollkind

Adam Markus
35

eine einsame Träne kullert mir die Wange herunter.....

Aber eines ist gleich und zwar hier wie dort. Überall wird Religion als Ausrede für Machtgier eingesetzt und wenn nicht Religion, dann Abstammung, Hautfarbe oder sonst etwas.

Das Spiel ist überall das Gleiche, die Mächtigen wollen an der Macht bleiben und die Aufmerksamkeit der Menschen auf andere Themen lenken.

So ist auch ein Großteil der Österreicher mit Asylwerbern und Kopftüchern beschäftigt, während die Regierung Allgemeingut an Private verhökert, Konzerne und Millionäre nicht besteuert, Sozialmaßnahmen abbaut, bei der Bildung spart, oder Milliarden in "Bankenrettungspakete" steckt.

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