Kameras statt Stradivaris

8. April 2011, 19:17
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Sammlung des insolventen Geigenhändlers wird verkauft

Wien - Die gesuchten wertvollen Geigen wurden in der Causa rund um die Insolvenz von Geigenhändler Dietmar M. zwar bisher nicht gefunden - dafür aber jede Menge Kameras. Jahrzehntelang pflegte M., gegen den die Justiz unter anderem wegen des Verdachts auf schweren Betrug ermittelt und der in der Schweiz in Auslieferungshaft sitzt, Kameras zu sammeln. Seinen Fokus legte er auf Nikons und Leicas.

Untergebracht hat der "manische Käufer und Sammler" (ein Exgeschäftspartner) die zum Teil nach Seriennummern gekauften Kameras in meterlangen Regalen auf dem Dachboden seines Schlosses in Niederösterreich, wo sie die ob der Menge bass erstaunten Beamten bei der Hausdurchsuchung fanden. Gekauft hat M., für den die Unschuldsvermutung gilt, bei seinem Stammhändler in Wien so gut wie alles: Stücke um hundert Euro ebenso wie die ganz teuren um die 50.000 Euro aufwärts. Die wertvollsten sind aber nicht mehr da; sie hat M. schon vor etlichen Jahren versilbert.

Die Masseverwalter haben die Fotoapparate nun M.s Händler in Kommission übergeben. Er soll die "gigantische Sammlung" (ein Kenner) verklopfen - Stück für Stück, auf dass die Preise nicht in den Keller rasseln. Zudem wurde inzwischen ein Makler bestellt, der M.s Schloss in Katzelsdorf verkaufen soll; ein Teil des Erlöses wird aber direttissima an die Hypothekargläubiger Erste Bank und Wiener Neustädter Sparkasse fließen. Wie berichtet wurden im Konkurs 80 Mio. Euro Forderungen anerkannt; rund 30 Mio. Euro davon entfallen auf die Banken.

Geht es nach ihnen, so könnte es demnächst eine CSI Stradivari geben. Um die an sie verpfändeten wertvollen Streichinstrumente - vor allem Stradivaris und Guarneris - zu finden, möchten sie einen Geigen-Spezialisten mit Recherche und Fahndung betrauen. Die Masseverwalter sollen dagegen sein, wegen der Kosten. (gra, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9./10.4.2011)

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