Schnapsideen ohne Folgen

8. April 2011, 18:44
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Solange Gesetze nicht exekutiert werden, werde Jugendliche trinken - Jugendschutz hin oder her

Sie trinken Wodka, als wäre er wirklich ein Wässerchen. Auf der Straße, im Park wird vorgeglüht. Aufgemascherlte Girlies greifen zur Flasche in der schicken Designerbag, die Verschämten haben ihre Mischung in der Coladose, coole Typen zeigen unverhohlen, dass sie das Limoalter längst überwunden haben.

Egal, ob ein Jugendgesetz Alkohol verbietet - die Kids saufen. Ein Fünftel der 15-jährigen Buben hat bereits vier Vollräusche hinter sich, sagt uns die WHO, bei den Mädchen ist der Prozentsatz knapp darunter. Fast ein Drittel der 15-Jährigen trinkt mindestens einmal die Woche alkoholisches Gemisch - Jugendschutz hin oder her.

Nun will der Jugendminister handeln. Endlich, nach 40 Jahren föderalistischer Jugendschützerei, soll es einheitliche Bestimmungen von Eisenstadt bis Bregenz geben. Beispielsweise Alkoholverbot bis 16. Dann zwei Jahre Bier und Wein, harte Drinks erst ab 18. Sechs Bundesländer finden das vernünftig, in Wien, St. Pölten und Eisenstadt wird der Vorschlag abgelehnt. Hier sollen Jugendliche weiter ab 16 trinken dürfen, was ihnen die Supermarktregale und Tresen bieten. Der Grund: Man hat die drei Landesgesetze aufeinander abgestimmt, will sie nun nicht ändern. So schön einfach seien die und klar. Der Minister ist kompromissbereit: Den Schnapskonsum sollen die Länder föderalistisch regeln, wichtiger sei Alkoholverbot bis 16. Das alles kratzt die Jungen nicht. Gesetze exekutiert eh keiner.(Jutta Berger, DER STANDARD, Printausgabe, 9./10.4.2011)

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