Teure Zivilcourage: Schüler sollen 200 Euro zahlen

Michael Simoner , 8. April 2011, 18:42
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    foto: cremer

    Nikolaus Kunrath von den Wiener Grünen (Mitte) kümmert sich um die Jugendlichen, die nach einer Demo gegen eine Abschiebung jeweils 200 Euro Verwaltungsstrafe zahlen sollen.

Polizei verdonnert Jugendliche nach Demo gegen Abschiebung zu hoher Strafe und prüft Aufenthaltsverbot

Wien - Die Familie Komani ist ein besonderer Fall in der jüngeren heimischen Asylgeschichte. Dass Mutter, Vater und die beiden Kinder aus dem Kosovo eine Niederlassungbewilligung aus humanitären Gründen erhalten haben, ist zu einem guten Teil der Zivilcourage von engangierten Bürgern, die gegen die geplante Abschiebung protestiert hatten, zu verdanken. Manche davon sollen dafür jetzt allerdings teuer bezahlen.

Mehreren Schülern und Studenten, die im vergangenen Oktober an einer Kundgebung in Wien teilgenommen hatten, flatterten Strafbescheide über jeweils 200 Euro ins Haus. Die Polizei legt den Jugendlichen zur Last: "Sie haben ,durch ein besonders rücksichtsloses Verhalten die öffentliche Ordnung an einem öffentlichem (sic!) Orte ungerechtfertigt gestört und die Fahrbahn zu Gehen (sic!) benützt (durch absichtliches blockieren (sic!)), obwohl ein Gehsteig vorhanden war."

Gebürtige Österreicherin mit Abschiebung bedroht

Juristisch handelt es sich um Verwaltungsübertretungen nach dem Sicherheitspolizeigesetz und nach der Straßenverkehrsordnung. Die Polizei argumentiert in der Niederschrift des Sachverhalts damit, dass die Betroffenen trotz Auflösung der Kundgebung und Androhung einer Anzeige weiter demonstriert hätten. Die Höhe der Strafe sei auf jeden Fall angemessen, denn "die massive örtliche Verkehrsstörung lag in Absicht der Angezeigten und kann deshalb Strafsatz erhöhend gewertet werden" (sic!). 

Die Wiener Grünen haben sich um die Jugendlichen angenommen und bieten ihnen rechtliche Unterstützung. Das Schlimmste ist für Nikolaus Kunrath vom Grünen Rathausklub, dass bei einer Studentin, die einen ausländisch klingenden Nachnamen trägt, zusätzlich geprüft wurde, "ob die Voraussetzung zur Erlassung eines Aufenthaltsverbotes vorliegt", wie es in der Anzeige heißt.

Kunrath: "Bei einer Demo gegen eine Abschiebung prüft die Polizei auch gleich, wen sie noch abschieben könnte. Das ist doch extrem zynisch." Und auf jeden Fall ungerechtfertigt, denn die Jugendliche ist gebürtige Österreicherin.

"Das Gesindel soll gefälligst ordentlich studieren oder hakeln"

Wie zur Rechtfertigung haben die eingeschrittenen Beamten der Anzeige folgende Anmerkung beigefügt: "Anwesende Fahrzeuglenker und Fußgänger taten durch Äußerungen wie 'das Gesindel soll gefälligst ordentlich studieren oder hakeln' ihren Unmut kund und forderten uns zum Einschreiten auf, beziehungsweise bedankten sich für das Freimachen der Fahrbahn."

Ex post betrachtet hätte die Polizei vielleicht sensibler vorgehen sollen, immerhin hat der Fall Komani ja dem Wiener Fremdenpolizeichef den Job gekostet. (Michael Simoner, DER STANDARD; Printausgabe, 9./10.4.2011)

Kommentar posten
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Chris.S
00
"Ex post betrachtet hätte die Polizei vielleicht sensibler vorgehen sollen"

Haha. "Hätte" "vielleicht" "sollen". Es ist eine Frechheit Schüler dafür zu bestrafen, dass sie sich mal trauen kritisch zu Denken und auch so zu handeln. Und sich nicht der Gleichgültigkeit hingeben, sondern _politikinteressiert_ sind.

Und dann wundert man sich über Politikverdrossenheit. Völlig egal was sie gemacht haben, sie haben mal gemacht - dafür gehören sie nicht bestraft.

alpentiger
02
29.5.2011, 11:01
Zivilcourage ist die einzige Zukunft in unserer zerlotterten Bananenrepublik ...

Wo Provisionäre, Korrumpisten und Menschenrechtsverachter in der ersten Reihe der Politik hofiert werden.

Die Zivilgesellschaft muss Flagge zeigen und die Beamten- und Politoligarchen medial täglich in die Mangel nehmen. Dann wird es vielleicht in den Parteien ein Umdenken geben, wenn die dort wissen, dass gar nicht mehr hingehört wird, geschweige ihnen gefolgt wird.

Dringend muss vom Listenwahlrecht abgegangen werden, damit die Parteischleimer vorne gnadenlos gestrichen werden können. Damit kann die Zivilgesellschaft deutlich machen, welche Qualität wir im Parlament erwarten. "Hände falten, Goschn halten und Pfote heben" soll nicht mehr das einzige Auswahlkriterium für Politiker bleiben.

Also, Jugend wach auf und komme zu Wort!

rosa parks
01
29.5.2011, 11:38
ähhhh....

...das listenwahlrecht produziert zwar tatsächlich tendenziell schleimer, wie sie schreiben, dafür produzieren einerwahlkreise tendenziell korruptionisten (die Sie ja auch nicht wollen). ich bin zwar auch für änderungen, aber wer meint, dass sich grundsätzliche veränderungen durch formale retuschen erreichen lassen, irrt. es kommt schon darauf an, wie sich welche menschen engagieren und nicht primär darum, welches wahlrecht wir haben.

alpentiger
00
29.5.2011, 12:01
Sie haben mich nicht verstanden ...

Als relativ guter Kenner des anglikanischen Wahlsystems in ich skeptisch, ob das für uns was wäre. Dieses System meinte ich nicht.

Das Listenwahlrecht bei uns bringt nur den kleinsten gemeinsamen Nenner aus Parteihörigkeit, lokalen und lobby- oder gruppengetriebenen Apparatschiks hervor. Ein natürlicher Austausch mit dem Bevölkerungsquerschnitt findet nicht statt.

Wir brauchen also eine freies Reihungssystem oder eine Quotenregelegun. D.h. nur 50 % der Parteikandidaten wird von der Partei nominiert, logischer weise nicht die ersten 50 %, sondern nach dem Reissverschlussprinzip. Damit wäre eine "Verbreiterung der Parteiplattform" auch für Fachleute interessant. Jetzt sind wir ein Lobbyparlament mit Überzahl an Beamten und Bündlinge.

Frorey Fire
00
20.10.2011, 15:44
Anglikanisches Wahlrecht?

Sie meinen die anglikanische Kirche?

rosa parks
01
29.5.2011, 12:44
bin ohnehin auch bei Ihnen.

ich bin nur auch überzeugt davon, dass formalismen fast irrelevant sind. heißt: streichungen etc sind nur eine verbesserung, wenn sie auch genutzt werden. das aber wiederum setzt eine erhebliche mobilisierung der zivilgesellschaft voraus. kurz zusammengefasst: sch**ß auf den formalen rahmen - nur eine lebendige, antagonistische zivilgesellschaft bringt demokratie. darauf muss den fokus legen, wer etwas verändern will.

lassalle hat mal gemeint, dass die arbeiter selbst schuld wären, wenn sie nach einführung des allgemeinen wahlrechts die falschen wählten. nun, sie taten und tun es regelmäßig. dass sie "selbst schuld an ihrem unglück" sind, hilft mir angesichts von 1933, der orbanisten oder der strache-n*zis wenig...

hungrybear
02
28.5.2011, 17:12
hauptsache wir haben ...

... leistungsträger wie grasser, meischberger, hochegger, mensdorff, meinl, elsner, etc... im land - da können wir das asylantenpack ruhig abschieben ! es ist zum kotzen !!

perigord
 
12
28.5.2011, 13:13
Droht den Verfassern der Strafbescheide

nun ebenfalls die Abschiebung wegen mangelnder Deutschkenntnisse? Niveau A2 hat dieser Kauderwelsch ja wohl sicher nicht.

Und auch herr Simoner sollte noch ein wenig Sprachnachhilfe nehmen:

"Die Wiener Grünen haben sich um die Jugendlichen angenommen..." (schon mal was vom Genitiv gehört?)

"...immerhin hat der Fall Komani ja dem [sic!] Wiener Fremdenpolizeichef den Job gekostet."

Frorey Fire
00
20.10.2011, 15:41

Danke, wollte ich auch gerade anmerken.

King of Cowards
14
12.5.2011, 00:34

Merkt denn niemand, was der eigentliche Skandal an der Sache ist?

"... die öffentliche Ordnung an einem öffentlichem (sic!) Orte UNGERECHTFERTIGT gestört ...".

Also die Polizei entscheidet ob es sich um eine gerechtfertigte oder ungerechtfertigte Störung handelt?

dajonny
00
28.5.2011, 15:07

und was soll das sic? war er jetzt öffentlich oder nicht?

heinz strobl
 
00
28.5.2011, 22:25
sic

heisst ,dass der Grammatik-/Orthographiefehler nicht vom Zitierenden stammt, sonder vom Zitierten, damit nicht Zweifel über den Urheber dieser Unregelmäßigkieten aufkomme.

K. K. Lacke
42
13.5.2011, 12:01
und wissens was?

die entscheiden sogar was "zu schnell" ist auf der Straße...

und noch viele andere Dinge...

sowas aber auch...

joachim posan
 
15
19.5.2011, 00:15
tut sie nicht

was "zu schnell" ist wird in der strassenverkehrsordnung geregelt. die aufgabe der polizei ist es fuer die einhaltung derselben zu sorgen und nicht legislativ- oder judikativ-organ zu spielen (darum heisst sie auch "exekutive")

K. K. Lacke
11
13.5.2011, 12:00
ja das tut sie

belgma
 
25

zivilcourage? sofort unterbinden und von kindesbeinen an austreiben!!!

dreyfusard
44

manchma ist es zum schämen, wie dumm und perfid es noch immer hier abläuft. bloß, woran liegts?

kibi
12
10.5.2011, 19:07
an der gleichgültigen mehrheit?

zombie69
 
117
Lachhaft

Genau diese Schüler sind die ersten die Jammern wenn ihnen beim Eintritt ins Berufsleben die Ausländer stetig den Arbeitsplatz vor der Nase wegschnappen.

Karin Stadler2
01
28.5.2011, 16:26
Lachhaft, was Sie alles wissen.....tssstss

Bossa-Nova
31
10.5.2011, 10:31

Wenn du GUT bist, schnappt dir niemand einen Job weg.

Außer du bist ein Zombi, entweder von 1969 oder 69 Jahre alt.

Dr.mumunator
1815
12.4.2011, 19:24
Richtig so!

Man muss dem Berufs Demovolk die Grenzen aufzeigen! Glauben ja alle sie stehen über den Gesetzen!

AdamWeishaupt
1513
14.4.2011, 18:51
Ich STEHE über dem Gesetz!

Mal ehrlich: Die Menschenrechte stehen über der StVO. Es ist lächerlich jemanden nach der StVO zu verurteilen, wenn er von seinem Recht auf Versammlungsfreiheit gebrauch macht...

Poldi Fesch
23
ganz so

einfach ist es auch wieder nicht. Die Grundrechte haben keine Drittwirkung u. jeder Verkehrsteilnehmer ist durch eine Demo in seinem Grundrecht auf (Bewegungs)freiheit verletzt. Sprich, die ausuebung eines Grundrechtes beeintraechtigt andere in Ausuebung ihres Grundrechtes

Roderic Schuchart
65

Es ist _kein_ Grundrecht, einen Blechhaufen durch die Straßen zu bugsieren...

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