Groteske um Werbeplakat am Salzburger Rathaus

8. April 2011, 18:13
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Stadt Salzburg erteilt von ihr selbst vermieteter Reklamefläche Beseitigungsauftrag, Gerüst nur Attrappe

Die Bürger von Schilda hätten es vermutlich nicht besser gekonnt: Am Freitag wurde ein an einem Baugerüst vor dem Salzburger Rathaus angebrachtes Werbeplakat wieder entfernt. Den Beseitigungsauftrag hatte die zuständige Magistratsabteilung erlassen. Das riesige Sujet vor der Kulisse des Weltkulturerbes Altstadt war mit dem Altstadtschutz nicht vereinbar gewesen.

Dabei hatte die Stadt selbst die Fläche an eine Werbefirma vor einigen Wochen vermietet. Die ressortzuständige Baustadträtin Claudia Schmidt (ÖVP) argumentierte, so die Renovierungskosten für das Rathaus senken zu können. Den erwarteten 75.000 Euro für den Plakatauftrag stehen allerdings Gesamtsanierungskosten für das baufällige Rathaus von 3,6 Millionen Euro gegenüber.

Dem Beseitigungsbescheid aus dem Ressort von Planungsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) - dieser drohte sogar mit der zwangsweisen Entfernung der Autowerbung - waren heftige Proteste von Altstadtschützern vorausgegangen. Mitglieder der Sachverständigenkomission zum Schutz der Altstadt wandten sich gegen "diesen Wahnsinn". Auch die Bürgerliste, deren Mitbegründer Herbert Fux einst den Altstadtschutz in Salzburg verankert hatte, forderte ein Ende der "Verramschung".

Die politisch verantwortliche Stadträtin Claudia Schmidt war am Freitag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Von Beamtenseite wird aber versichert, dass die Nachfolgelösung altstadtverträglicher sei. "Gerade noch positiv", lautet das Resümee des zuständigen Beamten für den neuen Bescheid.

Mit dem von der Stadt an sich selbst gerichteten Beseitigungsauftrag ist die Groteske um die Werbung an der Sanierungsbaustelle allerdings noch nicht zu Ende. Das an der Salzachseite des Rathauses aufgestellte Baugerüst ist derzeit nämlich nur eine Attrappe. Es diente offensichtlich nur als Halterung für die nun entfernte Werbung.

Derzeit ungenutzt

Wie Planungsstadtrat Padutsch auf Anfrage des Standard erläuterte, werde das Gerüst zwar im Zuge der Renovierungsarbeiten einmal benötigt, derzeit habe das Gerüst aber noch nicht einmal einen Aufgang. Wann und wie lange das Gestell nun wirklich für die Arbeiten gebraucht wird, war am Freitag nicht zu erfahren.

Fest steht aber, dass vorerst noch nicht einmal ein Antrag zur Fassadensanierung bei der zuständigen Magistratsabteilung eingegangen ist. Die Renovierungsarbeiten am Rathaus werden voraussichtlich ein Jahr dauern. (Thomas Neuhold, DER STANDARD; Printausgabe, 9.10./4.2011)

  • Eine protzige Autoreklame am Rathaus dominierte für einige Wochen das Salzburger Altstadtbild. Diesen Freitag musste das Megaposter per städtischen Bescheid wieder abgehängt werden.
    foto: standard/neuhold

    Eine protzige Autoreklame am Rathaus dominierte für einige Wochen das Salzburger Altstadtbild. Diesen Freitag musste das Megaposter per städtischen Bescheid wieder abgehängt werden.

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