Renaults teure Ausfahrt in die Bredouille

8. April 2011, 17:36
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Spionagevorwürfe gegen Manager kommen den Autobauer teuer zu stehen: Die Betroffenen fordern elf Millionen Euro Schadenersatz

Paris - Der unbegründete Vorwurf der Betriebsspionage gegen drei Manager hat den französischen Autobauer Renault in eine Zwickmühle gebracht, die ihn vermutlich teuer zu stehen kommt: Die drei im Jänner gefeuerten Führungskräfte fordern zusammen gut elf Millionen Euro Schadenersatz von ihrem ehemaligen Arbeitgeber, wie die Wochenzeitschrift "Marianne" am Freitag im Voraus aus ihrem aktuellen Heft berichtete.

Langwieriger Prozess droht

Sollte das Unternehmen die ungewöhnlich hohen Summen zahlen, droht dem Bericht zufolge nicht nur Ärger mit der Belegschaft, weil sie den Fehler der Geschäftsführung ausbaden muss, sondern auch Anzeigen von Kleinanlegern wegen Veruntreuung von Gesellschaftsgütern. Falls Renault die hohen Zahlungen verweigere, könne der Konzern sich in einem langwierigen Prozess vor dem Arbeitsgericht wiederfinden, der seinem Ansehen abträglich sei, stellte die Zeitschrift fest.

Die ganze Angelegenheit sei "schwerwiegend" und hätte dazu führen können, dass einer der Betroffenen sich das Leben nimmt, sagte der Anwalt des französischen Managers Michel Balthazard, den Renault wie die beiden anderen Führungskräfte beschuldigt hatte, Betriebsgeheimnisse an Außenstehende weiterzugeben. "Wiegt das ein Jahresgehalt von (Renault-Chef) Carlos Ghosn auf oder nicht?", fragte Rechtsanwalt Pierre-Olivier Sur und bezifferte den Jahresverdienst des Konzernchefs auf 9,2 Mio. Euro.

Moralischer Schaden

Balthazard hatte dem Bericht zufolge seit 32 Jahren für Renault gearbeitet und verlangt neben 480.000 Euro, die ihm nach dem Gesetz zustehen, weitere 750.000 Euro für die ungerechtfertigte Kündigung sowie 3,2 Mio. Euro für den daraus entstandenen moralischen Schaden. Sein Stellvertreter Bertrand Rochette, der 22 Jahre im Unternehmen gearbeitet hatte, will insgesamt 4,2 Mio. Euro von Renault, was laut "Marianne" 29 Jahresgehältern entspricht.

Der jüngste der drei rausgeworfenen Manager, der 33-jährige Matthieu Tenenbaum, hatte bereits seit zwölf Jahren für Renault gearbeitet und war zuletzt stellvertretender Leiter des Elektroauto-Programms; er fordert dem Bericht zufolge insgesamt 2,6 Mio. Euro von seinem bisherigen Arbeitgeber, was 43 Jahresgehältern entspricht. Renault hatte sich im März öffentlich und in aller Form bei den drei Managern entschuldigt und versprochen, den Schaden wiedergutzumachen. (APA/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Renault (Bild: Headquarters in Boulogne-Billancourt nahe Paris) entschuldigte sich mittlerweile öffentlich für die Vorwürfe. Den zu Unrecht gefeuerten Managern ist das aber verständlicherweise nicht genug.

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