Planetenjäger nahm 500 oszillierende Sterne ins Visier

9. April 2011, 18:00
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"Keplers" Beobachtungen der Helligkeits-Schwankungen geben Auskunft über Masse, Radius und Alter der jeweiligen Sterne

Wien - Die eigentliche Hauptbeschäftigung des Weltraumteleskops "Kepler" ist es, erdähnliche Planeten außerhalb unseres Sonnensystems aufzuspüren. Dank seiner hochpräzisen Kameras lässt sich "Kepler" aber auch für andere Aufgaben einsetzen. So hat das Weltraumauge vor kurzem 500 sonnenähnliche Sterne ins Visier genommen, um deren feinste Helligkeits-Schwankungen festzuhalten. Diese Licht-Vibrationen geben Auskunft über Masse, Radius und Alter der jeweiligen Sterne.

Die Daten erlauben den Wissenschaftern, darunter auch österreichische Astronomen, die Theorien über die Entstehung und Entwicklung der Sterne zu überprüfen. Die Ergebnisse wurden nun in der neuen Ausgabe der Wissenschaftszeitschrift Science veröffentlicht.

Die Helligkeit aller Sterne oszilliert in jeweils ganz charakteristischer Weise. In der Asteroseismologie nutzen die Wissenschafter diese Schwankungen, um mehr über die Eigenschaften und den Aufbau der Sterne zu erfahren. Das Problem ist, dass sonnenähnliche Sterne nur sehr schwach in ihrer Helligkeit schwanken. Daher braucht man hochpräzise Instrumente, um diese Oszillationen zu messen. Auf der Erde ist das nur bedingt möglich. Bisher waren lediglich die Schwingungen von rund 25 sonnen-ähnlichen Sternen bekannt.

Modifizierte Theorien

Die aktuellen Erhebungen erlauben den Wissenschaftern erstmals, nicht nur statistische Methoden anzuwenden. Sie konnten auch einige ihrer Theorien über Sternenentstehung und -entwicklung überprüfen. Dabei zeigte sich, dass die auf Basis dieser Modelle errechneten Sternengrößen gut mit der Realität übereinstimmen. "Bei der Masse gibt es aber überraschende Unterschiede zwischen Theorien und gemessenen Werten. Das hilft uns sehr, weil wir im Lichte dieser Daten nun unsere Modelle verbessern können", sagte Günter Houdek vom Institut für Astronomie der Universität Wien, der an den Auswertungen der "Kepler"-Daten beteiligt war. (red/APA)

  •  Ein mit unserer Sonne vergleichbarer Stern wird von einem Planeten umkreist. "Kepler" untersucht solche Sterne auf Helligkeits-Schwankungen.
    illustration: gabriel perez diaz, instituto de aastrofisica de canarias

    Ein mit unserer Sonne vergleichbarer Stern wird von einem Planeten umkreist. "Kepler" untersucht solche Sterne auf Helligkeits-Schwankungen.

  • Das Bild zeigt nur 0,2 Prozent des Himmelsausschnitts, den "Kepler" nach erdähnlichen Planeten - oder in diesem Fall nach oszillierenden, sonnenähnlichen Sternen - absucht.
    foto: nasa/ames/jpl-caltech

    Das Bild zeigt nur 0,2 Prozent des Himmelsausschnitts, den "Kepler" nach erdähnlichen Planeten - oder in diesem Fall nach oszillierenden, sonnenähnlichen Sternen - absucht.

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