"Die alten Wunden sind fast verheilt"

8. April 2011, 17:23
6 Postings

In der Gemeinde Feistritz im Rosental funktioniert das Zusammenleben mit der slowenischen Volksgruppe ganz gut - Man tut sich aber noch immer schwer, diese auch öffentlich sichtbar zu machen

Klagenfurt - "Was wir vor allem tun müssen, ist, den Menschen das Gefühl zu geben, dass sie Brüder und Bürger desselben Europa sind." Dieser Ausspruch des Gründervaters der Europaischen Union, Robert Schuman, hängt im Besprechungszimmer von Sonya Feinig, SPÖ-Bürgermeisterin der zweisprachigen Gemeinde Feistritz im Rosental. Nicht etwa in den beiden Landessprachen Deutsch und Slowenisch, sondern in Schumans Muttersprache Französisch. Auch geht es hier um eine internationale Freundschaftsbekundung aller Bärental-Gemeinden. Das Bärental, arisierter Besitz des verunglückten Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider, liegt ja zur Gänze auf dem Gemeindegebiet von Feistritz im Rosental / Bistrica v Rozu.

"Wir haben kein Problem mit unserer slowenischen Volksgruppe, da wird gemeinsam gefeiert und gesungen", betont die Bürgermeisterin, angesprochen auf den aktuellen Streit um den umstrittenen Ortstafelkompromiss. "Ich bin stolz auf unser harmonisches Miteinander." Auf Wunsch würde Feinig sogar Paare in slowenischer Sprache trauen. Als Deutschsprachige "Zugereiste" habe sie dafür extra die Sprache der Volksgruppe gelernt, sprudelt es aus ihr heraus. Auch die slowenische Amtssprache ist erlaubt.

Die 2707 Einwohner zählende, ehemals durch Eisenverarbeitung reich gewordene und heute nach der Schließung der Akkumulatorenfabrik mit einer hohen Abwanderung kämpfende Gemeinde ist durchwachsen von slowenischer Kultur und ebensolchem Brauchtum.

Sichtbar ist die Volksgruppe mit ihrer Muttersprache allerdings nicht. Weder auf der Gemeindehomepage noch auf den einsprachigen Ortstafeln. Auch nicht auf dem Feistritzer Gemeindeamt. Und sie soll es auch in Zukunft nicht werden.

So sieht es jedenfalls der aktuelle Ortstafelkompromiss vor, der zweisprachige Ortsschilder erst ab einem Slowenenanteil von 17,5 Prozent "zugestehen" würde. Dabei leben auf dem gesamten Gemeindegebiet immerhin 13,3 Prozent Volksgruppenangehörige, aufgeteilt auf acht Ortschaften.

"Nicht die beste Lösung"

"Es ist nicht die beste Lösung, aber gangbar", findet sich die Bürgermeisterin brav auf roter Parteilinie. Wünschen würde sie sich freilich mehr zweisprachige Ortstafeln, aber eine solche politische Konstellation wie jetzt gäbe es nur einmal.

Kulturelles Zentrum der Gemeinde wie des gesamten des Rosentals - seit Jahrhunderten autochthones Siedlungsgebiet der slowenischen Volksgruppe - ist der Ort Suetschach/Sveèe. Hier bringen etwa die grenzüberschreitenden Suetschacher Malerwochen starke touristische Impulse.

Hier steht auch das Geburtshaus von Andrej Einspieler, des slowenischen Geistlichen, Volksbildners und energischen Kämpfers für die Rechte seiner Volksgruppe. Auch die Familie des heutigen Vorsitzenden des Rats der Kärntner Slowenen und Diplomaten Valentin Inzko lebt in Suetschach, wo man sich schon bisher mit einer "privaten" zweisprachigen Ortstafel, die auf einem Stadel hinter dem Pfarrheim verwittert, begnügen musste. Auch jetzt fällt Suetschach mit 15,9 Prozent aus der Kompromissregelung heraus.

"Das ist halt so, irgendwo muss eine Grenze gezogen werden", ärgern sich Gäste im Ausflugswirtshaus Lausegger, das an der Weggabelung ins Bärental liegt. "Die Slowenen sollen endlich Ruhe geben." Heißläufer auf deutschkärntnerischer Seite "könnten wieder mit Sprühdosen ausrücken", befürchtet die Kellnerin.

In der Ortschaft Sankt Johann / Sentjanz befindet sich das slowenische Kulturzentrum k&k. Dessen Leiterin Trude Wieser-Moschitz sieht ebenfalls keine großen Probleme: "Die alten Wunden sind schon fast verheilt." Jede Lösung würde "irgendwie ungerecht sein, aber bei 15 Prozent könnten sich alle ohne Gesichtsverlust finden", findet Wieser-Moschitz, die auch Mitglied des slowenischen Zentralverbands ist.

"Es geht ja nur um sieben oder acht zweisprachige Ortstafeln, das kann doch nicht so schwierig sein", würde sich auch der frühere Präsident des österreichischen und Kärntner Fußballverbands, Thomas Partl, mehr Großzügigkeit von der Politik wünschen. Und eine "Gemeindeklausel", die weitere Ortstafeln ermöglicht, wenn sich dazu eine Mehrheit findet.

Der pensionierte Richter, der mit seinen Enkeln "selbstverständlich" Slowenisch spricht, lehnt die von den Kärntner Freiheitlichen geforderte Volksbefragung zur Ortstafellösung rundweg ab: "Das würde nur wieder neuen Zündstoff bergen." Die hohen Anmeldungen für zweisprachige Kindergärten würden belegen, wie sehr die Volksgruppe mittlerweile geschätzt würde.(Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Printausgabe, 9./10.4.2011)

  • In Suetschach sieht der aktuelle Ortstafelkompromiss keine 
zweisprachige Ortstafeln vor. Die slowenische Volksgruppe muss sich mit 
einer "privaten" begnügen, die auf einem Holzschuppen angebracht ist.
    foto: standard/maurer

    In Suetschach sieht der aktuelle Ortstafelkompromiss keine zweisprachige Ortstafeln vor. Die slowenische Volksgruppe muss sich mit einer "privaten" begnügen, die auf einem Holzschuppen angebracht ist.

  • Sankt Johann wird in Zukunft zweisprachig sein.
    foto: standard/maurer

    Sankt Johann wird in Zukunft zweisprachig sein.

Share if you care.