Das Erlernen von Fremdsprachen ist wichtig für das Berufsleben - Im deutschsprachigen Raum werden damit keine finanziellen Vorteile erwartet, so ein Ergebnis des "Language Barometer 2011"
Vokabeln auswendig lernen, sich immer und immer wieder die Regeln der
Grammatik vorsagen, Verben deklinieren - so oder so ähnlich haben ältere
Semester das Sprachenlernen in Erinnerung. Sprachunterricht dieser
traditionellen Gestalt ist aber heute kaum mehr gefragt. Zu diesem
Erlebnis kommt eine aktuelle weltweit durchgeführte Umfrage von busuu.com, der Web-2.0-Community und der IE Business School (Madrid) zum
Thema
Sprachenlernen. Befragt wurden 16.000 Benutzer aus 150 Ländern weltweit
der Plattform busuu.com. Darunter kamen 1138 Personen aus dem
deutschsprachigen Raum.
Erstes überraschendes Detail: Im deutschsprachigen Raum sind die
Sprachschüler älter als im weltweiten Vergleich und lernen Fremdsprachen
deutlich häufiger zum Spaß, heißt es dort. Und mittlerweile scheint
jeder Dritte zu denken, dass interaktives Lernen im Web 2.0 die
effizienteste Methode sei, um zukünftig Fremdsprachen
zu lernen.
Alter und Bildungsgrad
In Österreich, Deutschland und der Schweiz glauben nur noch 7,4
Prozent
der Befragten an die Effizienz traditionellen Sprachunterrichts, 3,8
Prozent an die von Büchern und 1,4 Prozent an die Effektivität von
CD-ROMs. Daraus resultieren 52,6 Prozent, die im Online-Lernen das
Mittel der Zukunft sehen. Davon entfallen wiederum 32,9 Prozentpunkte
auf "interaktives Online-Lernen im Web 2.0" und 19,7 Prozent auf
"individuelles Online-Lernen". Für Sprachkurse im Ausland sprachen sich
laut Studie 22,7 Prozent der Befragten in Deutschland, Österreich und
der Schweiz (DACH) aus.
Und: Fast jeder Dritte unter den befragten Sprachschülern aus der
DACH-Region ist zwischen 46 und 60 Jahre alt. 17,8 Prozent sind sogar
älter als 60. In Österreich ist diese Gruppe mit 22,3 Prozent am größten
- allerdings nicht unter den "Web-affinen": Dort sind die meisten
Befragten zwischen 16 und 25 Jahre alt und nur 7,6 Prozent über 60.
Dabei kam auch heraus, dass im deutschsprachigen Raum das Erlernen
von
Fremdsprachen nicht so stark vom
Bildungsstand abhängig ist wie in
anderen Ländern. Während im weltweiten Durchschnitt 61,1 Prozent der
Sprachschüler angaben, über zumindest einen Bachelor-Abschluss zu
verfügen, sind es bei den Sprachschülern im deutschsprachigen Raum nur
26,9 Prozent. Was so viel bedeutet, dass im deutschsprachigen Raum -
mehr als in anderen Regionen und Ländern - mehrheitlich Sprachen zum
Spaß gelernt werden.
Sprachen der Zukunft
Heißt: Man verspricht sich, was das Erlernen einer neuen Sprache
betrifft, in der DACH-Region keine Vorteile im Berufsleben (39.8
Prozent). Im internationalen Durchschnitt sind fast drei Viertel aller
Befragten davon überzeugt, dass mit einer zusätzlichen Sprache sich auch
die finanzielle Situation verbessern könnte. Zwar halten die Befragten
in der DACH-Region (78 Prozent) das Erlernen von Fremdsprachen für
wichtig im Berufsleben, allerdings geben nur 20,6 Prozent der
Arbeitgeber entsprechende Anreize dazu.
Als Sprachen der Zukunft gelten Englisch und Chinesisch. Im
deutschsprachigen Raum liegt Englisch mit 69,5 Prozent an der Spitze,
auf Platz zwei für die in Zukunft am wichtigsten angesehene Sprache
landet Chinesisch (14,9 Prozent) vor Spanisch (7,4 Prozent). (red, DER STANDARD, Printausgabe, 9.4.2011)