Wenig beruflicher Nutzen aus Fremdsprachen

8. April 2011, 16:08
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Das Erlernen von Fremdsprachen ist wichtig für das Berufsleben - Im deutschsprachigen Raum werden damit keine finanziellen Vorteile erwartet, so ein Ergebnis des "Language Barometer 2011"

Vokabeln auswendig lernen, sich immer und immer wieder die Regeln der Grammatik vorsagen, Verben deklinieren - so oder so ähnlich haben ältere Semester das Sprachenlernen in Erinnerung. Sprachunterricht dieser traditionellen Gestalt ist aber heute kaum mehr gefragt. Zu diesem Erlebnis kommt eine aktuelle weltweit durchgeführte Umfrage von busuu.com, der Web-2.0-Community und der IE Business School (Madrid) zum Thema Sprachenlernen. Befragt wurden 16.000 Benutzer aus 150 Ländern weltweit der Plattform busuu.com. Darunter kamen 1138 Personen aus dem deutschsprachigen Raum.

Erstes überraschendes Detail: Im deutschsprachigen Raum sind die Sprachschüler älter als im weltweiten Vergleich und lernen Fremdsprachen deutlich häufiger zum Spaß, heißt es dort. Und mittlerweile scheint jeder Dritte zu denken, dass interaktives Lernen im Web 2.0 die effizienteste Methode sei, um zukünftig Fremdsprachen zu lernen.

Alter und Bildungsgrad

In Österreich, Deutschland und der Schweiz glauben nur noch 7,4 Prozent der Befragten an die Effizienz traditionellen Sprachunterrichts, 3,8 Prozent an die von Büchern und 1,4 Prozent an die Effektivität von CD-ROMs. Daraus resultieren 52,6 Prozent, die im Online-Lernen das Mittel der Zukunft sehen. Davon entfallen wiederum 32,9 Prozentpunkte auf "interaktives Online-Lernen im Web 2.0" und 19,7 Prozent auf "individuelles Online-Lernen". Für Sprachkurse im Ausland sprachen sich laut Studie 22,7 Prozent der Befragten in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) aus.

Und: Fast jeder Dritte unter den befragten Sprachschülern aus der DACH-Region ist zwischen 46 und 60 Jahre alt. 17,8 Prozent sind sogar älter als 60. In Österreich ist diese Gruppe mit 22,3 Prozent am größten - allerdings nicht unter den "Web-affinen": Dort sind die meisten Befragten zwischen 16 und 25 Jahre alt und nur 7,6 Prozent über 60.

Dabei kam auch heraus, dass im deutschsprachigen Raum das Erlernen von Fremdsprachen nicht so stark vom Bildungsstand abhängig ist wie in anderen Ländern. Während im weltweiten Durchschnitt 61,1 Prozent der Sprachschüler angaben, über zumindest einen Bachelor-Abschluss zu verfügen, sind es bei den Sprachschülern im deutschsprachigen Raum nur 26,9 Prozent. Was so viel bedeutet, dass im deutschsprachigen Raum - mehr als in anderen Regionen und Ländern - mehrheitlich Sprachen zum Spaß gelernt werden.

Sprachen der Zukunft

Heißt: Man verspricht sich, was das Erlernen einer neuen Sprache betrifft, in der DACH-Region keine Vorteile im Berufsleben (39.8 Prozent). Im internationalen Durchschnitt sind fast drei Viertel aller Befragten davon überzeugt, dass mit einer zusätzlichen Sprache sich auch die finanzielle Situation verbessern könnte. Zwar halten die Befragten in der DACH-Region (78 Prozent) das Erlernen von Fremdsprachen für wichtig im Berufsleben, allerdings geben nur 20,6 Prozent der Arbeitgeber entsprechende Anreize dazu.

Als Sprachen der Zukunft gelten Englisch und Chinesisch. Im deutschsprachigen Raum liegt Englisch mit 69,5 Prozent an der Spitze, auf Platz zwei für die in Zukunft am wichtigsten angesehene Sprache landet Chinesisch (14,9 Prozent) vor Spanisch (7,4 Prozent). (red, DER STANDARD, Printausgabe, 9.4.2011)

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