Fisch im Glas

18. Mai 2011, 16:52
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Chinesen lieben die Farbe rot. Und Fische bringen Glück - allerdings nicht sich selber

Guangzhou, Kanton, Südchina. Wir sitzen im Restaurant eines jener luxuriösen Hotels, wo es außer Shampoo und Duschbad auch noch Kamm, Rasierer, Badehaube, Schlapfen, Wattestäbchen, Wattebäuschchen, Nähset, Schuhputztuch und Schreibblock mit Stift am Zimmer gibt.

Auf dem Tisch steht ein Glas. Ein Weinglas. Es ist aber nicht mein Glas, nicht sein Glas. Darin schwimmt nämlich eine Fischleiche, Bauch nach oben, Schwert nach unten. Ein leuchtend oranger Schwertträger, beliebter Aquarienfisch und leicht zu züchten da sehr fortpflanzungsfreudig. Ein billiger Dekorationsfisch für jedes Süßwasserbecken - oder für chinesische Restauranttische.


Platz ist in der kleinsten Hütte. Sogar für ein bisschen Gemüse.

Wir bestellen Kaffee und ich versuche der Kellnerin zu erklären, dass sie bitte dieses Glas vom Tisch wegnehmen möge. Was ich von der Tischdeko halte sage ich gar nicht erst dazu. Sie hat offensichtlich verstanden, nimmt das Glas und trägt es mit einem bezaubernden Lächeln weg.

Nach fünf Minuten kommt sie, immer noch lächelnd, zurück. Zweimal Kaffee mit Milch und Zucker. Und einmal frischen Fisch im Glas. (Mirjam Harmtodt/derStandard.at/18.05.2011)

  • In Chinas Riesenstädten ist Raum Luxus. Das wissen auch die Aquarienfische.
    foto: mirjam harmtodt

    In Chinas Riesenstädten ist Raum Luxus. Das wissen auch die Aquarienfische.

  • Die Frage: "Welchen hätten's denn gerne?" ist hier wohl fehl am Platz.
    foto: mirjam harmtodt

    Die Frage: "Welchen hätten's denn gerne?" ist hier wohl fehl am Platz.

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