Starke Nachfrage bei berufsbegleitenden Studien

8. April 2011, 15:42
87 Postings

Studieren und arbeiten liegt im Trend - Damit die Mehrfachbelastung bewältigt werden kann, gibt es an den Fachhochschulen vielfältige Unterstützungsmaßnahmen, an der Optimierung wird laufend gearbeitet an

Rund ein Drittel aller Studierenden an den österreichischen Fachhochschulen wählt ein berufsbegleitendes Studium, Tendenz steigend. Damit weder Beruf noch Studium und häufig auch Familie zu kurz kommen, braucht es ein gutes Zeitmanagement der Studierenden. Doch auch die Fachhochschulen tun vieles, um ein berufsbegleitendes Studium zu erleichtern. So wurden am Managementcenter Innsbruck (MCI) die Semesterzeiten verlängert - damit ein berufsbegleitendes Studium auch einem Vollzeitstudium entspricht. "Das Studium beginnt dort üblicherweise im September mit verkürzten Semesterferien im Februar und reicht bis in den Juli hinein", erklärt Andreas Altmann, Geschäftsführer des MCI. Wichtig sei auch ein völlig anderes Unterrichtskonzept: Studierende bringen ihre vielfältigen Erfahrungen in die Seminare ein und bearbeiten konkrete Problemstellungen aus der beruflichen Praxis unter Anleitung von Lehrenden, die hierfür die Grundlagen, Methodologie und Instrumente bereitstellen, im Übrigen aber eher als Coaches denn als traditionelle Professoren fungieren, so Altmann.

Hoher Stellenwert

"Als Hochschule der angewandten Wissenschaften ist es uns ein großes Anliegen, dass wir auch Personen, die bereits im Berufsleben stehen, ein hochwertiges und auf ihre Bedürfnisse abgestimmtes Studienangebot bieten", erklärt Karl Pfeiffer, Rektor der FH Joanneum.

So haben berufsbegleitende Studiengänge an der FH Joanneum einerseits einen E-Learning-Anteil von 40 bis 60 Prozent, anderseits sind die Präsenztage an Abend- und Wochenendterminen geblockt. "Zudem kommen wir Studienanfängerinnen und -anfängern mit Mentoring und Auffrischungskursen entgegen. Maßnahmen wie diese sollen dazu ermutigen, die Herausforderung eines berufsbegleitenden Studiums anzunehmen und die Chancen für die persönliche und berufliche Weiterentwicklung zu nutzen", ergänzt Pfeiffer.

Fast 40 Prozent der Bachelor-Studiengänge und knapp 70 Prozent der Masterstudiengänge sind am FH Technikum Wien berufsbegleitend organisiert. "Aber auch berufsbegleitendes Studieren ist im Wandel begriffen. Viele arbeiten projektbezogen, auf selbstständiger Basis oder haben Teilzeitjobs. Diese neuen Modelle der Berufstätigkeit stellen auch uns vor neue Aufgaben", sagt Fritz Schmöllebeck, Rektor der FH Technikum.

Dass berufsbegleitend Studierende in unterschiedlicher Weise berufstätig sind, heiße, dass sie auch unterschiedliche Fähigkeiten aus ihrem Arbeitsumfeld mitbringen. Das sei bei der Weiterentwicklung der Studienangebote zu berücksichtigen, und es werde immer wichtiger werden, die neuen Modelle der Berufstätigkeit in all ihrer Vielfalt optimal ins Studium zu integrieren, so Schmöllebeck.

"Die Fachhochschulen müssen dem heutigen Zeitmanagement junger Menschen verstärkt durch flexible, mehr oder weniger modularisierte Angebote in Vollzeitform und vermehrt auch berufsbegleitend Rechnung tragen", sagt Rudi Feurstein, Rektor der FH Vorarlberg. Die Trennung zwischen Arbeiten und Lernen werde durch "lebensbegleitendes Lernen" immer mehr verschwinden. Die FH Vorarlberg entspricht mit ihren Zeitmodellen diesen Anforderungen. Von den 14 angebotenen Studiengängen in den Bereichen Wirtschaft, Technik, Gestaltung und Soziales können an der FH Vorarlberg sieben berufsbegleitend studiert werden. Damit sichern wir den Mitarbeitern der regionalen Wirtschaft Weiterbildungsmöglichkeiten neben ihrer Erwerbstätigkeit, so Feurstein.

Viele Betriebe und Mitarbeiter, die die Basis für einen Karriereschritt legen wollen, nutzen die kostengünstige und exakt planbare Form der Weiterbildung durch berufsbegleitende Studien, sagt Wolfgang Richter, Geschäftsführer der FH Kufstein. Die Vorteile liegen auf der Hand. "Die Studienzeiten sind genau festgelegt, die Kosten mit Studiengebühren von 363 Euro pro Semester sehr niedrig", ergänzt Richter. Die FH Kufstein bietet vier Bachelor- und fünf Master-Studiengänge berufsbegleitend an. Das Angebot wird ergänzt um internationale MBA-Programme und ein ebenfalls kostenpflichtiges Doktoratsprogramm in Kooperation mit der Universität Riga.

Beruflich up to date bleiben

Ein berufsbegleitendes Studium sei eine gute Möglichkeit um auch beruflich up to date zu bleiben, sagt Gerald Reisinger, Geschäftsführer der FH Oberösterreich. Mittlerweile sind 21 Studiengänge in den Bereichen Informatik, Gesundheit und Soziales, Management sowie Technik und Umwelt so organisiert, dass Studium und Job vereinbar sind. "Das berufsbegleitende Studienangebot ist auch für unsere Kooperationspartner in der Wirtschaft und Industrie wichtig. Mitarbeiter erhalten eine akademische Aus- und Weiterbildung neben dem Job und bearbeiten während des Studiums aktuelle Projekte aus dem Unternehmen. So gibt es auch gleich parallel zum Studium einen unmittelbaren Wissenstransfer und Benefit für den Arbeitgeber", ergänzt Reisinger. Daher wurde in den vergangenen Jahren das Angebot stark ausgebaut. Ein Trend, der sicherlich auch in den nächsten Jahren anhalten wird, so Reisinger.

"Durch den hohen Anteil berufstätiger Studierender ist permanent die Aktualität der Inhalte gefordert", sagt Annette Zimmer, Geschäftsführerin der FH Campus 02. Entscheidend für den Erfolg sei die Qualität in der Vermittlung der Lehrinhalte. Die FH Campus 02 lege besonderen Wert auf erwachsenengerechte Didaktik und biete allen Lektoren ein Weiterbildungsprogramm dazu an. Mit zielgruppengerechter Vermittlung der Studieninhalte kann die Präsenzzeit an der FH intensiver genutzt und der Lernerfolg der Studierenden gesteigert werden, heißt es vonseiten der FH.

"Eine besondere Herausforderung beim berufsbegleitenden Studieren ist die Frage der Internationalisierung", sagt Helmut Holzinger, Geschäftsführer der FH des bfi Wien. "Die Studierende können durch die Berufstätigkeit und auch durch familiäre Bindungen kein Semester im Ausland verbringen. Daher sind Maßnahmen der 'Internationalisation at home' wichtig", ergänzt Holzinger. Ein Beispiel dafür ist das von der Europäischen Kommission bewilligte Jean-Monnet-Lehrmodul für berufsbegleitend Studierende. Ab Herbst 2012 soll es an der FH einen viersemestrigen berufsbegleitenden Masterstudiengang in englischer Sprache zum Thema Strategic Human Resource Management in Europe geben. Das Joint-Degree-Programm wird gemeinsam mit Hochschulen aus Belgien, Slowenien und Deutschland entwickelt.

Auch Silvia Kucera, Rektorin der Lauder Business School, sieht im Bereich der Mobilität für berufsbegleitend Studierende Herausforderungen. "Derzeit werden berufsbegleitende Masterstudien stärker nachgefragt als Bachelorstudien. Daher wird auch dieses Angebot weiter ausgebaut", so Kucera. An der FH Wiener Neustadt werden berufsbegleitende Masterstudien ebenfalls stärker nachgefragt, "da viele Studierende nach dem Praktikum im letzten Semester ihres Bachelorstudiums voll ins Berufsleben einsteigen können und möchten" sagt Susanne Scharnhorst, neue Geschäftsführerin der FH Wiener Neustadt. Um die Mehrfachbelastung auch managen zu können, benötigt man Unterstützung seitens des Umfelds, gute Organisation sowie viel Verständnis vonseiten der Familie. Um im Voraus gut planen zu können, sind an der FH Wiener Neustadt schon vor Beginn des Semesters Präsenzzeiten und Prüfungstermine fest.

Um noch gezielter den Bedürfnissen erwerbstätiger Studierender gerecht zu werden, wurde an der FH Campus Wien das Projekt "Erfolgsfaktor Curriculum" gemeinsam mit sechs europäischen Hochschulen durchgeführt. "So zeigte sich unter anderem, dass ein Modell des phasenweise gemeinsamen Unterrichtens von Vollzeit und berufsbegleitend Studierenden die Vernetzung erhöht und unterschiedliche Zugänge zum Studium ermöglicht", erklärt Geschäftsführer Wilhelm Behensky.

Persönlicher Nutzen

"Wer sein Studium neben dem Job macht, beweist ein hohes Maß an Belastbarkeit, Engagement und Zielstrebigkeit. Eigenschaften, die Arbeitgeber schätzen", sagt Raimund Ribitsch, Geschäftsführer der FH Salzburg. Im Voraus alle Gesichtspunkte genau zu prüfen und mit den Beteiligten abzusprechen, lautet der Rat von Doris Walter, der zweiten Geschäftsführerin der FH Salzburg. Denn der zeitliche Aufwand und die Arbeitsbelastung seien enorm. Hier sind Freunde und Verwandte gefordert, die bereit sind, auf freie Wochenenden und gemeinsame Urlaube zu verzichten.

Der Nutzen für die persönliche Weiterentwicklung und berufliche Fortbildung hebt auch Siegfried Spanz, Geschäftsführer der FH Kärnten, hervor. "Als eine der größten Bildungseinrichtungen des Landes Kärnten übernimmt die Fachhochschule Kärnten hier die wichtige Verantwortung, die Themen Weiterbildung und lebenslanges Lernen verstärkt in die berufstätige Bevölkerung zu tragen", sagt er.

Aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen in Österreich - mit einer verpflichtenden Workload von 30 ECTS je Semester - stelle es für berufstätige Studierende eine besonders große Herausforderung dar, zusätzlich zur Arbeit und zum Studium auch noch Zeit für die Mitwirkung an Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten oder für Auslandsstudienaufenthalte aufzubringen, sagt Gabriela Fernandes, Geschäftsführerin der FH St. Pölten. "An der FH St. Pölten werden daher berufsbegleitende Studienplätze nur in jenen Studiengängen angeboten, in denen bei der Organisation des Studiums auf die spezifischen Umstände und Anforderungen der jeweiligen Zielgruppen ausreichend eingegangen werden kann", ergänzt der zweite Geschäftsführer der FH St. Pölten, Gernot Kohl.

Bei den FH-Wien-Studiengängen der WKW werden mittlerweile alle Masterstudiengänge und ein Großteil der Bachelorstudien berufsbegleitend angeboten. "53 Prozent unserer Studierenden absolvieren ihr Studium bereits neben dem Beruf", erklärt Michael Heritsch, Geschäftsführer der FH Wien. Dass der Alltag von berufstätigen Studierenden anstrengend und stressig sein kann, weiß Heritsch aus eigener Erfahrung. "Daher ist es besonders wichtig, dass die Hochschule effiziente Maßnahmen setzt, um die Studierenden so gut wie möglich zu unterstützen. Auf Basis von Untersuchungen, Umfragen und deren Evaluierungen wissen wir über die Bedürfnisse unserer Bewerber Bescheid und optimieren unser Angebot laufend", fügt er an.

Auch an der IMC FH Krems sei die Nachfrage nach berufsbegleitenden Studienangeboten hoch, auch Unternehmen setzen dabei auf akademische Personalweiterbildung. "Denn Stillstand der Mitarbeiter kommt einem Wettbewerbsnachteil für das Unternehmen gleich", sagt Heinz Boyer, Geschäftsführer der IMC. Und obwohl ein berufsbegleitendes Studium Disziplin, Zielorientierung, perfektes Zeitmanagement und durchaus auch Verzicht während des Studiums voraussetze, zeigten die Erfahrungen der Absolventen, dass ein berufsbegleitendes Studium oft Schlüssel zu einem Karrieresprung sei, ergänzt er.

An der FH Burgenland werden bereits 13 der insgesamt 15 Studiengänge auch berufsbegleitend angeboten. "Unsere Studierenden schätzen Berufsrelevanz, qualitätsvolle Lehre und die auf Berufstätige abgestimmte Studienorganisation. Dies motiviert mich als Geschäftsführerin, Pläne wie beispielsweise den weiteren Ausbau der InfoLounge voranzutreiben", sagt Ingrid Schwab-Matkovits von der FH Burgenland.

Nachholbedarf

Einen starken Nachholbedarf an fachspezifischer Vertiefung auf Hochschulniveau ortet Walter Draxl, Geschäftsführer der FH Gesundheit Tirol, bei den Gesundheitsberufen. "Unser Bestreben ist es, diesen Personen attraktive, berufsbegleitende Weiterbildungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten auf Master-Niveau anzubieten", sagt Draxl. Damit ein berufsbegleitendes Studium ermöglicht werde, arbeiten Vertretern der jeweiligen Berufsgruppen an der Konzeption mit. Im Bereich berufsbegleitende Studien ergänzen ab September 2011 der Master-Studiengang "Management for Health Professionals" und der Master-Lehrgang "Hochschuldidaktik für Gesundheitsberufe" das Studienangebot der FH Gesundheitsberufe OÖ, sagt Bettina Schneebauer, Geschäftsführerin der FH Gesundheitsberufe OÖ. "Wichtig ist das Interesse am Studium und die Motivation der Studierenden, denn Lernen bleibt ein individueller Prozess", betont sie.

Die Theresianische Militärakademie führe derzeit keinen Studiengang im FH-Bereich berufsbegleitend, habe aber damit sehr positive Erfahrung bei den Lehrgängen universitären Charakters gemacht, sagt Franz Edelmann, Leiter des Referats Militärpädagogik im Verteidigungsministerium. "Die Verbindung von Beruf, Forschung und Lehre hat für den Fachhochschulbereich einen hohen Stellenwert. Dies kann durch das Konzept der berufsbegleitenden Strukturierung optimal umgesetzt werden. Daher ist zu erwarten, dass berufsbegleitende Studienangebote auch bei Regelstudien der Militärakademie in den Blickpunkt rücken werden", ergänzt er. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, Printausgabe, 9.4.2011)

Share if you care.