Trotz Vielfalt gleiche Chancen ermöglichen

8. April 2011, 17:28
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Gender- und Diversity-Themen beschäftigen alle Fachhochschulen, institutionalisiert wurden sie aber nur in Einzelfällen - Auch der Entwurf zum Qualitätssicherungsrahmengesetz bleibt dazu sehr vage

Der Entwurf zum Qualitätssicherungsrahmengesetz sieht auch für Fachhochschulen die Gleichstellung von Frauen und Männern sowie eine Frauenförderung vor. Nur vereinzelt wurde das Thema an den FHs institutionalisiert. So zum Beispiel an der FH Joanneum, wo seit 2009 Martin Gössl Ansprechpartner für die Bereiche Gleichbehandlung und Vielfalt ist. Die Gleichstellung von Mann und Frau sei dabei nur ein Teil, sagt Gössl. Um Vielfalt zulassen zu können, muss sie vorher erkannt werden. Daher wurde das Thema an der FH Joanneum auch sehr breit aufgestellt, und es bezieht sich nicht nur auf strukturelle Maßnahmen, sondern soll sich auch in der Forschung und Lehre wiederfinden und für die Studierenden greifbar sein.

Einen gravierenden Unterschied zu den Genderbeauftragten an Universitäten sieht er in den kleineren Organisationseinheiten. Im Gegensatz zu den Unis ist er sowohl für die Maßnahmen auf Verwaltungsebene als auch für den Bereich Forschung und Lehre zuständig. "Leider fehlt es aber an einer gesetzlichen Grundlage", ergänzt Gössl. So könne er möglichen Beschwerden zwar nachgehen, aber nur hausintern Regelungen finden.

"Diversity-Management ist die ökonomische Form, mit Vielfalt umzugehen. Es braucht aber auch eine kritische Annäherung zu diesem Thema", sagt Gössl, der in Graz und New York Gender- und Queer-Studies studiert hat. Denn Vielfalt zeige ja, dass etwas außerhalb der Norm liege. Daher sind Queer-Studies die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Normen und dem, was außerhalb dieser liegt. Das Hinterfragen der Normen und die kritische Reflexion der Studierenden sind ihm in seiner Funktion ein großes Anliegen.

Dass dieses Thema auch für Studierende immer wichtiger wird, zeigt das große Interesse an seiner Vorlesung, die Studierenden aller Studienrichtungen der FH Joanneum offensteht, erklärt Gössl. Daher würde er sich diesen Themenbereich als Bestandteil der Curricula wünschen.

Ein anderer Zugang zu den Themen Gleichbehandlung und Frauenförderung sowie Diversity wurde von der FH bfi gewählt. Hier gibt es seit eineinhalb Jahren eine Steuerungsgruppe bestehend aus zwölf Mitgliedern, die aus den verschiedenen Bereichen der Fachhochschule kommen. Auch hier soll das Thema möglichst breit behandelt werden. Auf der Homepage der FH sind die wesentlichen Positionen abrufbar, im Foyer der Fachhochschule gibt es einen Gender-Briefkasten, in den Anregungen bzw. Beschwerden eingebracht werden können, die dann von der Steuerungsgruppe bearbeitet werden. Darüber hinaus gibt es Weiterbildungsangebote zu Genderthemen. In regelmäßigen Abständen unterzieht sich die FH des bfi Wien einem Audit, bei dem die Gleichstellung der Geschlechter in verschiedenen Bereichen der FH beleuchtet wird. "Vieles ist eigentlich banal und kann leicht behoben werden", sagt Evamaria Schlattau, Personalentwicklerin der FH bfi und Vertrauensperson der Steuergruppe. "Aber es gibt noch genug Schrauben, an denen gedreht werden muss." (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, Printausgabe 9./10.4.2011)

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