NÖ-Integrationsservice

Wenn Mülltrennung zum Integrationsthema wird

Bianca Blei, 13. April 2011, 15:44
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    Auch bunte Plastiktonnen können Grund für Streit sein. Oft hat der Migrationshintergrund der Beteiligten nichts mit vorhandenen Konflikten zu tun.

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    Murat Düzel leitet das Integrationsservice Niederösterreich.

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    Landesrat Johann Heuras will "Brückenbauen".

Ein Jahr schon versucht das Integrationsservice Niederösterreich das Bild von MigrantInnen im Bundesland zu ändern - oft mit Erfolg

"Zwischen Österreichern und Österreichern mit Migrationshintergrund gibt es einen Graben", sagt der niederösterreichische Landesrat Johann Heuras. "Ich will eine Brücke bauen." Seit einem Jahr baut nun die niederösterreichische Landesregierung an dieser Brücke und nannte sie Integrationsservice, eingebettet in die niederösterreichische Landesakademie. Damit will auch das größte Bundesland Österreichs etwas zur Integrationsdebatte beitragen, vergleichbar mit der MA 17 (Integration und Diverstität) in Wien. Der Kopf des niederösterreichischen Projekts und Leiter von sechs Mitarbeitern: Murat Düzel, Österreicher mit türkisch, kurdischen Wurzeln.

Das Integrationsservice will keine vorgefertigten Projekte den Gemeinden aufzwingen, sondern vielmehr Ansprechpartner bei Problemen sein und Initiativen koordinieren und unterstützen. Quasi Hilfe zur Selbsthilfe. Deshalb müssten auch die hauseigenen MediatorInnen von den Gemeinden erst angefordert werden. "Meistens kommt man schnell darauf, dass es sich bei den Problemen in den Gemeinden weniger um Konflikte wegen des Migrationshintergrunds handelt, als vielmehr um ein Missverständnis wegen fehlender Kommunikation", sagt Düzel und gibt ein Beispiel.

Reibungspunkt: Mülltrennung

In einer Gemeinde habe eine Familie mit Migrationshintergrund den Müll nicht getrennt, sondern die Säcke scheinbar wahllos in die verschiedenen Tonnen geworfen. Durch den Mediator kam aber schnell ans Licht, dass es im Heimatort der Familie keine Mülltrennung gegeben hatte und sie deshalb nicht wussten, welcher Müll in welche Tonne gehört.

Die Erstberatung, zwei Stunden, durch die MediatorInnen sei kostenlos. Das Land Niederösterreich würde die Kosten übernehmen. Auch Beratungszeiten von bis zu zehn Stunden würden laut Düzel noch gefördert werden. Mehr Zeit werde so gut wie nie benötigt. Man befinde sich aber gerade in der ersten Evaluierungsphase. Düzel könne aber sagen, dass das Service "gut angenommen" werde. Bereits in 60 Gemeinden konnten MediatorInnen helfen.

Interkulturelle Mitarbeiter an Schulen

Ein weiteres Projekt, das durch das Integrationsservice betreut werde, seien die interkulturellen MitarbeiterInnen in niederösterreichischen Schulen. Das seien Frauen und Männer mit Migrationshintergrund, die den Schulalltag begleiten und Problemen vorbeugen oder sie beseitigen sollen.

Diese Personen sprechen mit den SchülerInnen und Eltern und bauen Vorurteile und Ressentiments ab. Dabei komme es laut Düzel nicht darauf an, dass die interkulturellen MitarbeiterInnen aus demselben Land wie der/die Betroffene stammen. Es sei wichtiger, dass sie aufgrund ihres Migrantionshintergrunds dieselben Erfahrungen im Alltag gemacht haben und so mehr Verständnis für Probleme aufbringen können. "Leider kamen die LehrerInnen von den pädagogischen Hochschulen oft mit einer mangelnden interkulturellen Kompetenz in die Klassen", sagt Heuras.

Und auch Düzel selbst wird bei dem Projekt Xchange selbst aktiv. Bei dieser Initiative besuchen MigrantInnen, die in Österreich voll integriert leben, niederösterreichische Berufsschulen und versuchen das Bild vom "Ausländer" zu ändern. Dabei fungiert Murat Düzel auch als Vortragender. "Es ist faszinierend, wie man die Anschauungen der jungen Menschen bei nur einem Besuch verändern kann", sagt er.

Wünsche an die Zukunft

Deshalb auch sein Wunsch an die Zukunft: "MigrantInnen, die in Österreich gut integriert sind, sollen sich mehr in die öffentliche Debatte einbringen und sich engagieren. Ich denke, dass man viel in den Köpfen bewegen kann, wenn solche Menschen über ihre Probleme und Erfahrungen sprechen." Auch der Landesrat wünscht sich etwas: "Mehr Geld für Projekte", fügt aber schnell hinzu: "Außerdem muss mehr für die Kommunikation zwischen ÖsterreicherInnen mit und ohne Migrationshintergrund getan werden. Um Vorurteile abzubauen, ist Bildung der Schlüssel zum Erfolg." (Bianca Blei, derStandard.at, 13.4.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 113
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duke box
10
14.4.2011, 19:21

auf den parkplätzen und toiletten entlang der südautobahn kann man sich täglich aufs neue überzeugen von den segnungen der multikulturellen gesellschaft.

belgma
 
00
15.4.2011, 11:16

jo ... die österreicher verdrecken ja nix ...

carpediem99
 
00
24.4.2011, 19:39

jedenfalls weniger... ausl.r dauernd sakrosankt zu stellen, geht ordentlich auf den geist...

DarwinsHammer
11
14.4.2011, 15:54
Deutsch lesen?

Lesen, was auf den Mülltonnen steht? Fehlanzeige.

Speedy 07
11
15.4.2011, 07:43
Lesen, was auf den Mülltonnen steht? Fehlanzeige.

ja aber auch bei Inländern ;-)

die "Imigranten" oder "ausl.Bürger" schicken teilweise die kleinen Kinder mit den Mülltüten runter, die oft nicht mal so gross sind um das Ganze dann IN die Tonnen zu werfen, darum landet da auch vieles am Boden daneben.

Tja Pech da helfen auch noch so viel verschieden färbige Tonnen nix.

carpediem99
 
00
24.4.2011, 19:40

mei,liab ewig die ormen ausl.hascherln...

carpediem99
 
00
14.4.2011, 20:03

vielleicht könnte das die deutschprüfungen ergänzen???

scrollradl
 
03
14.4.2011, 15:37
"Mehr Geld für Projekte"

aha, daher weht der wind

kakophobikerin
21
14.4.2011, 15:07
Schwachsinn.

Mediation zum Mülltrennen? gehts noch ?

wie wäre es einfach mit mehrsprachigen Aufschriften auf den Tonnen ;)

cucina
00
14.4.2011, 15:56

Was nützt das wenn man nicht lesen kann?

kakophobikerin
00
14.4.2011, 20:08

stand ja nirgendwo was von nicht lesen können.

und für analphabeten gibts dann noch signets.
wobei die sind ja schon drauf.

also ich wär für mehrsprachige aufschriften, dann hört wohl ein gutteil des problemchens auf, der rest will halt nicht trennen.

ich kenne genug österreicher ohne migrationshintergrund, die nicht mülltrennen, weil sie zu faul sind, "im TV gesehen haben dass e wieder alles zusammengeschüttet wird", etc. das ist ein individuelles ding, keine ethnische zugehörigkeitsfrage.

linkslinker gutmensch
00
14.4.2011, 15:17

Aber nur für Mülltonnen die mindestens zu 17,3% von Österreichern mit Migrationshintergund befüllt werden.

belgma
 
00
15.4.2011, 11:18

dazu brauch ma a topographie-verordnung!

evo more or less
00
14.4.2011, 14:36

bei uns im haus gibt es leider nur gesondert 2 container für altes papier. ausserdem, ca. 100m entfernt 2 container für glas (weiß/bunt).
wie soll ich jetzt meinen restlichen müll trennen, wenns keine container dafür gibt!?

uinsel
00
14.4.2011, 15:41

das hat mit der hausverwaltung zu tun und nicht mit der mülltrennung.

stellen sie diese frage ihrer hausverwaltung.

beliar
11
14.4.2011, 12:58

es ghört zwar nicht zum thema aber soweit ich mich erinnere kann war das auch einmal in wien so. im land bis ende der 80er. es gab einmal im jahr sperrmüllsammlungen, sind sie nichtbesitzer einens autos können sie sich brausen auch wenns mal ein kleiner fernsehapparat ist. auch zum thema container, egal ob für metall glas oder plastik, für biomüll gibts sie ohnehin nur mehr in homöopathischen dosen. die werden immer weniger hier. ich verstehs schon wenn jemand einen ziemlich weiten umweg machen muss dass/damit er/sie seinen sauber getrennten müll loswird irgendwann drauf hustset

super cat
00
15.4.2011, 11:46
sind sie nichtbesitzer einens autos können sie sich brausen auch wenns mal ein kleiner fernsehapparat ist

...faule Ausrede! Beim Heranschaffen eines neuen Fernsehers ist die Transportfrage ja auch lösbar.

Entweder Neugerät liefern lassen und gleich Altgerät zur Entsorgung mitnehmen lassen oder wenn Privattransport per PKW organisiert wird, neues Gerät holen, altes am Mistplatz führen.

der Ringe
01
14.4.2011, 13:11

wohnte lange Zeit sehr nahe einer Müllsammelstelle im 17., und kann Ihnen mitteilen, dass auch dort massig Sperrmüll in den Müllräumen der Hauser deponiert wird.
Der Weg kann es also nicht sein ;-) eher die Faulheit

beliar
21
14.4.2011, 13:19

sagen wir mal teils teils, ich habe kein auto, meine freunde auch nicht. was wegen eines kleinen monitors die ma48 ausrücken lassen? nun denn jetzt steht er schon bald 2 jahre im keller, allerdings was mich wirklich ärgert ist dass in den letzen jahren die anderen container immer mehr verschwinden

contact
00
14.4.2011, 15:51
Wartens noch ein bisserl,

verbringens ein paar schöne stunden mit der freundin und dann könnens den monitor bald im kinderwagerl abtransportieren.

der Ringe
00
14.4.2011, 13:54

der passt sicher auf den Gepäcksträger eines Fahrrades !

David Mungo
213
14.4.2011, 11:05

Wenn man bestimmte Realitäten felsenfest bestreitet und alle anders lautenden Erfahrungen mit einem Schmuddelimage belegt, macht man sich viele korrekte und gutmütige Leute (die sich hat weigern, mit eigenen Augen Gesehenes zu verschweigen) zu seinen Feinden.

Es ist einfach eine Tatsache, dass der Migrantenanteil in einem Haus in direkter Relation zum Anteil der (auf kreativste Weise) fehlgeleiteten Müllablagerungen steht.

Was hat es für einen Sinn, diesen empirisch nachweisbaren Umstand zu leugnen?

I. O.
10
15.4.2011, 08:45
Ich wohne in eine Genossenschaftswohnungs-Anlage

mit 480 Wohneinheiten. hier leben ca 30 % Familien mit "Migrationshintergrund", oder mit ausländische Pässe.

Alles friedlich, alles sauber....und das Mülltrennung auch funktioniert.....und wir haben auch 6 freundliche Hausmeister.
Wir haben Hauseigenen "Kommunkations/Nachbarschafts Zentrum". Treffe 2-3 x in der Woche. Es gibt auch Feierlichkeiten.Gruppen, nach Interressen: zB.Handarbeits und Kreativgruppe.
Am bestimmten Tagen sogar Fremdsprachig.
Das Kom.Zentrum wird von allen gern besucht.Auch von die Leute welchen "Migrationshintergrund" haben.
Immer viele Teilnehmer anwesend.

Merkwürdig aber auch : das Zusammenleben am meistens beim Gemeindabau hat "Problemen"...Warum ???
Beim Genossenschaft gehts, beim Gemeindebau nicht????

Richard III
00
15.4.2011, 18:54
na, warum wohl?

...weil nicht allein die Tatsache des Migrationshintergrunds entscheidet, sondern die Unterschichtigkeit.

Fakt und Problem ist, dass in Ö der Anteil unterschichtiger Menschen bei Menschen mit Migrationshintergrund ungleich höher ist als bei Menschen ohne Migrationshintergrund- nachzulesen in der Statistik Austria.

In Deiner Genossenschaftsanlage geht es daher klarerweise anders zu als in irgendeiner Zinskaserne!

LG,

Ri

kakophobikerin
00
14.4.2011, 20:10

wo wurde dieser umstand denn schon empirisch nachgewiesen? bin sehr neugierig.

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