Berüchtigter Kunstdieb Breitwieser steht vor erneuter Anklage

8. April 2011, 14:22
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Knapp 30 gestohlene Gemälde in Wohnung gefunden - War 2003 wegen Diebstahls von 239 Kunstwerken verurteilt worden

Straßburg - Nach einer mehrjährigen Gefängnisstrafe droht dem französischen Kunstdieb Stephane Breitwieser eine weitere Anklage. Ein Untersuchungsrichter vernahm den 39-jährigen Elsässer und seine Mutter Mireille am Freitag, nachdem die Polizei knapp dreißig gestohlene Gemälde und etliche weitere Kunstwerke in seiner Wohnung gefunden hatte. Unter den Bildern waren zwei nicht näher beschriebene Werke, die in den vergangenen Jahren in Sulzberg und München verschwunden waren, wie die Polizei mitteilte. Die Fahnder hatten am Mittwoch vorübergehend auch Breitwiesers Lebensgefährtin und seinen Vater in Gewahrsam genommen. Gegen die Mutter des Kunstdiebes sollte ebenfalls ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden, weil sie seine Taten deckte.

An der Suchaktion am Mittwoch waren auch die deutsche und die belgische Polizei beteiligt gewesen, wie es hieß. Die Beamten fanden in Breitwiesers Wohnung in Marmoutier westlich von Straßburg insgesamt 29 Gemälde, darunter ein auf 50.000 Euro geschätztes kleinformatiges Bild aus der Bruegel-Schule, das in Belgien gestohlen worden war. In einem nahegelegenen Teich stieß die Polizei auf Kunstgegenstände wie Kerzenleuchter und Kelche. Die Mutter von Breitwieser war ebenfalls schon einmal zu einer Haftstrafe verurteilt worden, weil sie einen Teil der Beute ihres Sohnes im Wasser versenkt, in den Müll geworfen oder auf andere Weise zerstört hatte.

Der als Museumsplünderer bekannte Elsässer war zunächst 2003 in der Schweiz und zwei Jahre später in Frankreich wegen des Diebstahls von insgesamt 239 Kunstwerken zu mehr als sieben Jahren Haft verurteilt worden. Unter den Kunstwerken, die er bei Beutezügen durch europäische Museen zwischen 1995 und 2001 gestohlen hatte, waren Werke von Lucas Cranach und Jean Bruegel aus dem 16. und 17. Jahrhundert sowie wertvolle Statuen, Porzellan, alte Waffen und andere Kunstgegenstände aus Museen.

Nachdem Breitwieser im Oktober 2005 wieder auf freien Fuß gekommen war, behielten die Ermittler ihn im Auge - zumal er in einem Buch bekannte, er habe tatsächlich noch mehr als die 239 Werke gestohlen, für die er verurteilt worden war. Nach eigenen Angaben stahl Breitwieser mindestens 300 Kunstwerke, darunter ein Gemälde von Jean-Baptiste Corot, das 1998 aus dem Pariser Louvre verschwunden war und nie wiedergefunden wurde.

Bei dem Prozess in Straßburg hatten Experten die Frage aufgeworfen, ob Breitwiesers Mutter tatsächlich die ganze Beute als wertlos erachtet und zerstört habe. Ein Vertreter des Pariser Amtes für die Bekämpfung von Kunstdiebstählen schloss damals nicht aus, dass der Elsässer gestohlene Gegenstände versteckt halte, um sie eines Tages zu verkaufen. Breitwieser, der sich als Kenner und Kunstliebhaber darstellt, versicherte hingegen immer wieder, er habe seine Beute nie veräußern wollen. (APA)

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