Jugendschutz

"Beim Alkohol sind wir auf der konservativen Seite"

8. April 2011, 13:47

Die Landesjugendreferenten konnten sich bei ihrer Konferenz nicht auf einheitliche Bestimmungen beim Jugendschutz einigen

Dornbirn - Statt zur Konferenz nach Vorarlberg zu fahren, hatte der Kärntner Jugendreferent Christian Ragger (FPK) "Wichtigeres zu tun": Er besuchte ein Altenheim. Seine Position zu einheitlichen Jugendschutzbestimmungen beschäftigte die Konferenz in Dornbirn dennoch. Die Kärntner legen sich nämlich gegen unbegrenzte Ausgehzeiten ab 16 quer. Wie die Vorarlberger, aber mit anderer Begründung. "So lange ich Jugendreferent in Kärnten bin, werde ich es nicht zulassen, dass Jugendliche durchgehend Party machen", sagte Landesrat Ragger zum Standard.

Die Vorarlberger Jugend-Landesrätin Greti Schmid verweigert die Zustimmung weniger aus pädagogischen als aus bürokratischen Überlegungen: "Wir haben den Entwurf erst vor einer Woche bekommen. Bei uns ist es aber üblich, den Landesjugendbeirat in die Entscheidung einzubinden." Man brauche mehr Zeit. Die bekommen die Länder nun auch. Im Juni wird weiterverhandelt.

Wirtschafts- und Jugendminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP), der eigentlich die Jugend per Bundesgesetz schützen wollte, dann aber unüberwindliche föderalistische Hürden sah und schließlich eine §15a-Vereinbarung vorschlug, sieht sich nicht gescheitert. Mit Kärnten und Vorarlberg gebe es noch "Abklärungsbedarf", man sei "auf einem guten Weg". Das Ziel, "den Wildwuchs von neun unterschiedlichen Regelungen" zu beseitigen, will er nun im Juni erreichen.

Man habe bereits in einigen Punkten Einigkeit erzielt, sagt Mitterlehner. Etwa darin, dass Erwerb, Besitz und Konsum von allen alkoholischen Getränken bundesweit frühestens ab 16 Jahren erlaubt sein soll. Was die harten Getränke anbelangt, war man sich nicht mehr so einig und bastelte einen Kompromiss: Der Bund verbietet den Erwerb, Besitz und Konsum von gebrannten alkoholischen Getränken (auch Mischgetränke und Alcopops) künftig bis zum 18. Lebensjahr grundsätzlich. Länder können aber Ausnahmeregelungen schaffen und ab 16 Jahren Schnaps und Co zulassen.

Drei für Schnaps

Erreicht haben den Kompromiss Niederösterreich, Wien und das Burgenland. Die "Ostregion" hat ihre Jugendschutzbestimmungen harmonisiert und will am einheitlichen Gesetzeswerk nichts ändern. Landesrat Johann Heuras (ÖVP): "Wir haben in der Ostregion sehr einfache und klare Regelungen: Bis 16 gibt es keinen Alkohol. Das hat sich bewährt, das wollen wir beibehalten." Ganz anders die Position der Tiroler Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf: "Beim Alkohol sind wir auf der konservativen Seite. Uns ist es nicht egal, wie schlecht Österreich in Studien über den Alkoholkonsum liegt." Man müsse Jugendliche stärker über richtiges Konsumverhalten aufklären, forderte die ÖVP-Politikern.

Die Steiermark, bei Ausgehzeiten bisher restriktiv, stimmte zwar der Ausgehregelung zu, weil man sich, so Landesrätin Elisabeth Grossmann (SPÖ), "der Lebensrealität anpassen sollte". Grossmann warnte jedoch davor, Alkohol zu verharmlosen. Einheitliche Regelungen zu erreichen halte sie für schwierig, weil "Länder gewachsene Strukturen haben." Man sei den Jugendlichen einheitliche, klare Jugendschutzbestimmungen schuldig, appellierte die Salzburger Jugendreferentin Tina Widmann (ÖVP). Ob über ein Bundesgesetz oder eine §15a-Vereinbarung, sei egal.

Die Vereinbarung soll es, sagt Minister Mitterlehner, im Juni geben. Mehr habe er sich auch von der Konferenz in Dornbirn nicht erwartet. Mitterlehner: "Dass wir heute ein Problem lösen, das man die letzten 40 Jahre nicht lösen konnte, hat wohl niemand gedacht." Sollte man sich im Juni nicht einigen, "dann dauert das aber weitere 40 Jahre". (Jutta Berger/Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Printausgabe, 9./10.4.2011)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 63
1 2
(nicht)standard
00
12.4.2011, 15:13
Is ja sowieso wurscht

Hierzulande geht man mit 14 in einen Supermarkt, kauft eine Palette Bier und wird nicht einmal angeschaut. :)

Ron J. 2000
03
11.4.2011, 20:21
wenn das ein politiker liest

bitte alkohol erst ab 21 (bier, wein, schnapps)
dafür ab 18 legal marihuana legalisieren.

fair ist fair

sainty1
01
11.4.2011, 15:58
zu dieser ganze debatte fällt mir nur eins ein

legalize it...

Alkohol ist der Menschenkiller schlecht hin.

haarp
00
10.4.2011, 22:19
alkohol ist für schwächlinge..

und schwächlinge regieren uns...

Unschuldsvermutung0
11
10.4.2011, 22:03
"Bis 16 keinen Alkohol"???

...sagt der Herr Landesrat. Wo lebt der Mensch? Kein Mensch überprüft das ernsthaft, "Kinder" süffeln, dass es eine Schande ist.

schriftgelehrter
20
10.4.2011, 14:14
kind mit 16?

in dem alter arbeiten die meisten schon. und dass ein jugendlicher, der spass haben will ein anderes fortgehverhalten zeigt als ein 50jähriger anwalt aus hietzing ist wohl klar.

§83SPG
13
10.4.2011, 16:45

Sie haben wohl nicht viel mit 16-jährigen zu tun. Egal ob sie arbeiten, wählen dürfen oder körperlich gut entwickelt sind, im Geiste sind die meisten noch Kinderl.

MaryOnTheRun
00
11.4.2011, 10:11

Sie können aber auch nicht viel mit 16jährigen zu tun haben....

MDC
00
10.4.2011, 13:29

"Man sei den Jugendlichen einheitliche, klare Jugendschutzbestimmungen schuldig, appellierte die Salzburger Jugendreferentin Tina Widmann (ÖVP)."
Damit jeder genau weiss, gegen was man jetzt genau verstösst? Was in den Jugendschutzgesetzen drin steht ist doch sowieso egal, solange ein großer Teil der Bevölkerung das einfach ignoriert.

der der beim golf tanzt
01
10.4.2011, 12:31
irgendwie komisch

Das Ziel, "den Wildwuchs von neun unterschiedlichen Regelungen" zu beseitigen, will er nun im Juni erreichen.

aber!

Länder können aber Ausnahmeregelungen schaffen und ab 16 Jahren Schnaps und Co zulassen.

ich glaub vorschläge zu einer verwaltungsreform würden in österreich ähnlich ausfallen

maruh
12
10.4.2011, 10:22

wenn man mit 16 alt genug ist um wählen zu dürfen, man entscheiden soll welchen beruf man lernt, man aktiv am strassenverkehr teilnimmt, man das recht auf sexuelle selbsbestimmung hat, man rauchen darf…

dann ist man auch alt genug um jede form von alk trinken zu dürfen und auch alt genug um so lange unterwegs zu sein wie man will

derPolizist
00
10.4.2011, 16:51

ok, aber dann auch z.B. volle strafrechtliche Verantwortung und nicht strafmildernde Umstände bis 21(!) als "junge Erwachsene"!

Was spricht dann aus ihrer Sicht dagegen, gleich die Volljährigkeit mit 16 anzusetzen?

maruh
00
10.4.2011, 19:49

warum auch nicht?
wenn man schon meint alles andere auch ab 16 machen zu können spricht nichts dagegen

derPolizist
10
10.4.2011, 20:19

na ok... wird sicherlich die wirtschaft beleben... gastronomen, autohändler, pornoproduzenten...

maruh
03
11.4.2011, 09:15

es würde zu jetzt so gut wie keinen unterschied geben

;)

Fritz Meyer
02
10.4.2011, 07:55
Die Realität schönsaufen...

scheint bei einer Gesinnung, die massgeblich auf Glauben (im Gegensatz zu Wissen) basiert, lebensnotwendig zu sein.

Seele und Nerv
116
10.4.2011, 00:17
Cannabis legalisieren

Elfi...
00
10.4.2011, 12:34

gebe ihnen recht,aber nur bei medizinischer Schmerztherapie, die Verlogenheit der Politik ist ja, das bei gewissen Krankheiten Morphium medizinisch verschrieben wird.

ich hab so einen Fall in meinem Freundeskreis,der raucht eine am Tag u.fühlt sich wohl,ist illegal.Der Arzt hat ihm 2x16 mg Morphium mit 150mg Atrothek Forte+ Lyrika verschrieben.

ein Tschick lindert die schmerzen um 80%.

warum soll er diese Medizinische alternative nicht zur Anwendung bringen,da man mit den 16mg Verschreibungspflichtigen Medikamenten 2xtäglich als medizinischer
Suchtgiftler abgestembelt wird.

Was sind die Menschen die eine Morphiumpumpe haben?.

Seele und Nerv
02
10.4.2011, 00:16
Alkohol verbieten

s2011w
02

In Wien und NÖ darf unbeschränkt gesoffen werden.

Welch ein Wunder...

Ron J. 2000
00
11.4.2011, 20:22
hehe

sonst müsste der häupl lebenslang in den knast ;)

hitower
01
10.4.2011, 02:02
und das merkt man auch!

Rene Stangeler
07
Beispiel Australien

Alkoholverkauf erst für Leute welche 18 Jahre alt sind. Dies wird auch penibl eingehalten, selbst einigemale gesehen dass von Leuten die wirklich viel älter aussahen Ausweise verlangt wurden, und diese auch ohne murren vorgezeit wurden.
Weiters Alkoholverkauf nur in speziellen Shops, also weder im Supermarkt, noch an der Tankstelle.
Es gibt sehr viele Restaurants welche keine Lizenz für Alkoholausschank haben, die sind aber trotzdem gut besucht.
Austrialer trinken recht gerne und auch viel (ähnlich wie in Ö.), aber den Jugendschutz nimmt man ernst und Alkohol ist nicht überall und jederzeit kaufbar.

Ich glaube dass das austral. System sehr gut ist, für Ö. aber leider nicht anwendbar ist da der politische Wille dazu fehlt.

Bitte Bitte
00
14.4.2011, 06:46
Die Australier lieben es ihre Verordnungen einzuhalten.

Da ich aber selber kaum Alkohol trinke und die Aussies weder nüchtern als Hosenscheisser noch besoffen und hochagressiv zu ertragen sind, bin ich noch lange vor der Zeit nach zwei Monaten dort wieder abgereist, obwohl mir bescheinigt wurde, dass Westaustralien eh zu den milden Landesteilen zählt.

Para Dox
30
10.4.2011, 01:17

Da braucht man nicht bis nach Australien schauen. Ist in skandinavischen Ländern (zumindest Island, Norwegen, Schweden) ähnlich und tw. noch schärfer. In Island gab es bis in die 70er oder 80er Jahre hinein überhaupt keinen Alkohol.

Ob das der richtige Weg ist, halte ich allerdings für fraglich.

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