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In der Küche wird nichts dem Zufall überlassen
Ruhe muss sein
Teamsitzung mit sehr direktem Ton
Die Umgebung im Büro ist sehr reizarm, Bilder an den Wänden würden nur stören
Gabor Tanz und Stefan Brammertz sitzen im selben Büro, aber sie kommunizieren per E-Mail. Ständiges Sprechen würde die beiden Informatik-Experten stören und von der Arbeit ablenken. In den Räumlichkeiten der Asperger Informatik in Zürich ist vieles anders als in anderen Firmen: dickere Teppiche, weiße Wände, indirekte Beleuchtung, wenige Telefone. Fünf der sieben Menschen, die hier arbeiten, haben das Asperger-Syndrom - eine Form von Autismus. Sie sind Spezialisten, in dem was sie tun: sie programmieren, entwickeln Webseiten und testen sie auf Benutzerfreundlichkeit und Barrierefreiheit. Mit einer Fehlerquote von quasi null. Aber sie brauchen eine reizarme Umgebung, feste Regeln und Abläufe, denn Asperger oder Aspies - wie sich Betroffene oft selbst nennen - haben eine Wahrnehmungsstörung.
Besondere Fähigkeiten
Gegründet hat das Unternehmen Susanne Conza, die selbst Aspergerin ist. Sie wollte vor rund zwei Jahren für sich selbst den idealen Arbeitsplatz schaffen und hat gleich für andere Menschen mitgedacht. Die Arbeitsweise ihrer Mitarbeiter ist außergewöhnlich. Aber mit dem Bild von Autismus, das Filme wie Rainman transportieren, hat das sehr wenig zu tun. "Es sind Menschen mit einer überdurchschnittlichen Intelligenz, sie sind aber nicht unbedingt hoch begabt", erklärt die Unternehmerin. Analytisches Denken, Detailgenauigkeit, fokussieren können und überdurchschnittliche Ausdauer: Das Syndrom geht mit Fähigkeiten einher, die sich für Informatikberufe gut eignen. "Jedes Detail zu sehen ist ein Vorteil beim Programmieren, analytisches Denken ist wichtig beim Softwaretesten", so Conza.
Schwächen als Stärken
Allerdings bringt das nicht nur Vorteile mit sich, weiß die Unternehmerin: "Das, was in der Informatik eine Stärke ist, die Detailgenauigkeit, kann auch eine Schwäche sein, weil man sich im Detail verliert und das Wesentliche nicht sieht." Ihre Mitarbeiter hätten immer dann, wenn es darum geht, etwas sehr schnell und effizient zu erledigen, Probleme. Vor allem, wenn damit Abstriche in der Qualität einhergehen. Alles muss zu hundert Prozent richtig sein und darunter leidet schon einmal das Zeitgefühl. Auch Ordnung muss sein. In der Büroküche ist genau beschriftet, wo die Gläser ihren Platz haben.
Bei Asperger Informatik hat man bis jetzt sehr positive Erfahrungen mit Kunden gemacht: sie sind offen für das Konzept, lassen sich darauf ein. Die Hauptsorge der Kunden gelte der Stressresistenz der Mitarbeiter. Eigene Jobcoaches fangen aber schwierige Situationen ab, denn Druck und Stress sind tatsächlich nicht so einfach zu meistern.
Noch etwas macht diesen Menschen das Arbeitsleben schwer: ihre soziale Kompetenzen sind anders entwickelt als gewöhnlich. Sie sehen die nonverbalen Signale nicht, können sie nicht intuitiv deuten und darauf reagieren. Er muss sie auswendig lernen. Das macht Teamarbeit schwierig, besonders dann, wenn das Umfeld nicht über das Syndrom aufgeklärt ist. " Verhalten wird sonst falsch interpretiert und es kommt zu Missverständnissen", weiß Conza, die vor der Firmengründung in einer Unternehmensberatung tätig war und dort große Probleme hatte. Ihr Rezept: Aufklären und gewisse Kommunikationsregeln einhalten. "Wir müssen alles sehr direkt sagen, nicht durch die Blume, nicht diplomatisch." Dann klappe es auch mit der Teamarbeit.
Beliebter Arbeitgeber
Vor kurzem ist das kleine Unternehmen mit dem "Commitment to Action-Preis" der Universität St. Gallen ausgezeichnet worden. Der Preis wurde für besonderes Engagement in der Arbeitswelt für Menschen mit Handicap vergeben. Freie Stellen inserieren muss Conza nicht, die potenziellen Mitarbeiter melden sich ganz von allein. Zwei bis drei Bewerbungen in der Woche kommen ins Haus. Auch aus Deutschland und sogar aus Spanien. "Viele Bewerber würden einen Wohnortwechsel auf sich nehmen, obwohl das gerade für Asperger schwierig ist", so Conza.
Sie legt viel Wert darauf zu klären, ob ein Job für einen Bewerber in Frage kommt. Erst nach Klärung der Berufseignung und nach einem Arbeitstraining arbeiten ihre Mitarbeiter mit Kunden zusammen. In der Zeit davor werden die Stärken beobachtet und ob sie sich mit den Dienstleistungen decken, die die Firma anbietet.
Beispiele in Europa
Dieses Arbeitskonzept ist nicht das erste in Europa. In den Niederlanden arbeitet die Firma Autest mit Aspergern. Einen ähnlichen Vorreiter gibt es seit 2004 auch in Dänemark: ein IT-Unternehmen, gegründet von Thorkil Sonne, Vater eines Kindes mit Asperger, hat sich ebenfalls darauf spezialisiert, Menschen mit dem Syndrom genau in jenen Bereichen zu beschäftigen, in denen deren Stärken liegen. Kunden wie Microsoft und Nokia geben ihm Recht. Mittlerweile hat das Unternehmen mit dem Namen "Specialisterne" auch nach Schottland und Island expandiert.
Umgang mit Kritik
Doch nicht alle finden nur Gutes daran: Es gibt Kritik, dass die speziellen Fähigkeiten ausgenutzt werden könnten oder Autismus mystifiziert werden könnte. "Es gibt Asperger mit und ohne Handicap und ich finde eine Pauschalisierung auf beiden Seiten nicht gut: Weder zu behaupten alles sei super, noch, alle seien behindert und arm ", meint Conza dazu. Es komme in der Arbeitswelt auch darauf an, wie ausgeprägt die Stärken und Schwächen der Menschen sind und wie sie selber damit umgehen.
Carolin Steidl, Diagnostikerin und Beraterin bei der Österreichischen Autistenhilfe sieht durchaus Positives in solchen Firmen, obwohl man im Verein Integration von Menschen mit Autismus in normale Firmen favorisiere. Solche spezialisierten Firmen seien aber immerhin eine zusätzliche Chance. Denn, so Steidl: "In Österreich ist der Arbeitsmarkt für Menschen mit Asperger sehr schlecht, obwohl viele von ihnen sehr gute Fähigkeiten haben." 80 bis 90 Prozent der Menschen mit Autismus haben gar keinen Beruf. Und jene, die arbeiten können, haben es aufgrund der erwähnten sozialen Schwierigkeiten schwer. Sich im Vorstellungsgespräch gut zu "verkaufen", ist ein Problem, das damit einhergeht.
Gute Planung ist alles
Aufgrund der niedrigeren Stressschwelle schaut Conza peinlich genau auf die Organisation der Arbeitaufträge: "Wir kündigen alles so früh wie möglich an und lassen möglichst wenig Platz für Unvorhergesehenes." Sehr gute Projektplanung und Zielführung seien das Um und Auf. Eines fällt der Unternehmerin besonders schwer: "Ich muss die Mitarbeiter sogar manchmal bremsen, weil für sie immer alles perfekt sein muss." (Marietta Türk, derStandard.at, 26.4.2011)
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nach ambros:
http://www.youtube.com/watch?v=-vU9E1yqnZ4
Das beste ist ja, dass in der menschlichen Gesellschaft meist die behinderten oder diskriminierten die wesentliche Arbeit machen, damit die "normalen" es gut haben. Die "normalen" sind natürlich besser, wenn es darum geht Arbeit aus dem Weg zu gehen (ich meine Arbeit, wo auch der Kopf was zu tun hat)
Ständig läutendes Telefon, nervige Kollegen, stressende Chefs, alles stört beim Versuch einen Gedanken zu fassen der etwas länger dauert als das was man für's Smalltalken und Hickhacken braucht.
Also entweder ich bin behindert, oder ich werde behindert.
Also ich find das extrem muehsam, wenn arbeitskollegen mir ein mail schreiben, statt 1 buero weitergehen und mich die sache direkt fragen.
Nicht nur, dass es einfach persoenlicher ist, aber auch wenn ich eh recht flott tippe - mit worten kann ich das gleiche in einem bruchteil der zeit erklaeren, die ich fuers mail lesen/tippen brauch.
ich finde es mühsam und unkollegial, wenn jemand findet, dass ich keiner tätigkeit nachgehe, die konzentration erfordert und daher jederzeit angesprochen werden kann. nein, ich bin nicht jederzeit verfügbar.
falls ihnen mails zu unpersönlich sind (was ich verstehe): vereinbaren sie mit anderen fixe pausen, in denen sie diverses kurz besprechen.
Was ich mir vorstellen kann, ist, dass ein stiller Rückzug bei Mädchen weniger auffällt und dass daher oft garkeine Diagnose gestellt wird (wie Sie sagen:unerkannt).
Im Rahmen eines diagnostischen Vorgehens aber glaube ich nicht, dass bei Frauen Asperger schwieriger festzustellen ist.
Jetzt mit dem ADOS nicht mehr, aber bis vor 10 Jahren, wie es noch durch ein Gespräch festgestellt wurde, sicher.
Ein gescheites Aspie-Mädel schafft es durchaus, eine Stunde lang mit zwei Psychologinnen zu plaudern, ohne das denen was auffällt. Zu sehr ist es eingeübt, "Normalität", und zwar die Normalität der anderen, darzustellen, pausenlos, seit Jahrzehnten. Da kann man nicht für ein Gespräch schnell einmal kurz so sein, wie man ist.
Der Geschlechter-Unterschied liegt hauptsächlich darin, dass Frauen und Mädchen weniger überhaupt zur Diagnose kommen, weil die Anzeichen anders sind als bei Buben und Männern.
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