Die dicken Seelen

10. April 2011, 16:58
  • Essen heißt: Sich wohl fühlen. Oft entgleist diese Beziehung.
    foto: apa/michael probst

    Essen heißt: Sich wohl fühlen. Oft entgleist diese Beziehung.

Übergewicht hängt oft mit Kummer oder Stress zusammen - Was Abnehmwillige über Diäten wissen sollten

Fasten führt selten zu langfristiger Gewichtsreduktion. Der Grund: "Emotional Eating". Übergewicht hängt sehr oft mit Kummer oder Stress zusammen, zeigen Beobachtungen aus der Praxis. Was Abnehmwillige über Diäten wissen sollten.

Frage: In welchem Ausmaß sind Gewichtsschwankungen normal?

Antwort: Bei normalgewichtigen Personen ist eine Gewichtsschwankung von einigen Kilos im Zeitraum von einigen Monaten normal. Viele Menschen wiegen im Winter mehr. Bei Frauen gibt es auch zyklusbedingte Schwankungen. Wer jedes Jahr 15 Kilo ab- und wieder zunimmt und in wechselnden Hunger- und Essphasen lebt, zeigt Anzeichen von Essstörung.

Frage: Gibt es gute und schlechte Verwerter?

Antwort: Ja. Der Grundumsatz des Körpers ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Das Körpergewicht hängt auch von der Darmfunktion, dem Stoffwechsel und ganz wesentlich vom Aktivitätsniveau ab.

Frage: Was ist "Emotional Eating"?

Antwort: Essen und Emotionen stehen in einem komplexen Zusammenhang. "Wir kennen es alle: Bei seelischen Belastungen, Stress oder Traurigkeit haben wir Lust auf Schokolade", sagt Gabriele Haselberger von intakt, dem Zentrum für Essstörungen. In einem gewissen Ausmaß sei das normal. Viele ihrer Klientinnen, so die Expertin, können aber nicht mehr zwischen richtigem Hunger und emotionalem Hunger unterscheiden. Diese Koppelung von psychischem Stress und Kalorienzufuhr wird als "emotionales Essen" bezeichnet.

Frage: Wer ist ein emotionaler Esser?

Antwort: Menschen, denen die Nahrungsaufnahme in belastenden Situationen Erleichterung bringt, ohne vorher hungrig gewesen zu sein. Emotionale Esser konsumieren oft große Mengen an hoch kalorischen Nahrungsmitteln, die stark fett- oder zuckerhältig sind. Der Grund: Sie wirken gegen das bei Belastungen ausgeschüttete Stresshormon Cortisol.

Frage: Was ist der Grund für emotionales Essen?

Antwort: Die amerikanische Autorin Geneen Roth unterscheidet zwei Formen von Stress-Esserinnen: die "Verbieterinnen", Frauen, die versuchen, durch Selbstkontrolle das Chaos in ihrem Leben in Griff zu bekommen. Der dahinterliegende Schluss: Wenn ich mein Körpermaß begrenze, begrenze ich mein Leiden. Der andere Typus: "Erlauberinnen", die so lange essen, bis sie nichts mehr spüren. "Beide Typen glauben, dass nicht genug da ist, um über die Runden zu kommen, um zu bekommen, was sie brauchen", so Roth. Worum es beim Abnehmen geht: sich selbst zu akzeptieren, Selbstliebe. (Buchtipp: Geneen Roth, Essen ist nicht das Problem, Kailash 2011)

Frage: Lassen sich Essimpulse beeinflussen?

Antwort: Ja, durch verhaltenstherapeutische Maßnahmen. Wichtige Fragen, die es zu klären gilt: Wann esse ich? In welchen Situationen esse ich? Was esse ich? Wofür steht Essen? Wann bin ich satt? In einem angeleiteten Training werden unbewusst ablaufende Muster aufgedeckt und Strategien zur Veränderung entwickelt. "Wir erleben immer wieder, dass Essen funktionalisiert wird", sagt Kathrin Draxl, Leiterin von sowhat - Institut für Menschen mit Essstörungen. Viele essen, weil sie müde, traurig oder durstig sind, und nicht, weil sie Hunger haben.

Frage: Warum sind Diäten kontraproduktiv?

Antwort: Häufige Diäten führen wegen des Jo-Jo-Effekts langfristig zu einer Gewichtszunahme. Der Grundumsatz ist der entscheidende Faktor. Das ist jene Energie, die der Körper in vollkommener Ruhe verbraucht. Er macht zwei Drittel des Kalorienverbrauchs aus. Durch eine Diät wird der Grundumsatz gesenkt. Deshalb nimmt man nach Diäten dann umso schneller wieder zu. Experten sagen unisono: Nur durch Bewegung und damit verbundenem Muskelaufbau gelingt es, dieser Tendenz entgegenzuwirken. Für die Psychologin Katrin Draxl haben Diäten noch einen weiteren Nachteil. Sie zwingen jeden in ein Korsett an vorgegebenen Regeln, die es einzuhalten gilt. "Die wichtige Frage, warum jemand zu viel isst", rückt dadurch in den Hintergrund. Zudem weiß Draxl: Diäten sind sehr oft der Einstieg in Essstörungen, Gewichtsschwankungen fördern auch eine Reihe von anderen Erkrankungen wie Diabetes oder Osteoporose. Der Jo-Jo-Effekt, sagen neueste Forschungen, verändert nämlich den gesamten Stoffwechsel in den inneren Organen und beeinträchtigt Magen, Darm, Bauchspeicheldrüse Leber, Herz, Lunge und Gehirn.

Frage: Wie gelingt nachhaltiges Abnehmen?

Antwort: Durch eine Kombination aus Psychotherapie, einer Ernährungsumstellung und einem Bewegungsprogramm. Eine Ernährungsumstellung heißt übrigens nicht: nie mehr Pommes frites, Schokolade oder Butterbrote. Vielmehr ginge es darum, ein Bewusstsein für Gesund-sein-Wollen aufzubauen, sagt Draxl. Statt einer Tafel Schokolade reicht dann auch ein Stück. Wer lieber zu Hause trainiert, kann aus einem vielfältigen Bewegungsprogramm (9,90 Euro / Monat) wählen.

Frage: Geht Abnehmen im Schlaf?

Antwort: Besonders beeinträchtigend ist mangelnder Schlaf für Menschen, die nachts arbeiten müssen, denn ihr Biorhythmus ist gestört. Tatsächlich reguliert der Schlaf eine Reihe von Hormonen, die für Hunger (Ghrelin) und Sättigung (Leptin) verantwortlich sind. Wer schlecht schläft, zu Übergewicht neigt und schwer abnimmt, kann im Salzburger Schlaflabor Helios Zusammenhänge untersuchen lassen.

Frage: Wann leidet jemand an einer Essstörung?

Antwort: Die meisten Patienten mit Essstörungen haben eine lange Geschichte von Diäten mit auffallenden Gewichtsschwankungen. "Ihr Hauptaugenmerk liegt auf ihrem Gewicht und ihrem Aussehen, Dünnsein gilt als Lösung aller Probleme, wobei Wahrnehmungsstörungen dem eigenen Körper gegenüber auffallend sind", sagt die Allgemeinmedizinerin Renate Kastner-Fried. Patienten mit Essstörungen haben darüber hinaus oft ein geringes Selbstwertgefühl. Je nach Art und Ausprägung der Essstörung kommen bei Fortschreiten der Erkrankung auch spezifische, körperliche Symptome dazu. "Eine Krankheitseinsicht ist oft nicht gegeben", ergänzt Gabriele Haselberger von intakt. Am 12. 4. findet bei sowhat (15., Gerstnerstr. 3) um 19 Uhr ein Info-Abend statt. Anmeldung unter b. scherer@sowhat.at. Am 13. 4. veranstaltet intakt (9., Grundlg. 5/8) um 19 Uhr einen Angehörigenabend zum Thema "Wohin mit der Aggression".

Frage: Können Abnehmplattformen helfen?

Antwort: Auf den meisten Abnehmplattformen wird eine Reihe von Tools wie ein Esstagebuch, Abnehm- und Bewegungspläne angeboten. Oft steht ein Coach für schwache Momente zur Verfügung. Zudem versuchen manche Plattformen, Abnehmwillige zu motivieren, gemeinsam mit anderen Diäten durchzuhalten. Das kann eine wichtige Unterstützung sein, muss aber nicht: "Oft lenken die stark auf Kontrolle ausgerichteten Plattformen den Blick vom Wesentlichen, nämlich der psychologischen Komponente des Zu-viel-Essens, ab", sagt Gabriele Haselberger von intakt. (Karin Pollack, DER STANDARD Printausgabe, 11.04.2011)

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Erlauberinnen und Verbieterinnen...

Sind davon nur Frauen betroffen und wenn ja, warum gibt es auch viel dicke Männer?

nicht das essen ist das problem

sondern das essen-einkaufen!

wer im kühlschrank nur magerjoghurt und

...salat und hüttenkäse hat, der kann sich nicht mit chips und schokolade zustopfen, weils eben gar nicht im haus ist!

weil ja immer alles so einfach ist, ne. all die fetten leute sind ja nur schlecht informiert und können nicht einkaufen.

und eine weitere, noch bedenklichere Auffälligkeit:

"zwei Formen von Stress-Esserinnen": die "Verbieterinnen", und die "Erlauberinnen"
--> warum wird das auf Frauen beschränkt? Dadurch wird wieder mal ein Klischee reproduziert, nämlich, dass Frauen, einfach weil sie Frauen sind, ständig jammern wie fett sie sind und sich dann eine Tafel Schokolade reinhauen.

nur bei Frauen traut sich die Oeffentlichkeit in Oesterreich derartige Vorurteilshafte und

besserwisserische Ermahnungen. Nur Frauen werden in Oesterreich permanent geruegt fuer egal was sie wie machen. Und uebergewichtige Frauen sind sowieso schon einmal ein Dorn im Aug.

Ein interessantes Phänomen

dass bei einem Artikel, der thematisiert, dass das Essverhalten mehr als eine "Kopfsache" ist (i.e. nicht nur rationalen Entscheidungen unterliegt), plötzlich zehntausend Vorschläge regnen, was man tun und was man lassen sollte und dass das ja alles eh so einfach wäre. Ich wage jetzt mal die Vermutung, dass die meisten, die das geschrieben haben, den Teufelskreis von emotionalem Stress und Essen nie wirklich kennen gelernt haben.

Das erinnert mich an alte Zeiten...

Wenn ich das so lese, erinnert mich das echt an alte Zeiten. Diese ewig plagende Frage: Welche Diät könnt ich noch probieren? und woran liegt mein Übergewicht?

Irgendwann hab ich mich einfach dazu entschlossen, einen professionellen Schönheitschirugen aufzusuchen, und mich endlich von meinem Fett zu befreien. Eine Entscheidung die mein Leben veränderte. Nie mehr Diäten, nie mehr herabwürdigende Blicke.
Falls jemand ebenfalls keine Lust auf Diäten mehr hat, kann ich ihnen nur meinen Schönheitschirurgen Dr. Metka wärmstens empfehlen.

Bei ihm hatte ich das Gefühl, dass er mir wirklich zuhört, und genau auf mich eingeht. Ich glaube dadurch hab ich meine Entscheidung nie bereut. im Gegenteil, wenn ich das so lese, bin ich froh darüber.

Sie sagen es> herabwuerdigende Blicke.

In den letzten 14 Jahren in diversen internationalen Laendern gelebt und gearbeitet, aber nirgendwo sind die Mitbewohner derartig unbarmherzig und abwertend wie in Oesterreich. Ich vermute, weil viele nix anderes zsambringen, als sich mit Diaeten schlank zu halten, der Rest des Lebens verlaeuft nicht nach ihren Vorstellungen, so sind sie halt besonders darauf bedacht, ihre Leistung heraus zu streichen....

Fett innen

Habe gehört, dass das gefährlichere Fett sich im Körperinneren befindet. Also nützt das äußerliche Herumschnipseln anscheinend nichts.

sie hätten sich auch einfach so lieben können, wie sie sind.

also eine therapie anfangen können, statt sich operieren zu lassen.

Wieso. Sie hat offensichtlich die richtige Therapie fuer sich gefunden.

Was aendert sich an den herabwuerdigenden Blicken der anderen, wenn man selbst in Therapie geht. Nix. Die schaun genauso deppert. So viel psychotherapieren koennen Sie sich gar nicht, dass es aufhoert.

vorverurteilen

sollte man niemand und schon gar nicht weil er zu dick ist. Ich glaube niemand ist gerne übergewichtig und stellt sich damit selbst ins abseits der Gesellschaft. Vielmehr sollte man sich darüber Gedanken machen ob vielleicht doch nicht alles so super ist wie es uns immer vorgelogen wird. Noch nie hatten die Menschen so viel Geld und Freizeit und gleichzeitig waren noch nie so viele unglücklich, depressiv, gelangweilt, von burnout bedroht, übergewichtig....eh alles in Ordnung

In letzter Zeit fällt mir immer öfter auf, dass viele Kinder deutlich dicker sind als ihre Eltern.

In meiner Jugend war das anders. Damals waren viele Erwachsene auch jenseits des 25erBMI, aber es dauerte einige Jahr(zehnt)e sich die Fülle mit Schweinebraten, Schnitzel und abendlicher Wurst-Speck-Jause anzuessen und diese Leute waren durchaus in der Lage, körperlich schwer zu arbeiten.

Mit Chips, Cola, Fastfood und Süßigkeiten geht entwickelt sich die Fülle, wie es scheint, um einiges schneller, und von Leistungsfähigkeit und Vitalität ist selten etwas zu bemerken.

Es waren immer schon einige Kinder sehr dick.

Je mehr bereits im Kindesalter mit Diaetprodukte und verringerter Sportveranstaltungen in der Schule konfrontiert werden, desto mehr legt sichs an. Aber an und fuer sich waren immer einge dickere Kinder in allen Schulen zu allen Zeiten.

das nennt man wachstum und das war schon immer so.

manche kindern wachsen erst in die höhe und dann in die breite und sind daher untergewichtig und manche erst in die breite und dann in die höhe und sind daher ein bisschen mollig.

Dicksein ist nicht normal. Das tritt nur in unseren Industrienationen auf und hängt mit dem Lebensstil der Menschen zusammen.

Essen aus Langeweile, zum TV oder zum Zeitvertreib.
Viel zu viel, viel zu fett. Süßigkeite en masse. Da ist wirklich kein Maß bei manchen Zeitgenossen vorhanden.

Auch ich sage, bitte beim essen etwas mehr den Kopf benutzen.

und ich sage: generell etwas mehr ihr herz benutzen!

Ja, das wollen die Dicken nicht hören, sie wollen bemitleidet werden.

Fast Food reinpfeifen und abends die Chipstüte schlachten und dann über die Figur jammern. Auweia.

gesundes essen= teuer=blödsinn

bitte hört mit der mär auf, daß gesundes essen teuer ist.
kartoffeln muß man nicht frittieren oder mit rahmsauce essen, die schmecken wunderbar gekocht, einen grünen salat dazu, salz und schnittlauch drauf, wer es braucht eine oder zwei kleine!!! flocken butter drüber. hat wenig kalorien und macht satt.
in der früh eine scheibe vollkornbrot (pumpernickel), einen apfel und ein joghurt oder ei, macht satt bis mittag und kost net viel.
abends käse, oder vieleic ht mal ein stückerl hühnerfleisch - bitte nicht paniert sondern in der beschichteten pfanne mit einem! spritzer rapsöl gebraten, dazu einen gurkensalat (wieder ohne rahm stattdessen eine leichte essig/öl marinade - wunderbar..), seids a bisserl kreativ. beim tv auf chips verzichten-ok?

Interessante Trennung in gut und böse. Warum genau empfehlen Sie, Rahm zu meiden und Käse zu essen?

gut und böse?

weil die leute dazu neigen einen ganzen becher rahm über die kartoffeln zu schmeissen....., ich möchte hier nur zeigen wie einfach es ist, kalorien zu sparen bzw. wie schnell man den tagesbedarf von ca. 2000 kcal erreicht. irgendwo muß man ja den brennstoff einsparen. da geht es nicht um gut und böse.
von mir aus jeden tag ein big mac menü, wenn es dann mehr oder weniger dabei bleibt.....

und einen total überzuckerten pumpernickel zu essen - grauslich!

dann essen sie halt irgendein vollkornbrot, roggenbrot, ....

In der Sache mögen Sie Recht haben, aber Ihr Ton nervt.

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