Ruth Elsners Abrech­nung mit dem Bösen

8. April 2011, 10:35
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In "Für meinen Mann" schildert die Frau des Ex-Bawag-Chefs wie dieser einer hungrigen Meute zum Fraß vorgeworfen wurde

Mein Buch ist kein Liebesroman - und doch spielt die Liebe eine wichtige Rolle. So beginnt Ruth Elsner das Vorwort in ihrem eben erschienenen Buch "Für meinen Mann - Eine Frau allein gegen die Justiz". Helmut Elsner, ehemaliger Bawag-Chef und wegen Untreue rechtskräftig zu zehn Jahren Haft verurteilt, soll eine Milliarde Euro in den Sand gesetzt haben. Ausführende Hand dabei war der Investmentbanker Wolfgang Flöttl, der - mit Wissen des Banken-Vorstands, so zumindest die Erkenntnis der Justiz - in hochspekulative Geschäfte investiert hat. So weit, so bekannt. An die fünf Jahre sitzt Helmut Elsner bereits ein, ebenso lang kämpft seine Frau gegen ein System der Willkür, wie sie es nennt, und wird nicht müde, in öffentlichen Auftritten und zahllosen Pressekonferenzen die Unschuld ihres Mannes zu beteuern. Eigentlich ist bereits alles gesagt, was zu sagen war, so gut wie jedes Rechtsmittel ausgeschöpft - könnte man meinen. Wozu also nun dieses Buch?

Ruth Elsner: "Ich will nicht, dass der Fall in Vergessenheit gerät. Eine breite Öffentlichkeit soll die wahren Hintergründe erfahren." Der zweite Grund richtet sich gegen Intimfeind Flöttl. "Während Flöttl der Bawag Verluste unterjubelte, erwirtschaftete er im eigenen Unternehmen Gewinne", so Elsner weiter. Nach wie vor ungeklärt und von der Justiz ignoriert sei der Verbleib des Geldes.

So wird das Buch schnell zu einer Abrechnung gegen das österreichische Rechtssystem, karrieregeile Hauptakteure (Richterin Claudia Bandion-Ortner und Staatsanwalt Georg Krakow), menschenverachtende beziehungsweise politisch manipulierte Gesetzgebung. Neu sind die Vorwürfe Ruth Elsners nicht, neu ist allerdings der Einblick in eine emotionale Berg- und Talfahrt einer Frau, die sich und ihren Mann, den sie Marcel nennt, als Marionetten in einem bösen Spiel sieht - von Demütigungen, Bauernopfer, Entführung und Inszenierung ist die Rede. So zum Beispiel der Aufenthalt in einem Krankenhaus in Süd-Frankreich: Die österreichischen Papparazzi legten viel Fantasie an den Tag, um einen Schnappschuss von ihm im Krankenbett zu ergattern. (...) Sie verkleideten sich als Krankenpfleger, Schwestern oder Patienten (...). Und später beim Aus-Checken: Um Marcel vor der Meute zu schützen, wurde der Abtransport filmreif inszeniert. Er wurde auf eine Bahre gelegt, zugedeckt bis über den Kopf wie eine Leiche und in die Garage transportiert. Detailgetreu berichtet sie, wie Helmut Elsner binnen kürzester Zeit vernichtet und seine Stellung in der Gesellschaft ausradiert wurde, nicht ohne stellenweise zynisch zu werden. Auch zwei Justizbeamte waren bei der Operation anwesend gewesen. Man hatte offenbar allen Ernstes befürchtet, die Ärzte würden Marcel während der Operation gegen einen anderen Patienten austauschen und ihm so die Flucht ermöglichen.

Während ihr Mann wie ein Tier behandelt wurde - seine linke Hand war mit Handschellen ans Krankenbett gefesselt -, ging die Justiz mit Flöttl auf Kuschelkurs. So soll Richterin Bandion-Ortner nicht nur mit Flöttls Anwalt Herbert Eichenseder mehr als nur freundschaftlich verbunden gewesen sein, sie soll auch vor Prozessbeginn zwei Journalisten (Namen nennt Ruth Elsner keine) gegenüber gemeint haben, Elsner bekomme ohnehin die Höchststrafe. Brot und Spiele, wie im alten Rom. Hier wurde der Generaldirektor einer großen Bank der hungrigen Meute zum Fraß vorgeworfen.

Die Fäden wurden dabei eindeutig von der Politik gezogen. So wurde die "Soko Bawag" nach kurzer Zeit abberufen. Es gibt eine seriöse Quelle, die sagt, dass die Ermittlungsbeamten zurückgepfiffen wurden, weil es sonst die SPÖ aufgestellt hätte. Ruth Elsner geht sogar soweit, die Vermutung in den Raum zu stellen, Flöttl hätte das Geld nicht verspekuliert, sondern es der SPÖ zufließen lassen.

Erreichen will sie, dass das Verfahren gegen Flöttl neu aufgerollt wird. In den nächsten Tag, so Elsner, werde man erneut einen Antrag auf Haftunfähigkeit einbringen. Womit das nächste Kapitel in der Causa aufgeschlagen wird. Denn, so der Abschlusssatz des Buchs: Ich werde unseren Kampf bis zum Ende führen! (Sigrid Schamall, derStandard.at, 8.4.2011)

  • Ruth Elsner, Für meinen Mann - Eine Frau allein gegen die Justiz. edition a, 19,95 Euro
    foto: verlag edition a

    Ruth Elsner, Für meinen Mann - Eine Frau allein gegen die Justiz. edition a, 19,95 Euro

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