Bogdan Klich dementiert und droht Edmund Klich mit Klage - Komorowski und Medwedew am Montag in Smolensk
Warschau- Der polnische Verteidigungsminister Bogdan Klich ist mit
Vorwürfen der Einflussnahme bei den Ermittlung zum Smolensk-Unglück
konfrontiert. "Verteidigungsminister Bogdan Klich versuchte, mich zu
beeinflussen. Er wollte, dass ich mich nur darauf konzentriere, warum die Russen
den Militärflugplatz bei Smolensk nicht geschlossen haben", erklärte der
polnische Vertreter beim russischen "Zwischenstaatlichen Luftfahrt-Komitee"
(MAK), Edmund Klich, gegenüber dem Fernsehsender TVN24. Er betonte, dass die
Frage der Verantwortung der russischen Fluglotsen für den Absturz der polnischen
Regierungsmaschine am 10. April 2010 zwar eines der Ermittlungsthemen, "aber
nicht das wichtigste Thema" war.
Edmund Klich sagte, dass er dem Druck des Ministers nicht nachgekommen sei.
"Ich wollte nicht zulassen, dass die Russen den Eindruck bekommen, dass wir
angekommen sind, um nur bei ihnen die Ursachen zu suchen", sagte er.
Der Minister weist das zurück und nennt die Vorwürfe Edmund Klichs
"Verleumdung" und droht mit einer Gerichtsklage. Er behauptet, dass der
polnische Akkreditierte bei dem MAK bei der Ermittlung frei agieren konnte. "Als
er in Smolensk war, konnte er unbegrenzt alle Ursachen der Katastrophe
untersuchen", sagte Bogdan Klich gegenüber der Agentur PAP.
Komorowski und Medwedew am Montag in Smolensk
Vor dem ersten Jahrestag des Absturzes einer polnischen Regierungsmaschine am
Sonntag hat der polnische Präsident Bronislaw Komorowski zu einer Fortsetzung
der historischen Versöhnung mit Russland aufgerufen. "Die polnisch-russischen
Beziehungen sind voller Schmerz, Blut und Feindschaft", deshalb könnten sie
leicht für politische "Manipulationen" missbraucht werden, erklärte der
Präsident. "Es ist immer schwieriger, Versöhnung und Zusammenarbeit zu schaffen,
als Angst zu machen", so das Staatsoberhaupt.
Komorowski bezog seinen Appell ausdrücklich auf die Auseinandersetzung um das
Flugzeugunglück im russischen Smolensk, bei dem sein Amtsvorgänger Lech
Kaczynski und alle 95 weiteren Passagiere ums Leben kamen. Russische und
polnische Experten werfen sich gegenseitig vor, die Aufklärung der Ursachen zu
behindern und die Verantwortung auf der jeweils anderen Seite zu suchen. Er
hoffe, dass die polnische Staatsanwaltschaft die für ihre Ermittlungen nötigen
Dokumente aus Moskau bekomme, so Komorowski. Er beurteile seine Zusammenarbeit
mit dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew positiv: "Alles zeugt davon, dass
ihm an guten Beziehungen zu Polen viel liegt", sagte das Staatsoberhaupt.
Komorowski und Medwedew werden am Montag in Smolensk zusammentreffen. Dort
werden sie über ein Denkmal für die Opfer der Tragödie sprechen. Außerdem werden
die Präsidenten Katyn besuchen, wo 1940 Tausende Polen vom Sowjet-Geheimdienst
NKWD erschossen wurden. Komorowski betonte die symbolische Bedeutung dieses
Schrittes, denn "zum ersten Mal treffen die Staatsoberhäupter unserer beiden
Staaten an den Gräbern der vom NKWD ermordeten Offiziere zusammen". Das
Flugzeug, das im vergangenen Jahr abstürzte, sollte die Passagiere zu einer
Gedenkfeier in Katyn bringen.
Bei dem Crash kamen am 10. April des Vorjahres alle 96 Insassen der Maschine
ums Leben, darunter der polnische Präsident Lecht Kaczynski, dessen Ehefrau und
zahlreiche weitere hohe Staatsfunktionäre. Über die Unglücksursachen herrscht
auch fast ein Jahr nach der Katastrophe noch Uneinigkeit.
Das MAK veröffentlichte Mitte Jänner 2011 seinen Abschlussbericht zu dem
Absturz. Der Bericht sieht die Verantwortung für das Unglück allein auf
polnischer Seite - insbesondere bei den Piloten, die trotz dichten Nebels einen
Landeversuch unternahmen. Eine von polnischer Seite vermutete Mitverantwortung
der Fluglotsen am Flughafen in Smolensk schließt der MAK-Bericht aus. Die
Fluglotsen hatten den Flugplatz trotz schlechten Wetters nicht geschlossen und
den Piloten bis kurz vor dem Unglück signalisiert, auf dem richtigen Kurs zu
sein.
Eine polnische Untersuchungskommission unter der Leitung von Innenminister
Jerzy Miller bereitet derzeit einen eigenen Bericht zum Flugzeugabsturz vor. Er
soll im April oder Mai veröffentlicht werden. (APA)