Schlechtes Make-up

10. April 2011, 16:27
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Was Chris Lohner da am Samstag am Bahnhof Wien-Spittelau ankündigte, war ein Tiefschlag

Da sage noch eine(r), Unsere liebe Bahn (ULB) kümmere sich nicht um Wohl und Mobilität ihrer Fahrgäste. Laufend werden neue, komfortable Reisezüge auf Schiene gebracht, die wie Jets düsen (sofern die Baustellen auf der Westbahn noch in diesem Leben ab- statt ausgebaut werden).

Für geplagte Pendler stampft ULB eine Park-and-ride-Anlage nach der anderen aus dem Boden. Auch das ist gut, denn ohne Abstellplatz für das Automobil ist die beste Schnellverbindung für die Katz. Der p. t. Vielfahrer kann sich sein Gefährt ja schlecht auf den Rücken binden, wenn er der Südbahn gegenüber der verstopften Südosttangente den Vorzug geben will.

Erstmals einen Hauch von Daseinsberechtigung bekam durch das neue Bahnregime sogar die teure wie ungerechte Eisenbahnerfrühpension. Denn die gnadenlosen Amtskappler, quasi Fleisch gewordener Schreck unserer Kindheit, wurden ausrangiert. Statt grantiger Schaffner gibt es fast nur ausnehmend freundliche Zugbegleiter, die einem sogar das Essen servieren.

Leider spielte Chris Lohner nicht mit. Sie kündigte am Samstag im Bahnhof Wien-Spittelau die Ankunft eines Zugs namens "Creme für die Frau ab 40" an. Das war ein Tiefschlag. Quenty Forty als erlesenes Geburtstagsgeschenk zum 40er - nix dagegen. Da verblasst selbst die zeitlose Schönheit der Franz-Josefs-Bahn. Sparsamkeit und kommerzielle Werbung in Ehren, auf die zwölftausend Euro im Jahr sollte ULB besser verzichten. Oder zumindest Viagra als Sponsor für einen Eilzug anheuern. Von wegen Gleichbehandlung. (Luise Ungerböck/DER STANDARD/Automobil/08.04.2011)

  • Düsen-Jet der ÖBB.
    foto: öbb

    Düsen-Jet der ÖBB.

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