Mit Radiojod gegen Krebs

8. April 2011, 09:29
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Jahrestagung der Nuklearmediziner widmet sich Schilddrüsenerkrankungen

Bregenz - Pro Jahr erkranken in Deutschland mehr als 5.000 Patienten an Schilddrüsenkrebs. Dank nuklearmedizinischer Diagnose- und Therapieverfahren können Schilddrüsentumore aber heute in frühen Stadien erkannt und behandelt werden. Mehr als 95 Prozent der betroffenen Patienten werden durch nuklearmedizinische Behandlungen geheilt. In der Therapie gutartiger Schilddrüsenerkrankungen hat sich die Nuklearmedizin ebenfalls bewährt.

Die erste therapeutische Maßnahme bei Schilddrüsenkrebs besteht in der operativen Entfernung des Tumors  bzw. der Schilddrüse. Eine postoperative Radiojodtherapie schaltet eventuell verbleibendes bösartiges Schilddrüsenrestgewebe aus. Dabei wird radioaktives Jod-131 verabreicht, das sich ausschließlich in Schilddrüsengewebe anreichert. Die kurz reichende Strahlung dieses radioaktiven Isotops wird genutzt, um Tumorzellen wirkungsvoll abzutöten. Die Nebenwirkungen sind gering.

Auch in der Behandlung gutartiger Schilddrüsenerkrankungen bewährt sich die Nuklearmedizin. Geringere Mengen radioaktiven Jods kommen zur Anwendung, um beispielsweise die Überfunktion der Schilddrüse bei Patienten mit der Basedow-Erkrankung zu beseitigen. Bei dieser  Autoimmunerkrankung bildet der Organismus Antikörper, die sich gegen die eigene Schilddrüse richten.

Jodmangelgebiet Deutschland

Mit verbesserter Jodversorgung hat sich die Anzahl der Schilddrüsenerkrankungen im deutschsprachigen Raum in den letzten Jahren deutlich reduziert, so dass derzeit bei weniger als fünf Prozent aller Kinder und Jugendlichen eine Vergrößerung der Schilddrüse zu finden ist. Trotzdem gilt Deutschland immer noch als Jodmangelgebiet. Eine ausreichende Aufnahme von Jod durch Nahrungsmittel ist nicht gewährleistet.

Jod ist ein essentielles Spurenelement, dass dem Aufbau körpereigener Schilddrüsenhormone dient und mit der Nahrung zugeführt werden muss. Der tägliche Jodbedarf des Menschen liegt bei 70 µg, wobei die WHO als optimale Zufuhr 150 bis 300 µg pro Tag empfiehlt. Ein Struma beziehungsweise Kropf kann die mögliche Folge eines Jodmangels sein. Die Schilddrüse vergrößert sich um den Mangel an Jod auszugleichen. Ist der Kropf inoparabel, kann mit einer Radiojodtherapie ebenfalls eine Verkleinerung der Schilddrüse erreicht werden. (red)

 

Schilddrüsenerkrankungen sind ein Schwerpunktthema auf der NuklearMedizin 2011, der gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Nuklearmedizin. Sie findet vom 13. bis 16. April im Festspielhaus Bregenz am Bodensee statt.

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