Klagenfurts Steigerung - Die Analyse zu Spiel vier

8. April 2011, 04:01
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Ein deutlich verbesserter KAC schafft bei sehr zurückhaltenden Salzburgern den Ausgleich in der Finalserie. Die Analyse zu Spiel vier in unserem Eishockey-Blog

Es war der Abend, der die Hoffnung nach Klagenfurt zurück gebracht hat. Mit einem 2:1-Sieg nach Verlängerung in Salzburg (Nachlese des Live-Tickers) hat der KAC die Finalserie der EBEL ausgeglichen und nun sogar wieder den Heimvorteil auf seiner Seite.

Ein verwandelter KAC

Kaum etwas hatte beim Rekordmeister in den letzten fünf Spielabschnitten der Serie geklappt, spielerische Mängel und eine fast greifbare physische und psychische Müdigkeit prägten im Besonderen das Heimspiel am Dienstag. Doch binnen 48 Stunden wurde aus dem havarierten Boot mit Schlagseite wieder ein stolzes Schlachtschiff, auf dem die rot-weiße Flagge weht. Eine Verwandlung, die Beleg für die Qualität des KAC ist, die aber auch unter einer besonderen Konstellation zu Stande kam, trafen am Donnerstag doch Klagenfurts stärkste und Salzburgs wohl schwächste Leistung der Finalserie zusammen.

Den Slot dicht gemacht

Ausgangspunkt für den erfolgreichen Abend aus Klagenfurter Sicht war die für die meisterschaftsentscheidende Phase nicht alltägliche Entscheidung von Trainer Viveiros und seinem Stab, die Zusammensetzungen der Angriffsformationen wild durcheinanderzuwirbeln. Eine Maßnahme, mit der Salzburg nicht gerechnet hatte. Die Bullen wirkten zu Beginn überrascht und schafften es daher nicht, ihr für die ersten drei Spiele der Serie symptomatisches Anfangsfurioso aufzuziehen.
Entscheidend dabei auch, dass der KAC von Beginn an - und letztlich über mehr als 63 Minuten - den Slot vor Goalie Andy Chiodo sehr gut abschirmen konnte. Salzburg war gezwungen, den Erfolg vornehmlich über Distanzschüsse suchen zu müssen. Ein Unterfangen, das über die gesamte Spielzeit hinweg misslang. Im Gegenteil: Die kompakte und gut verdichtete Box vor dem eigenen Tor sorgte dafür, dass der zuletzt sehr unglücklich agierende Chiodo gleich zu Beginn einige sehr dankbare Schüsse zu halten bekam und darauf sein Selbstvertrauen und in weiterer Folge eine äußerst sichere und stabile Leistung über den gesamten Abend hinweg aufbauen konnte.

Salzburg mit wenig Druck, der KAC mit der Führung

Weder im torlosen ersten Abschnitt noch im weiteren Spielverlauf fand der EC Salzburg richtig zu seinem Spiel, im Vergleich zu den letzten Auftritten fehlte es im Angriff merklich an Nachdruck. Mit fortlaufender Spielzeit hatte es immer mehr den Anschein, dass die offensivstärkste Mannschaft der Liga ob des ausbleibenden Torerfolgs ins Grübeln geriet, die Anstrengungen damit auch zunehmend verkrampfter wirkten. So dauerte es im vierten Spiel der zuvor so trefferreichen Serie bis zur 34.Minute, ehe das erste Tor fiel. Bejubeln durften es die Gäste aus Klagenfurt: Thomas Hundertpfund chippte die Scheibe in einer eigentlich eher ungefährlichen Situation in Richtung Tor, wo sie Divis durch die Beine rutschte. Der bereits zwölfte Saisontreffer des Eigenbauspielers zur Krönung einer sehr starken individuellen Leistung an diesem Abend.

Immer wieder Scofield

Auch im letzten Abschnitt lagen die spielerischen Vorteile beim KAC, der sich die besseren Chancen erarbeitete, diese jedoch nicht nutzen konnte. Ohne dass Salzburg je richtig auf den Ausgleich gedrückt hatte, ermöglichte ein Abwehrfehler der Rotjacken knapp zehn Minuten vor dem Ende dann doch den ersten Treffer der Gastgeber: Bois bediente mit gutem Auge von hinter dem Tor aus den völlig frei stehenden Martin St.Pierre, der bei seinem Onetimer die Scheibe zwar nicht ganz wie gewollt traf, sie aber dennoch im Kasten unterbrachte. Von einigen Unsicherheiten bei Sikleka und Brown abgesehen, blieb es Klagenfurts einziger schwerwiegender Fehler in der Defensive an diesem Abend.

In der Verlängerung nahm Salzburg von Beginn an das Heft in die Hand, den spielentscheidenden Treffer erzielte nach 3:33 Minuten jedoch der KAC: Der stärkste Offensivspieler der Rotjacken in der bisherigen Serie, Tyler Scofield, tankte sich über den rechten Flügel durch und schuf mit zwei, drei schnellen Schritten eine 2-on-1-Situation für sich und den mitgelaufenen Tyler Spurgeon. Scofield wartete lange mit dem Querpass, erwischte letztlich aber genau den richtigen Moment, sodass es für seinen Angriffspartner ein Leichtes war, Salzburgs erste Play-Off-Heimniederlage nach zehn Siegen am Stück zu besiegeln.

Klagenfurts Offensiv-Routiniers weiterhin blass

Dass RedBull-Coach Pierre Pagé nach der Partie nicht wirklich über das Spiel sprechen wollte und stattdessen bereits die Konzentration auf die fünfte Begegnung am kommenden Sonntag lenkte, ist verständlich. Salzburg war es an diesem Abend nie richtig gelungen, sein druckvolles und variantenreiches Offensivspiel aufzuziehen. Der Schlüssel zum Erfolg des KAC lag in einer enormen Steigerung im Defensivverhalten, Kompaktheit im Zentrum, gegen die Salzburg kein Mittel fand und die es dem zuletzt so unsicheren Goalie Chiodo auch ermöglichte, wieder zurück zu seinem Spiel zu finden.

Der KAC hat die Finalserie ausgeglichen und ist damit wieder voll zurück im Kampf um die Meisterschaft. Im Vergleich zur Partie am Dienstag haben sich die Rotjacken enorm gesteigert, tun bei aller Freude über den nicht unbedingt zu erwartenden Erfolg aber gut daran, den Spielverlauf nicht verklärt wahrzunehmen. Denn während es in der Abwehr prima geklappt hat, wurde im Angriff teilweise doch recht fahrlässig mit Chancen umgegangen. Auffällig auch, dass die Offensive derzeit sehr stark vom dynamischen Duo Scofield/Spurgeon abhängig ist, sich dahinter vor allem mit Herburger und Hundertpfund Aktivposten präsentieren, man bei den Routiniers wie Kalt, Schuller oder auch Brandner aber noch deutliche Leistungssteigerungen erwarten darf.

Hohe Qualität, Zenit jedoch noch nicht erreicht

So vergleichsweise harmlos wie in Spiel vier dürfte Salzburg im weiteren Verlauf der Serie nicht mehr auftreten. Dementsprechend muss der KAC nun danach trachten, sein stabilisiertes Defensivspiel aufrecht zu erhalten und gleichzeitig in die Durchschlagskraft der Offensive zu erhöhen. Im Besonderen trifft das auf das Überzahlspiel zu, in dem derzeit gerade der Block der österreichischen Spieler ein ums andere Mal konzeptlos wirkt. Salzburg nimmt - das zieht sich durch die kompletten bisherigen Play-Offs - mindestens zwei, drei unnötige Strafen pro Spiel. Will der KAC nach dem erlösenden Ausgleich in der Serie die zum Titelgewinn noch notwendigen zwei Siege einfahren, muss er davon Nutzen ziehen.

Spiel vier war die an Klasse reichste Partie der bisherigen Finalserie. Dementsprechend darf man sich auf die nächste Begegnung am Sonntag in Klagenfurt (wie immer im Live-Ticker auf derStandard.at) freuen - auch weil nun wieder eine maßgebliche Steigerung vom Titelverteidiger zu erwarten ist. (Hannes Biedermann; derStandard.at; 8.April 2011)

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