Finanzsystem gerettet, Arbeitsmarkt demoliert

7. April 2011, 18:47
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Staaten, die Hilfen von EU und IWF in Anspruch nehmen, kämpfen mit massiven wirtschaftlichen Problemen

Die Schuldenkrise hält seit Monaten die Euroländer im Westen in Atem. Aber angefangen hatte alles ganz woanders: im Osten. Ungarn, Lettland, Rumänien waren im Herbst 2008 als erste EU-Staaten zahlungsunfähig geworden und mussten mit Krediten der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) aufgefangen werden. Hinzu kamen die Schuldnerländer Ukraine, Bosnien, Serbien und Weißrussland. Alle Staaten müssen im Gegenzug für die gewährleisteten Hilfen rigide sparen. Die Zwischenbilanz der Staatenrettungen fällt durchwachsen aus:

Lettland: Der Fall Lettland weist die meisten Parallelen mit Griechenland und Irland auf. Lettland ist zwar nicht Euro-Mitglied, aber die Landeswährung Lat ist an den Euro gekoppelt. Während Ungarn und Rumänien den einfacheren Weg wählten und die Abwertung ihrer Währung zuließen (was Exporte beflügelt und das Land für Investoren billiger macht), entschied sich Riga (auch auf Druck der EU), die Lat-Anbindung zu halten.

Seit 2008 ist daher etwas im Gange, das Ökonomen als "interne Abwertung" bezeichnen. Der Staat spart und kürzt, Gehälter werden gedrückt. Die Idee dabei: Das Land soll auch ohne Währungskorrektur "billiger" werden. Das ist gelungen. Die Leistungsbilanz Lettlands ist positiv. Der IWF hat sogar angedeutet, Riga könnte bald an die Kapitalmärkte zurückkehren. Der Preis dafür war hoch. 200.000 Menschen haben ihren Job verloren, 43 Prozent der Jungen sind arbeitslos. Die Wirtschaft ist 2009 um 18 Prozent eingebrochen und stagnierte auch 2010.

Griechenland, Irland: Durch die Notkredite konnte der Bankensektor in beiden Staaten stabilisiert werden. In Griechenland haben Sparer aus Furcht vor Bankenpleiten 2010 die Rekordsumme von 35 Milliarden Euro ins Ausland transferiert. Dieser "Banken-Run" wurde gestoppt. In Irland musste fast der gesamte Bankensektor verstaatlicht werden, die internationalen Kredite schaffen dafür ein Kapitalpolster. Hauptproblem beider Staaten ist, dass die Wirtschaft wegen der Einsparungen schrumpft. Griechenlands Steuereinnahmen liegen ebenso wie jene Irlands hinter dem Zeitplan. Athen wird 2011 erneut ein Sparpaket von angeblich 25 Milliarden auflegen müssen. Irland droht ein ähnliches Schicksal.

Q Rumänien, Ungarn In beiden Staaten macht sich nach der EU/IWF-Hilfe eine Zweiteilung bemerkbar. Durch die Abwertung der Landeswährungen Forint und Leu boomt die Exportwirtschaft. Rumäniens Industrie exportiert heute mehr als vor der Krise. Renault-Tochter Dacia zählt zu den erfolgreichsten Autokonzernen Europas. Der Inlandskonsum dagegen liegt am Boden.

Q Serbien, Bosnien, Ukraine Während die Ukraine und Serbien wegen wirtschaftlicher Probleme Hilfe brauchten, macht Bosnien die interne Spaltung (Bosnische Föderation, Republika Srpska) zu schaffen. Der IWF-Kredit diente hier vor allem dazu, die politische Koordination im Land zu stärken. (András Szigetvari, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 8.4.2011)

 

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