Militärisches Mobbing

7. April 2011, 18:44
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Freilich ist es in Österreich nicht so leicht, einen hohen Beamten so einfach zu entlassen

Das Bundesheer und sein Minister Darabos haben derzeit schwere Lasten zu tragen: Da ist die Geschichte mit dem Privatporno auf dem Dach der Landesverteidigungsakademie in Wien, in deren Zusammenhang ein hoher Offizier in die Boulevardzeitungen geriet. Das verleiht dem Begriff "safer sex" eine ganz neue Bedeutung, da die militärische Objektsicherung hier offensichtlich versagt hat.

Weniger lustig ist es, wie die Heeresführung, konkret Minister Darabos, dem abgesetzten Generalstabschef Edmund Entacher nun einen Strick zu drehen versucht. Entacher hat im Profil ziemliche Zweifel an dem plötzlichen Wechsel zum Berufsheer geäußert. Das konnte nicht ohne Reaktion bleiben, zumal der Befehlshaber von Darabos, Kanzler Faymann, vom Oberbefehlshaber, der Krone, zu einem harten Durchgreifen aufgefordert wurde. Freilich ist es in Österreich nicht so leicht, einen hohen Beamten so einfach zu entlassen. Daher hat Darabos eine umfangreiches Dossier zusammenstellen lassen, indem andere hohe Offiziere eine lange Reihe von ziemlich lächerlichen Vorwürfen gegen Entacher zusammentrugen.

Vor 100 Jahren hätte so etwas noch mit dem Zerbrechen des Säbels und Abreißen der Distinktionen vor angetretener Truppe geendet, aber heute ist man zivilisierter: Da greift man zum Mobbing. Darabos, der einmal den Eindruck eines vernünftigen Politikers machte, schießt sich hier ins Knie. (Rau, DER STANDARD; Printausgabe, 8.4.2011)

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