Sehr gute Musiker mit sehr schlechtem Englisch

7. April 2011, 18:27
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Kärntens "No Problem Orchestra" bot William und Kate seine Dienste an - und missverstand deren Absage

 

Grafenstein/London - Josef Schörkmayr versteht die Welt nicht mehr: Dass er, der Leiter des Kärntner No Problem Orchestra, plötzlich als Hochstapler und PR-Trittbrettfahrer der britischen Prinzenhochzeit dasteht, sei unfair, gemein und infam.

Denn mitnichten sei er das, was ihn die Wiener Gratiszeitung Heute am Donnerstag nannte: ein "Heiratsschwindler" nämlich. Schließlich verkündet die Homepage des aus Behinderten bestehenden renommierten Orchesters stolz, man werde bei der Hochzeit von Kate und William am 29. April aufspielen.

Dass die Presseabteilung im Buckingham Palace - auf Nachfrage des Standard - festhält, davon nichts zu wissen ("They will not play. We do not even know them."), macht den Orchesterchef "fassungslos". Schießlich sei Anfang Februar ein Peter Fergusson ("der Weddingplaner" beteuert Schörkmayr) an ihn herangetreten: Ob denn das Orchester eventuell Lust hätte, in London mit dabei zu sein? Schörkmayr schickte daraufhin Unterlagen - und erhielt am 21. Februar einen Brief aus dem Büro von Prince William.

Der Brief liegt dem Standard vor. Die zentrale Passage ist auch mit mittelgutem Englisch leicht als höfliche Absage zu dechiffrieren.

Doch in Kärnten las man darin die "Ankündigung einer fixen Zusage" - zumindest Orchesterleiter Schörkmayer. Und als drei Tage später auf der Web-Plattform des Toronto Star, thestar.com, das musikalische und gastronomische Line-up der Feierlichkeiten stand, frohlockte der Orchesterleiter. "Das war doch eine offizielle Aussendung", erklärte er noch Donnerstagvormittag, "da stand ja alles drin." Die frohe Kunde kam daraufhin auf die Orchesterhomepage, die Reise wurde vorbereitet. Schörkmayer schrieb nach London, bat um Details - und war Donnerstag noch optimistisch, "bald was zu hören. Aber die Zeit wird knapp."

Doch London, insbesondere Buckingham, schweigt. "Unser einziger Kommentar zu dieser Geschichte: kein Kommentar." (Thomas Rottenberg / DER STANDARD, Printausgabe, 8.4.2011)

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