"Thema Börsengang bei Constantia Flexibles spannend"

7. April 2011, 18:03
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Mit 19 Euro und 19,3 Millionen Aktien wurden viele Erwartungen enttäuscht, Christopher von Hugo sieht noch Potenzial

Wien - Der Börsengang des Aluminiumkonzerns Austria Metall AG (Amag) ist mit Ach und Krach über die Bühne gegangen. Mit 19,3 Millionen Aktien und einem Ausgabepreis von 19 Euro je Papier endete die Zeichnungsfrist am unteren Ende der Erwartungen. Die heimische Amag wird aber die für Investitionen eingeplanten 100 Millionen Euro an Kapitalerhöhung erhalten. Die neue Eigentümerstruktur ist stark in Oberösterreich konzentriert. 11,5 Prozent hält die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, fünf Prozent die Oberbank und elf Prozent die Belegschaft. Alteigentümer One Equity Partners, Beteiligungsarm von JPMorgan, bleibt über seine Tochter mit 34,5 Prozent beteiligt, musste aber angesichts des niedrigeren Ausgabepreises zurückstecken. Im Interview beurteilt Christopher von Hugo den Börsegang dennoch als Erfolg:

Standard: Enttäuscht, weil der Amag-Börsengang am unteren Erwartungsende angekommen ist?

Von Hugo: Es gibt bei Börsengängen viele Unberechenbarkeiten. Innerhalb von einer Woche können sich Märkte rapid verändern. Wir haben eine Bandbreite gesetzt und gesagt, dass das Unternehmen, sofern die Preisspanne erreicht wird, den Börsengang machen darf. Wir hätten beim oberen Ende des Preises mehr Volumen abgegeben. Am unteren Ende sehen wir selbst noch genug Potenzial.

Standard: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von bis zu 15 wäre der Börsengang ja recht teuer bewertet.

Von Hugo: Die Amag wird aber im Laufe des Jahres auch ein sehr starkes Ergebnis abliefern.

Standard: Hat es geschadet, dass Ihr Mutterkonzern JPMorgan auch die Emissionsbank beim Amag-IPO war?

Von Hugo: Das sehe ich überhaupt nicht. Die Amag hat viele Investoren angesprochen. Allerdings sind die Orders von der Größe her nicht so ausgefallen, wie es in einem besseren Umfeld der Fall gewesen wäre. Da gibt es also viele Investoren, die noch ihr Pulver trocken gehalten haben. Die Investoren aus Österreich haben sehr stark performt. In anderen Regionen war die Sicht ein wenig kühler.

Standard: Gibt es konkrete Pläne für weitere Teile aus der Constantia Packaging AG, also für das Verpackungsunternehmen Constantia Flexibles oder den Wellpappeproduzenten Duropack?

Von Hugo: Wir haben bereits bei der Duropack eine größere Akquisition gut abgewickelt und sind jetzt dabei, die Synergien zu heben. Das Unternehmen ist in einem stark wachsenden Sektor Osteuropas stark positioniert. Auch bei der flexiblen Verpackung haben wir diesen Monat die zweite Akquisition gemacht. Wir sind bei beiden Unternehmen derzeit stark in der Ausbauphase.

Standard: Gibt es daher bald wieder Kapitalbedarf von der Börse?

Von Hugo: Ich sehe das kurzfristig nicht. Wir sind zwar in beiden Bereichen auf Expansion, werden aber selbst Kapital in diese Unternehmen stecken. Das Thema Börsengang bei Constantia Flexibles ist mit einem Umsatz von zukünftig zwei Milliarden Euro auch für das Unternehmen spannend. Es ist noch sehr auf Europa fokussiert und wir wollen helfen, Wachstumsmärkte in Lateinamerika und Osteuropa zu eröffnen. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.4.2011)

 

Christopher Von HUGO ist Partner bei One Equity Partners (OEP) und mitverantwortlich für das Europa-Geschäft. Zuvor war er Partner und Mitinhaber von Palladion Partners, einer unabhängigen Private Equity Gesellschaft. Er ist Aufsichtsratsmitglied in zahlreichen Unternehmen unter anderem bei der Amag.

  • Von Hugo: Die Amag wird im Laufe des Jahres ein sehr starkes Ergebnis abliefern.
    foto: standard

    Von Hugo: Die Amag wird im Laufe des Jahres ein sehr starkes Ergebnis abliefern.

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